Schlieren

Kirchenpflege will Orgel konzerttauglich machen

Jean-Claude Perrin und Ursula Gütlin-Plüer wollen die Orgel der grossen reformierten Kirche sanieren. fni

Jean-Claude Perrin und Ursula Gütlin-Plüer wollen die Orgel der grossen reformierten Kirche sanieren. fni

620'000 Franken kostet die Sanierung – dank zusätzlichen Registern soll das Instrument vermarktet werden können.

Stramm steht sie da, für eine 77-Jährige. Nur klingen will sie nicht mehr richtig. Die Orgel in der grossen reformierten Kirche in Schlieren musste in den letzten Jahren immer wieder repariert werden: Verklebte Ventile, Risse in der Holzmechanik, die beim Spielen zu störenden Heulern führten, und eine anfällige elektro-pneumatische Steuerung machten den Organisten das Leben schwer.

Nun hat die reformierte Kirchenpflege genug: Sie unterbreitet den Stimmberechtigten an der Kirchgemeindeversammlung vom 18. Mai eine Kreditvorlage für die Sanierung der Orgel in der Höhe von 620 000 Franken. Warum ersetzt man das Instrument nicht gleich vollständig? «2005 holten wir bei verschiedenen Experten Gutachten ein. Alle fanden, dass es sich bei unserer Orgel um ein sehr gutes Instrument handle, dass es aber defekt sei», sagt Kirchenpflegepräsidentin Ursula Gütlin-Plüer. Deswegen, und auch um die optische Einheit von Orgel und Kirchenraum zu erhalten, habe man sich für eine umfassende Sanierung und gegen ein neues Instrument entschieden.

Mehr Frische dank neuer Pfeifen

Ziel der Sanierung ist es nicht nur, die Orgel wieder für die nächsten Generationen fit zu machen. Drei zusätzliche Pfeifenregister sollen den Klang des Instruments auffrischen. Dadurch soll es auch konzerttauglich werden. «Schön wäre es, wenn wir dieses Instrument so breiter nutzen könnten», sagt Liegenschaftsvorstand Jean-Claude Perrin. Über Auftritte von Konzertorganisten könne das sanierte Instrument vermarktet werden und die Kirche erhielte die Möglichkeit, daraus Einkünfte zu generieren. Das Kostendach für die zusätzlichen Register liegt laut Perrin bei rund 70 000 Franken.

Im Submissionsverfahren setzte sich die Dietiker Firma Metzler Orgelbau AG gegen zwei weitere Konkurrenten durch. Es handelt sich dabei um jene Firma, die schon 1936 das gegenwärtige Instrument konzipiert und erbaut hatte.

Orgelgraben soll verschwinden

Der Hauptgrund für ihren derzeitigen Zustand sei, dass die Orgel unter dem Niveau des Kirchenbodens in einem Orgelgraben aufgebaut ist, erklärt Orgelbauer Andreas Metzler: «Starke Temperaturunterschiede und die Luftfeuchtigkeit setzten der Konstruktion in Massivholzbauweise stark zu.» Der Orgelgraben soll deshalb aufgefüllt und die Orgel ebenerdig aufgebaut werden. Ein Teil der Technik wird dabei ersetzt. Gemäss Metzlers Plänen wird auch die Zugänglichkeit der Instrumententeile erhöht: Heute müssen Wartungsarbeiten und Reparaturen wegen der engen Platzverhältnisse im Graben teilweise auf allen Vieren vorgenommen werden.

Ein weiteres Problemfeld hinter dem heutigen Zustand der Orgel bildet der Umstand, dass die Pfeifenventile über ein elektrisches Luftdrucksystem gesteuert werden. «Seit über 60 Jahren bauen wir keine solchen Systeme mehr. Damals aber galt dies als modernste Lösung», sagt Metzler.

Verkabelung ist fast 80 Jahre alt

Problematisch daran ist, dass die fast 80-jährigen Verkabelungen und auch das pneumatische System sehr störungsanfällig sind. Für die Orgelkommission der Kirchenpflege war deshalb klar, dass das Instrument künftig mechanisch gesteuert werden soll. Lediglich eine sogenannte Setzeranlage, die das Ziehen der Register während des Spiels erleichtert, wird auch künftig elektronisch funktionieren, wie Metzler sagt.

Nach der Sanierung soll das Instrument wieder für mehrere Generationen einwandfrei funktionieren, so Metzler: «Lediglich die elektronischen Elemente müssen wohl nach 20 bis 25 Jahren ersetzt werden.»

Die Kosten für die Totalüberholung werden der Investitionsrechnung der Kirchgemeinde belastet. Rund 108 000 Franken davon stammen aus dem Orgelfonds. Und schliesslich hat auch die Landeskirche einen Baubeitrag von 10 Prozent in Aussicht gestellt. Genehmigt die Kirchgemeinde den Kredit, so konstruiert die Metzler Orgelbau AG die Orgeltechnik ab 2015 in ihrer Firma. Im Juni 2016 soll die Orgel in der grossen Kirche aus und die neue bis Weihnachten 2016 wieder eingebaut werden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1