Der neue Sicherheitsreport des Allianz-Zentrums für Technik (AZT) hat nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer einer detaillierten Analyse unterzogen und stellt dabei fest: «Das Fahrrad für den Weg zur Schule ist für Kinder das ungeeignetste Verkehrsmittel.» Verglichen mit dem Schulbus oder dem Weg zu Fuss sei die Unfallgefahr mit dem Velo für Kinder fünf bis sieben Mal höher, heisst es im Bericht.

Gerade zu Schulbeginn wirft das Ergebnis der Studie Fragen auf. Auch an Schulen im Limmattal sind der Schulweg und die Transportmittel auf demselbigen jedes Jahr ein heiss diskutiertes Thema.

Schulweg mit Kindern trainieren

Eveline Marcarini, Schulleiterin der Primarschule Zelgli und Zelgli-West in Schlieren, kennt die Ängste der Eltern. «Wir teilen jährlich Infobroschüren aus und ermutigen die Eltern dazu, den Schulweg mit ihren Kindern zu trainieren», so Marcarini.

Das Ziel dabei sei, dass jedes Kind den Schulweg selbst meistern könne. Mit dem Velo oder dem Kickboard zur Schule zu kommen, sei den Schülerinnen und Schülern nicht verboten. Wie ein Kind den Schulweg bestreitet, liege in der Kompetenz der Eltern. «Grundsätzlich rät die Schule jedoch davon ab, schon Erstklässler mit dem Velo zur Schule zu schicken. Sie kennen die Gefahren im Strassenverkehr noch zu wenig.»

«Pedibus» beugt Elterntaxis vor

Um die Kinder für den Schulweg vorzubereiten, bietet die Schule seit zwei Jahren den «Pedibus» an. Die Kinder werden durch eine erwachsene Person an der «Pedibusstation» abgeholt und zu Fuss in die Schule begleitet. Dadurch sollen sie schrittweise in den Strassenverkehr eingeführt werden.

Die Aktion sei ins Leben gerufen worden, um einerseits die Eltern der Kinder zu entlasten und andererseits, um Elterntaxis vorzubeugen, so Marcarini. «Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und wieder holen, haben auch an unserer Schule zugenommen», so die Schulleiterin. Dabei seien sich die Eltern oft nicht darüber im Klaren, dass sie durch ihre Fahrten für noch mehr Verkehrsaufkommen und Gefahren auf dem Schulweg sorgen.

Velo-Abstellverbot an der Schule

Anders als in Schlieren können die Primarschulkinder in Oberengstringen nicht mit dem Velo oder sonstigen Gefährten zur Schule kommen. «Der Schulweg ist für die Kinder so sicherer. Zudem haben wir keinen geeigneten Platz für Veloständer», sagt Esther Solimine, Schulleiterin der Schule Rebberg-Gubrist in Oberengstringen.

Deshalb gelte auf dem ganzen Schulhausareal ein Abstellverbot für Fahrräder. Da der Schulweg aber in der Kompetenz der Eltern liege, könne den Kindern nicht verboten werden, mit Velos zur Schule zu kommen, erklärt Solimine.

Auch die Problematik der Elterntaxis ist in Oberengstringen nicht unbekannt. Vor allem zu Beginn des Schuljahres häuften sich die Autos vor der Schule aufgrund von Eltern, die ihre Kinder in die Schule bringen und abholen, so Sabine Gartenmann, Schulleiterin der Goldschmied-Sunnerai-Halde in Oberengstringen. Der Schulweg sei ein Thema, das die Lehrpersonen und die Schulleitungen vom Kindergarten bis in die Mittelstufe beschäftige.

In Weiningen kommen die Schulkinder ebenfalls nicht mit dem Velo zur Schule. «Den Schülern der ersten Klasse wurde dieses Jahr ausserdem zum ersten Mal eine Leuchtweste abgegeben, welche sie auf freiwilliger Basis auf dem Schulweg tragen können», sagt Susan Baader, Schulleiterin der Primarschule Weiningen.

In Unterengstringen wird jährlich eine Mitteilung herausgegeben, in der die Schule den Eltern davon abrät, Kinder bis und mit der dritten Klasse mit dem Velo in die Schule zu schicken. «Ab der vierten Klasse kommen Schüler, die einen weiten Weg haben, mit dem Velo zur Schule», sagt Beda Durschei, Schulleiter der Primarschule Unterengstringen. Im Herbst startet auf dem Pausenplatz der Schule zudem ein neues Projekt. Auf einem Veloparcours sollen Schüler ihr Verhalten im Strassenverkehr trainieren können.

In Uitikon wird von einem formellen Veloverbot abgesehen. «Die meisten Kinder kommen nicht mit dem Velo zur Schule. Erst ab der fünften Klasse ist das ein Thema», so Reto Schoch, Vizepräsident der Schulpflege Uitikon.

Dann finden für sie auch der Verkehrsunterricht mit einem Kantonspolizisten und die anschliessende Veloprüfung statt. «Für jüngere Kinder ist der Schulweg zu Fuss vorgesehen», so Schoch. Der Weg zu Fuss in die Schule sei ein Erlebnis und sozialer Austausch für die Kinder und deshalb wichtig.