Dietikon

Kläger kann nicht beweisen, dass die Partnerin sich wie ein Koala an ihn hängte

Bei einem Streit mit seiner damaligen Partnerin verletzt sich ein Mann. Der Fall ist nun vor das Bezirksgericht Dietikon gekommen.

Bei einem Streit mit seiner damaligen Partnerin verletzt sich ein Mann. Der Fall ist nun vor das Bezirksgericht Dietikon gekommen.

Ein Paar hat sich gestritten – dabei verdrehte sich der Mann das Knie. Dass die Frau ihn zu Fall gebracht habe, sei nicht erwiesen, sagt das Bezirksgericht Dietikon und spricht sie frei.

«Es ist falsch, was da behauptet wird», erklärte die Beschuldigte vor Gericht. Vorgeworfen wurde der 40-jährigen Frau, sich bei einer verbalen Auseinandersetzung ihrem damaligen Partner um den Hals – «beziehungsweise», so die Anklage, «wie ein Koala an dessen Körper» – gehängt und ihn zu Boden gerissen zu haben. Beim Versuch, nicht auf die Beschuldigte zu stürzen, habe sich der Mann das Knie verdreht und dadurch «am linken Knie eine Impressionsfraktur des posterolateralen Tibiaplateaus sowie eine Partialruptur/Zerrung des vorderen Kreuzbandes» erlitten. Der Mann erstattete Anzeige. Darauf war ein Verfahren eingeleitet, dann sistiert, später aufgrund einer Verfügung wieder aufgenommen worden. So stand die Beschuldigte vor dem Dietiker Bezirksgericht. Die Staatsanwaltschaft forderte wegen einfacher Körperverletzung eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Franken.

«Der Kläger hat mich zu Boden geworfen», erklärte die Beschuldigte gegenüber Bezirksrichter Benedikt Hoffmann. «Dabei ist er ausgerutscht und hat sich verletzt. Er war hässig, weil ich anderntags alleine zum Coiffeur wollte. Ich war einfach müde. Ich wollte nicht mit ihm diskutieren.» Die Beziehung mit dem Kläger, mit dem sie ein Kind hat, sei «sehr problematisch» gewesen, sagte die Frau. Zum Einwand des Richters, dass der Kläger den Vorfall anders schildern würde, erklärte sie: «Er ist krankhaft eifersüchtig.» Er habe ihr immer wieder gedroht. «Er wollte unseren Sohn für sich oder ihn fremdplatzieren.» Er habe sie auch ins Gesicht geschlagen und ihr gedroht, dass er sie ins Gefängnis oder in die Psychiatrie bringen werde. Dass sie ihn verletzt habe, beruhe auf einer Lüge. «Ich möchte, dass er nicht die Hexe in mir sieht und dass er sich um seinen Sohn kümmert.»

Der Verteidiger verweist auf die Körpermasse

Zu Beginn der Verhandlung hatte der Verteidiger der Frau geltend gemacht, dass auf das Verfahren nicht eingetreten werden könne, weil die Wiederaufnahmeverfügung nicht fristgerecht erlassen worden sei. Das Gericht sah das jedoch anders. In seinem Plädoyer erklärte der Verteidiger, dass der Anklage nicht gefolgt werden könne, weil sie die Schuld seiner Mandantin nicht zu beweisen vermöge.
«Der Kläger ist selber zu Fall gekommen, als er sich auf die Beschuldigte gestürzt hat», sagte er. Die anders lautenden Aussagen des Mannes «entbehren jeder Plausibilität». Denn: Seine Mandantin sei 160 Zentimeter gross und wiege 50 Kilogramm. Zudem sei sie damals eine stillende Mutter mit einer Kaiserschnittnarbe gewesen. Der Kläger hingegen sei 185 Zentimeter gross und gut 100 Kilo schwer.

Ziel der Klage sei es, die Frau unter Druck zu setzen, um das alleinige Sorgerecht für das Kind zu erlangen. Mit einer Flut von Unterlagen versuchte der Verteidiger die Glaubwürdigkeit des Klägers in Zweifel zu ziehen. Er forderte für seine Mandantin einen Freispruch. Das Gericht sprach die Beschuldigte frei und gestand ihr eine Prozessentschädigung von insgesamt 1077 Franken zu. Die Aussagen der Beschuldigten seien nicht restlos überzeugend, aber ebenso wenig diejenigen des Klägers, so Bezirksrichter Hoffmann. «Es lässt sich nicht mit letzter Sicherheit feststellen, was vorgefallen ist. Daher muss ein Freispruch erfolgen.»

Meistgesehen

Artboard 1