Immer über die neusten Entwicklungen im Bilde zu sein – das hat sich Michael von Eicke zum festen Vorsatz gemacht. Regelmässig liest der Geschäftsführer der Gossauer Photolitho AG die Fachpresse nach Neuerungen auf dem Markt ab.

Der Druckereibetrieb wehrt sich seit mittlerweile 46 Jahren dagegen, von der technischen Entwicklung in der Branche überrollt zu werden. Noch öfter als in Fachzeitschriften schmökert der gelernte Lithograf von Eicke deshalb in leichter zugänglichen Werken: Die Zahl der Gestelle mit Kinderbüchern in den Firmenräumen von Photolitho kann es durchaus mit Schülerbibliotheken aufnehmen. Schon früh in ihrer Firmengeschichte spezialisierte sich Photolitho auf dieses Segment.

Die acht Mitarbeiter gestalten die Bücher in der Druckvorstufe für ihre Auftraggeber aus dem Verlagswesen. Deren Vorlagen bereiten die Gossauer Fachleute für die Herstellung auf.

Sie scannen Texte, Bilder sowie andere Formate ein und bearbeiten sie. Vor allem Bücher für Kleinkinder bestehen heute nicht mehr nur aus Text. Sie sind interaktiv und mehrdimensional, indem sie Sprachfunktionen enthalten, sich durch eingearbeitete Stoffmuster ertasten lassen oder – eher seltener – Duftstoffe absondern.

Das Ergebnis dürfte im deutschen Sprachraum schon jeder einmal in den Händen gehalten haben: Der grösste Kunde ist der deutsche Ravensburger Bücherverlag, einer der Geschäftsbereiche des gleichnamigen Konzerns, der auch Spiele herstellt. Jährlich verlegt Ravensburger etwa 450 neue Bücher. Photolitho bearbeitet einen Teil davon – insgesamt gehen jedes Jahr rund 300 Bücher verschiedener Verlage durch die Hände der Spezialisten von Photolitho.

«Wir sind heute der einzige Anbieter in der Schweiz, der auf der Druckvorstufe für die ausländischen Märkte arbeitet», sagt von Eicke in seinem Büro. «Ein Druckereibetrieb im Hochpreisland Schweiz, der ins Ausland liefert – ich muss immer wieder erklären, warum das funktioniert», sagt von Eicke.

Eigentlich ist seine Erklärung so verständlich wie die Erzeugnisse, die er zur Ansicht auf dem Sitzungstisch ausgebreitet hat. «Was uns trotz des Preiskampfs für deutsche Verlage attraktiv macht, ist unsere Spezialisierung auf die Reproduktion. Wir sind alle ausgebildete Fachkräfte mit Erfahrung und damit in der Lage, selbst schwierige Vorlagen hochwertig umzusetzen.»

Manuskripte von Kinderbüchern bestünden mitunter aus zusammengeklebten Schnipseln. Die Aufgabe von Photolitho ist es, dass die Collagen in hoher druckbarer Qualität als Datei verfügbar werden.

Ihre endgültige Form erhalten sie woanders. «Gedruckt wird alles im Ausland», sagt von Eicke. Pappbücher kommen meistens aus Deutschland, Bücher mit eingelassenen Stoffstücken oder anderen Details fertigen Fabrikarbeiter in Fernost. «Keine Maschine der Welt ist in der Lage, das automatisch zu machen. Es geschieht deshalb in Handarbeit.»

In Europa wären die Herstellungskosten angesichts knapper Margen zu gross, die Digitalisierung hat die Druckereibranche auf den Kopf gestellt. Ehemals traditionelle Druckerberufe wie Lithograf sind heute zu einem einzigen Lehrberuf zusammengefasst. «Das einzelne Handwerk kommt dabei leider zu kurz», findet von Eicke.

Auch bei Photolitho müsse heute aber jeder alles machen. Selbst der Chef packt mit an. «Wir können es uns nicht leisten, wenn einige Mitarbeiter nichts zu tun haben, während andere ausgelastet sind.» Auf den ersten Blick mag die Welt von Photolitho märchenhaft anmuten, tatsächlich sind die Preise der Konkurrenz eine ständige Sorge.

Innerhalb der letzten zehn Jahre seien sie teilweise um mehr als die Hälfte gefallen, sagt von Eicke. Vor 20 Jahren war die Belegschaft von Photolitho doppelt so gross wie heute.

«Mit solchen Umständen muss man sich in unserer Branche auseinandersetzen, wenn man bestehen will.» Photolitho setzt heute jährlich etwa zwei Millionen Franken um, davon rund 50 Prozent mit Kinderbüchern. Der Rest entfällt auf andere Druckaufträge und Werbung.

Ob es in zwei Jahren nicht ganz anders ist, wisse man aber nie, betont von Eicke: Photolito arbeite nicht mit Rahmenverträgen, sondern mit einzelnen Projekten. Wenn Photolitho für Neuentwicklungen seiner Kunden in neue Maschinen investiert, trägt die Firma das unternehmerische Risiko folglich selbst.

«Die Gefahr ist da, aber nicht akut», sagt von Eicke. «Man kennt schliesslich seine Kunden und spricht über deren Bedürfnisse.» Selbst die treusten Geschäftspartner versuchten immer mal wieder, dieses oder jenes anderswo günstiger in Auftrag zu geben. «Aber sie kommen immer zu uns zurück.» Durch die langjährigen Verbindungen geschehe vieles auf reiner Vertrauensbasis. «Für einen bewährten Kunden investieren wir auch ohne bindende Verträge in die Infrastruktur.»

Dem Unternehmen kommt zugute, dass die benötigten Geräte heute selbst für Private erschwinglich sind. Auf der anderen Seite führte gerade das zum Preiszerfall. «Mit einigen 1000 Franken kann ein PC-Nutzer fast dasselbe machen wie wir.»

Wirklich professionelle Maschinen für den Digitaldruck kosteten allerdings noch immer mehrere 100 000 Franken. Auch deshalb treibt Photolitho die Entwicklung der Kinderbücher weiter voran. Noch wichtiger als der Blick in die Fachpresse sei dabei das Gespräch mit den Kunden. «Technische Neuerungen stossen bei Herstellern erst mal auf Zurückhaltung», weiss von Eicke.

Trotzdem ist er zuversichtlich, dass die nächste Innovation gerade ansteht. In Grossbritannien und in den USA habe man den Schritt hin zum digitalen Kinderbuch bereits hinter sich.

Die Werke sind verbreitet auf Tablets erhältlich. Und es scheint, dass der Zeitpunkt da ist, in dem auch deutschsprachige Verlage darauf setzen. Auf von Eickes Tisch liegt deshalb auch ein iPad mit der Rohversion eines Kinderbuchs aus dem Ravensburger Verlag.

«Bis in einem Jahr werden auch deutsche Kinderbücher für Tablets im Handel erhältlich sein», ist er fest überzeugt. Das könnte die Spielecken der Welt für immer verändern.