Juristische Personen sollen künftig keine Kirchensteuer mehr zahlen – das fordern die Jungfreisinnigen des Kantons Zürich mit ihrer Kirchensteuerinitiative, über die das Zürcher Stimmvolk im Mai abstimmen wird. Das Dafür und Dawider diskutierten Vertreter aus Kirche, Politik und Wirtschaft unter der Leitung von Jürg Krebs, dem Chefredaktor der Limmattaler Zeitung. Es war der Höhepunkt der Veranstaltungsreihe «Rund um die Landeskirchen».

«Wir wollen die Absurdität abschaffen, dass Unternehmen – die ja keiner Religion angehören – Kirchensteuern bezahlen müssen», verteidigte Andri Silberschmidt, Co-Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Zürich, die Initiative seiner Partei. Schliesslich würden die Unternehmen etwa mit der Gemeindesteuer schon genug Verantwortung übernehmen, so Silberschmidt.

Massive Nachteile für die Kirche

Doch mit dieser Meinung stand der 20-Jährige im Pfarreizentrum der katholischen Kirche Urdorf allein auf weiter Flur. Benno Schnüriger, der Präsident des Synodalrats der katholischen Kirche Zürich, entgegnete, dass eine Abschaffung der Kirchensteuer für juristische Personen massive Nachteile für die Kirchgemeinden mit sich bringen würde: «Wir würden ein Drittel unserer Einnahmen verlieren», so der Präsident des Synodalrats der Katholischen Kirche des Kantons Zürich.

Von den Anwesenden im katholischen Pfarreizentrum Urdorf ernteten die Gegner der Kirchensteuerinitiative mit ihren Argumenten stilles Kopfnicken. So führte Alfred Bruppacher dem Publikum vor Augen, welche kirchlichen Leistungen in Urdorf bei einer Annahme der Initiative gefährdet wären: «Dazu gehören Gedenkanlässe, Seniorenausflüge oder auch das Jugendzentrum», so der Präsident der reformierten Kirchgemeinde Urdorf. Letzteres finanziere die Kirche schliesslich mit rund 40 000 Franken – Gelder, welche ohne die Kirchensteuer für juristische Personen schwierig aufzutreiben wären.

Als Wirtschaftsvertreter war der Urdorfer Unternehmer Frank Götsch- mann eingeladen. Entgegen den Erwartungen machte er schnell klar: «Auch ich bin gegen die Kirchensteuerinitiative.» Die Ersparnisse für sein Unternehmen wären sehr klein, für die Kirchen sei die Summe dieser Einnahmen aber unverzichtbar.

«Nur das Beste für die Kirche»

Der Jungfreisinnige Silberschmidt versuchte seine Position zu verteidigen: «Ich und meine Partei wollen nur das Beste für die Kirche», sagte er. Die Jungfreisinnigen würden mit der Initiative den Wettbewerb fördern wollen. «Wenn Kirchen ohne grossen Aufwand immer die gleiche Summe vom Staat erhalten, gehen Bemühungen um Attraktivität verloren, und somit auch die Beteiligung der jugendlichen Mitglieder.»