Limmattal
Kindes- und Erwachsenenschutz hat ein neues Bezirksteam

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde nimmt im Januar ihre Arbeit auf. Der neuen Limmattaler Behörde mit Sitz in Dietikon wird wohl nicht langweilig werden: Sie übernimmt von den Gemeinden insgesamt 1200 Fälle.

Bettina Hamilton-Irvine
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Sie sind für die neue Behörde im Einsatz (v.l.): Peter Lehmann (Behördenmitglied), Claudia Hafner (Vizepräsidentin), Stephan Herzog (Behördenmitglied), Ruth Ledergerber (Präsidentin), Sylvia Oberbichler (Leiterin Recht/Soziales) und Martin Hohmann (Behördenmitglied).

Sie sind für die neue Behörde im Einsatz (v.l.): Peter Lehmann (Behördenmitglied), Claudia Hafner (Vizepräsidentin), Stephan Herzog (Behördenmitglied), Ruth Ledergerber (Präsidentin), Sylvia Oberbichler (Leiterin Recht/Soziales) und Martin Hohmann (Behördenmitglied).

Bettina Hamilton-Irvine

«Es geht eine Ära zu Ende.» Der Dietiker Sozialvorstand Johannes Felber wählt grosse Worte, um darzulegen, was sich ändert, wenn am 1. Januar 2013 das neue Bundesgesetz zum Kindes- und Erwachsenenschutz in Kraft tritt.
Doch tatsächlich sind die Veränderungen bedeutend. Die bisherigen kommunalen Vormundschaftsbehörden werden aufgelöst und durch die interdisziplinäre Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) ersetzt. Im Kanton Zürich entstehen so insgesamt dreizehn neue Behörden. Die Limmattaler Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, der alle elf Gemeinden des Bezirks angehören, hat ihren Sitz in der politischen Gemeinde Dietikon, von der sie auch gewisse administrative Leistungen bezieht. Auch örtlich ist sie im Dietiker Stadthaus untergebracht.

Mandatszentrum: Neu ab Mitte 2013

Als Folge des neuen Bundesgesetzes stehen auch die heutigen Amtsvormundschaften vor neuen Herausforderungen. Der Dietiker Stadtrat hat bereits im Dezember 2011 entschieden, dass er bereit ist, das bestehende Angebot auszubauen und für alle Bezirksgemeinden ein Mandatszentrum zu führen. Schlieren, Urdorf, Oetwil, Weiningen und Aesch haben bereits ihren grundsätzlichen Willen bekundet, sich anzuschliessen. Der Dietiker Sozialvorstand Johannes Felber rechnet damit, dass bis im Frühjahr 2013 die politischen Entscheide gefällt sind und das Mandatszentrum ab Mitte 2013 die Mandate der angeschlossenen Gemeinden führen wird. Nicht betroffen davon sind die privat geführten Mandate, die im Bezirk Dietikon durch rund 260 freiwillige Mandatsträger ausgeführt werden. «Die Gemeinden wissen um die unschätzbaren Dienste dieses Engagements für Hilfebedürftige und wollen dies auch in Zukunft pflegen», sagt Felber. (BHI)

Know-how wird übernommen

Präsidiert wird die neue Limmattaler Behörde durch die Juristin und Fürsprecherin Ruth Ledergerber. Sie hat ihre Arbeit bereits im Frühling dieses Jahres aufgenommen. Dabei ging es erst einmal darum, die Grundlagen aufzubauen: Personal einstellen, Räumlichkeiten organisieren, Infrastruktur bereitstellen. «Ganz wichtig war der Kontakt zu den Gemeinden», sagt Ledergerber. Eine bedeutende Voraussetzung sei gewesen, die entsprechenden Akten von den Gemeinden zu bekommen. Hier sei man auf Kurs. Zudem ist die neue Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde bereits während des laufenden Jahres von den Gemeinden miteinbezogen worden, wenn klar war, dass sie Fälle später übernehmen wird.

Bei der Besetzung der Stellen habe man darauf geachtet, möglichst viel Know-how übernehmen zu können, sagt Felber. So habe man auch Personen aus den Gemeinden berücksichtigt, die bereits in den Vormundschaftsbehörden tätig waren.

Die fünf Behördenmitglieder kommen aus den Bereichen Recht, Soziale Arbeit und Psychologie. Vizepräsidentin ist Claudia Hafner (Soziale Arbeit). Peter Lehmann (Recht), Stephan Herzog (Soziale Arbeit) und Martin Hohmann (Psychologie) komplettieren die Behörde. Sie wird durch ein Sekretariat unterstützt, das aus sechs Fachmitarbeitenden besteht sowie drei administrativen Mitarbeitenden.

1200 Fälle werden übernommen

Was wird sich nun ändern? Im Bereich Kindesschutz sei es wenig, sagt Präsidentin Ledergerber. Anders im Erwachsenenschutz: «Wir müssen die Fälle nun viel genauer ansehen und abklären, welche Unterstützung nötig ist.» Die bisherigen eher starren Massnahmen wie beispielsweise Vormundschaft werden ersetzt mit massgeschneiderten Beistandschaften. Die neue Behörde ist zudem zuständig für Patientenverfügungen, Vorsorgeaufträge, gesetzliche Vertretungen, die fürsorgerische Unterbringung und den Schutz von Personen in Pflegeeinrichtungen und Institutionen. Eins ist klar: Der neuen Behörde wird es nicht langweilig werden. Sie übernimmt von den Gemeinden insgesamt 1200 Fälle.