«Es war schön», erinnerte sich der heute 63-jährige Schweizer letzte Woche am Bezirksgericht Dietikon an den Herbst 2012 zurück. Der Limmattaler Ingenieur hatte sich damals auf eine Liebesbeziehung mit einer um sechs Jahre jüngeren Freundin eingelassen. Das Paar wies Gemeinsamkeiten auf. So hatten beide Personen unter einer Alkoholsucht gelitten und mussten sich einer Entzugstherapie unterziehen. Die Frau nahm zum Einschlafen immer noch Medikamente ein.

Letzte Woche beschäftigte die frühere Freundschaft das Bezirksgericht Dietikon. Die Liebe war inzwischen einem tiefen Hass und gegenseitiger Verachtung gewichen. Beide Seiten kommunizieren heute – wenn überhaupt – nur noch über ihre Rechtsvertreter. Der gesundheitlich angeschlagene und bisher unbescholtene Limmattaler musste sich jetzt wegen mehrfacher Schändung verantworten und im Falle eines Schuldspruchs mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren rechnen.

Vor Gericht kam heraus, dass sich das Paar im Herbst 2013 getrennt hatte. Worauf die Frau die Polizei aufsuchte und ihre Befürchtung mitteilte, dass ihr Ex-Partner ihre intimen Handlungen gefilmt habe und in das Internet stellen könnte. Später schlugen die Ängste in Vorwürfe um. So habe er sie wiederholt – bis hin zum Geschlechtsverkehr - sexuell missbraucht, gab sie an. Dabei schilderte sie zwei Vorfälle, bei denen sie zuvor Medikamente eingenommen hatte und danach stark benommen von ihrem Partner ausgebeutet worden sei.

Der Beschuldigte wies vor Gericht die Anklage entschieden zurück und sprach von einvernehmlichen Geschlechtsakten. Er habe sie weder bedroht noch verletzt, sagte er aus. Im Gegenteil: Man habe viel über Sex gesprochen. Dabei habe sie ihm auch die Erlaubnis gegeben, sie auch «schlafend» zu nehmen. Ein Ereignis habe ihn allerdings auch erstaunt. So habe sie sich nach einer Liebesnacht am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern können. Obwohl sie während der sexuellen Handlungen wach gewesen sei. Die Anzeige seiner Ex-Freundin stufte der Ingenieur als Racheakt ein, da er die Beziehung wegen ihrer Schwatzhaftigkeit beendet habe.

Im Zweifel für den Beschuldigten

Das Plädoyer der zuständigen Staatsanwältin zeigte auf, dass die Anklage alleine auf den zum Teil schwankenden Aussagen der Geschädigten gründete und damit auf eher schwachen Füssen stand. So hatte die Anklägerin eingeräumt, dass sie verliebt gewesen und vom Beschuldigten nicht verletzt worden sei. Sie habe sich dennoch missbraucht und ausgenutzt gefühlt.

Das Gericht folgte zum Schluss den Anträgen der Verteidigung und kam zu einem Freispruch. Mit der Folge, dass die finanziellen Forderungen der Geschädigten auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen wurden. Es habe für einen Schuldspruch schlicht nicht ausgereicht, führte der Vorsitzende zur Urteilsbegründung aus.

Unter anderem habe die Privatklägerin ihre Darstellungen im Verlauf der Untersuchung dramatisiert. Das Gericht legte aber auch Wert darauf, dass die Frau keine bewussten Falschaussagen zu Protokoll gegeben habe. Der Freispruch sei nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» erfolgt.