«Die Ausgaben für die soziale Wohlfahrt sind seit 2007 stark angestiegen», bestätigt der Schlieremer Stadtrat in seiner Antwort auf ein Postulat von Gemeinderat Andreas Geistlich (FDP). Ein Grund dafür seien kinderreiche Familien. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden sei der Anteil kinderloser Paare unter den Sozialhilfeempfängern in Schlieren geringer.

Wachstum nicht allein schuld

Das starke Bevölkerungswachstum der letzten Jahre spiele zwar eine wichtige Rolle beim Kostenanstieg im Sozialwesen. Es könne jedoch die Veränderung nur teilweise erklären, schreibt der Stadtrat.

Dass die Ausgaben für die Sozialhilfe in den letzten Jahren markant zugenommen haben, sei auf verschiedene Gründe zurückzuführen: so etwa die Revisionen der Arbeitslosen- und der Invalidenversicherungen, die Einführung der Pflegefinanzierung sowie weitere Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen - jüngstes Beispiel die Anpassung der kantonalen Beiträge für die Betreuung von Kleinkindern.

Soziodemografische Gründe

Seine Aussagen stützt der Stadtrat auf Informationen aus dem Statistikreport für Sozialabteilungen. Die Gründe, weshalb Schlieren darin nicht blendend abschneidet, sieht der Stadtrat unter anderem in der tiefen Steuerkraft pro Person, dem tiefen Einkommen Alleinerziehender und dem grossen Anteil finanzschwacher Familien.

Zum Vergleich zieht der Schlieremer Stadtrat die Finanzdaten der Nachbargemeinde Dietikon hinzu. Er kommt dabei zum Schluss, dass jährliche Schwankungen Ähnlichkeiten zwischen beiden Gemeinden aufweisen. Allerdings sei ab 2006 die Entwicklung auseinandergegangen, da das Bevölkerungswachstum in Schlieren früher eingesetzt habe.

Letztlich stelle sich für die Gemeinde immer die Frage, wie viele der Sozialhilfefälle an den Kanton weiterverrechnet werden könnten. Diese Quote sei ebenfalls schwankend.

Geistlich forderte vom Stadtrat zudem, aufzuzeigen, wie das Budget Soziales verbessert werden könnte. Für das Jahr 2013 seien 22,1 Millionen Franken für dieses Ressort eingeplant, was 13 Prozent mehr sei als noch in der Rechnung von 2011, monierte Geistlich. Doch die Gestaltungsmöglichkeiten des Stadtrats seien begrenzt, argumentiert dieser: So passte der Kanton die Kleinkinderbetreuungsbeiträge an die Einkommensgrenzen an, was für die Stadt 300 000 Franken Mehrkosten verursache.

Die Zusatzleistungen der AHV/IV, die die Stadt entrichten muss, werden 700 000 Franken höher und für Krippenplätze müsse die Stadt im kommenden Jahr rund 140 000 Franken mehr ausgeben. Eine Möglichkeit zur Senkung dieser Kosten sieht die Stadt nur auf langfristiger Basis. «Nur städteplanerische und sozialpolitische Massnahmen können hier etwas bewirken», schreibt der Stadtrat.

Kaum Sparmöglichkeiten

Möglichkeiten, die Ausgaben des Ressorts Soziales zu verringern, sehen die Verantwortlichen der Stadt beispielsweise darin, den Ausbildungsstand der Mitarbeiter zu erhöhen, im Ausbau der externen Fallkontrollen, aber auch in der Missbrauchsbekämpfung durch den Einsatz von Sozialdetektiven. Zudem möchte Schlieren die berufliche Integration von Sozialhilfeempfängern verstärken. Schlieren ist Trägergemeinde der Fachstelle «check-in», die sich in diesem Bereich einsetzt.