«Stopp! Ihr müsst es schneller spielen», sagt Günther Stückle, Dirigent des Streichorchesters Dietikon. Als wäre diese Aufforderung ein Zauberspruch, sitzt beim zweiten Anlauf alles und nach einigen Takten kann der junge Solist mit seinem virtuosen Klavierspiel einsetzen. Das Streichorchester befindet sich mitten in der Vorbereitung für das Herbstkonzert morgen Abend in der reformierten Kirche in Dietikon.

Am Rande der Proben sagt Christa Jordi, Gründerin und Präsidentin des Streichorchesters: «Das Orchester gibt es seit 2011 und seit vier Jahren bieten wir Jungtalenten eine einmalige Plattform, mit uns aufzutreten.» Am diesjährigen Herbstkonzert wird der 20-jährige Maurice Imhof zum ersten Mal in seiner Musikerkarriere als Solist mit der 22-köpfigen Streicher-Formation auftreten.

Der Dirigent schickte Imhof einige Vorschläge, aus denen der junge Pianist das 12. Klavierkonzert von Mozart auswählte. «Mozart hat dieses Klavierkonzert genau für Klavier und Streichorchester geschrieben. Es ist mit dieser Besetzung besonders vielfältig in den Klangfarben», erklärt der junge Uitiker. Zur Vorbereitung hat der mehrfach ausgezeichnete Musiker das Konzert ab Noten geübt, um sich Gedanken über die Interpretation zu machen und gleichzeitig an den technischen Schwierigkeiten zu arbeiten. Das Auswendiglernen sei so von selbst geschehen, sagt er. Als Solist wird er als einziger Musiker auf der Bühne das Konzert ohne Noten spielen.

Begeisterung für Boogie-Woogie

Schon früh habe das Klavier eine Faszination auf ihn ausgeübt, sodass er bereits mit sechs Jahren mit dem Spielen begann. «Als Kind hat mir eine Jazz-CD mit Boogie-Woogie besonders gefallen», erinnert sich Imhof, der das K+S (Kunst und Sport) Gymnasium Rämibühl absolviert hat und diesen Sommer seinen Bachelor in Klavier an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen hat. Erst seit dem Gymnasium habe er intensiver Klavier geübt und durch das Studium vertieftes musikalisches Verständnis erworben. Er höre jedoch nicht häufig Musik, sondern mache diese lieber selbst. Das Komponieren gehört neben Ski- und Fahrradfahren zu seinen Hobbys. So hat er die James-Bond-Melodie zu einem jazzigen Stride-Piano-Stück umgeschrieben. Und in seiner Maturaarbeit bearbeitete er einen Satz eines Tschaikowsky-Klavierkonzerts und machte daraus Jazz, wofür er die Bestnote erhielt.

«Es gibt nicht viele Pianisten, die sowohl Klassik als auch Jazz spielen. Maurice Imhofs Qualität besteht gerade darin, dass er sich gekonnt in diesen zwei Welten bewegt», lobt Jordi, die Imhof vor einem Jahr bei einem Konzert im Üdiker-Huus entdeckte. Die gemeinsamen Proben mit Imhof begannen im Juli. Bei den Proben hätten alle Beteiligten dank des pädagogisch und diplomatisch geschickten Dirigenten grosse Fortschritte gemacht, so Jordi. Und Imhof ergänzt: «Mozart ist sehr schwierig, zu spielen, auch wenn seine Stücke leicht anmuten könnten, weil sie über weniger Noten verfügen. Die einzelnen Noten fallen deshalb mehr ins Gewicht. Die Herausforderung besteht darin, die einzelnen Noten nicht langweilig, sondern lebendig klingen zu lassen.»

Das Herbstkonzert des Streichorchesters Dietikon mit Dirigent Günther Stückle und Solist Maurice Imhof findet am Samstag, 24. September, um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche Dietikon statt.