Der unauffällig wirkende Beschuldigte hat eine dunkle Vergangenheit, wie gestern vor Gericht klar wurde. So wurde der heute 50-jährige Informatiker aus dem Limmattal bereits in den Jahren 1987 und 1992 wegen Unzucht mit Kindern verurteilt.

Danach verhielt sich der in einem Kinderheim aufgewachsene Pädophile über 20 Jahre lang gesetzestreu. Im September 2008 heiratete er, worauf ihm seine Frau zwei Kinder gebar. Doch dann ging es bergab. Im Herbst 2013 zerbrach die Ehe und das Paar lebt seither getrennt.

Der Schweizer Beschuldigte geriet in eine Lebenskrise und begann zu trinken. Auch vor Gericht gab er an, dass er jeweils in Belastungssituationen zur Flasche greife.

Tod der Mutter löste Schock aus

Dies war auch am 21. Juni 2014 der Fall. Zwei Tage zuvor war seine Mutter unerwartet verstorben. Der Beschuldigte ertränkte daraufhin den Schock und seine Depressionen in Wodka. Mit dem starken Alkoholkonsum kamen auch zugegraben geglaubte sexuelle Neigungen wieder hervor.

An jenem Tag hielt sich ein fünfjähriges Nachbarsmädchen in seiner Wohnung auf. Die Kindergärtlerin spielte mit dem damals fünfjährigen Sohn des Beschuldigten.

Laut der zugegebenen Anklageschrift fragte der Vater die junge Besucherin plötzlich, ob er bei ihr etwas schauen könne. Worauf er ihr die Hosen und die Unterwäsche auszog. Dann packte er die Geschädigte mit beiden Händen und legte sie bäuchlings auf den Boden – in Gegenwart seines Sohnes.

Unter anderem drang er mit seinem Finger in ihren After ein und liess erst von ihr ab, als sie sich körperlich zu wehren begann und sich zu befreien versuchte. Kurz darauf erzählte das Opfer die Übergriffe seinen Eltern, worauf der Täter alles zugab.

Auch bei der Polizei, die ihn für vier Tage in Haft nahm und dabei zusätzlich feststellte, dass der pädophile Vater Kinderpornografie auf seinen Computer heruntergeladen hatte. Eine Blutprobe ergab zudem, dass der Beschuldigte noch 30 Stunden nach den Übergriffen bis zu 2,99 Promille Alkohol im Blut hatte.

Geständig und reumütig

Vor Gericht zeigte sich der Beschuldigte umfassend geständig und reumütig. Er versicherte, dass er seit dem September 2014 keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken habe und sich heute regelmässig freiwillig in eine psychotherapeutische Behandlung begebe.

Direkt auf das Tatmotiv angesprochen, führte er aus, durch den plötzlichen Tod seiner Mutter aus der Bahn geworfen worden zu sein. «Ich habe das Vertrauen des Mädchens missbraucht», blickte er zurück.

Während die Staatsanwaltschaft für den Beschuldigten wegen sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern sowie Pornografie eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr sowie 3000 Franken Busse forderte, setzte sich die Verteidigung für eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 500 Franken Busse ein.

Die Anwältin verwies darauf, dass der Eintrag einer Freiheitsstrafe in das Strafregister des Beschuldigten seine Arbeitsstelle kosten könnte.

Zehn Monate bedingt, Therapie

Das Gericht ging von einer Schändlichkeit im untersten Bereich aus. So habe der Vorfall kurz gedauert, wobei die Geschädigte wegen eines fehlenden groben Vorgehens des Mannes nicht verletzt worden sei. Leicht strafmindernd setzte das Gericht auch den Alkoholkonsum des grundsätzlich schuldfähigen Täters ein.

Das Verschulden wiege im Bereich der sexuellen Nötigung leicht, erklärte der Gerichtsvorsitzende. Allerdings sei das Delikt immer noch so schwer, dass eine Geldstrafe nicht mehr infrage komme. Deshalb sprach das Gericht eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten aus.

Zusätzlich erteilte es dem Beschuldigten die Weisung, während der Probezeit von drei Jahren regelmässig eine Psychotherapie zu besuchen. Nicht zuletzt wurde er verpflichtet, der Geschädigten eine Genugtuung von 3000 Franken zu bezahlen.