Mit viel Charme und Spielfreude sorgten die jugendlichen Schauspieler am Samstag im Dietiker Stadthaus für eine vergnügliche Stunde. Vor dem Auftritt war die Nervosität spürbar: ein Blick auf die Uhr, letzte Regieanweisungen – die Spannung steigt. «Nicht mehr herumrennen, Kinder! Kommt auf die Bühne!», kommandiert Theaterpädagoge Stefan Baier.

Die Bühne: Das ist ein schwarzer Boden und eine schwarze Wand im Dietiker Gemeinderatssaal. Alles andere, so Baier, soll sich das Publikum selber vorstellen: rechts ein Wohnblock, links eine Familiensiedlung, dazwischen ein Spielplatz, irgendwo in Zürich. Kinder spielen Basketball, stecken die Köpfe zusammen und tollen herum. Nur die kleine Daria will nicht mitmachen. Sie hat Geburtstag und wünscht sich eine Reise nach Amerika.

Die Kinder erfüllen ihr den Wunsch, werden flugs zu Schiff und Kapitän, zu Kolumbus und Galionsfigur und stechen in See. Sie segeln durch einen Sturm, leiden Hunger und Durst. Als endlich Land in Sicht kommt, stehen zum Gaudi der Kleinsten im Publikum bereits grimmige Indianer mit Federschmuck und Tomahawk zum Empfang bereit.

Nur eine Woche Proben

«Ich ziehe den Hut vor diesen Kindern! Nach nur kurzer, strenger Probezeit stehen sie mit Selbstsicherheit und hoher Kompetenz vor dem Publikum. Sie haben grandiose Arbeit geleistet», sagt Stefan Baier und strahlt. Er und Heidi Christen haben mit den Kindern das Stück im bereits zur Tradition gewordenen Sommertheaterkurs der Theateria eingeübt, und das in nur einer Woche. Der jüngste Schauspieler, Arian, ist noch nicht fünf. Der älteste, Noah, hat eben eine Lehre begonnen.

Auch Heidi Christen weiss, wie viel Arbeit hinter der Aufführung steckt: «Wiederholen, wiederholen, immer und immer wieder. Hier noch ein Detail verbessern, da noch etwas korrigieren. Das ist Knochenarbeit und verlangt von den Kindern grossen Durchhaltewillen», sagt sie. Umso schöner sei nachher die Belohnung, wenn ihr Spiel beim Publikum so gut ankommt, so Christen.

Szenenwechsel: Vor 500 Jahren, am Hof des spanischen Königs Ferdinand, will Kolombin Seefahrer werden. Er entdeckt für seinen König tatsächlich neues Land. Und weil dieser Herrscher so selbstverliebt ist, nennt er es eben Ferdinand und nicht Amerika. Das Stück «Amerika git’s nid» entstammt der Feder von Autor Peter Bichsel. Baier und Christen liessen sich von dieser Kindergeschichte inspirieren und ergänzten die Rahmenhandlung.

Dem Publikum gefiels. «Das Engagement der Kinder war spürbar», sagt Hermann Ebnöther zur Aufführung. «Sie haben mit Freude und Energie gespielt. Man merkt, dass sie nicht spielen mussten, sondern wollten.» Seine Frau Helen ergänzt: «Weil das Stück nicht fertig ist, lässt es den Kindern viel Raum für ihre Kreativität. Das kommt stark zum Ausdruck.» Chantal Gautschi, für eine Stunde lang Prinzessin Sophia von Spanien, ist einfach nur glücklich, dass alles so gut gelaufen ist: «Es hat mega Spass gemacht!» strahlt sie. Ob Kolombin alias Kolumbus nun Amerika oder Ferdinand entdeckt hat, bleibt das Geheimnis der Kinder vom Spielplatz – irgendwo in Zürich.