Zwar kennt man Peter Kner vor allem als langjährige Stimme des «Kassensturz». Dort hat er über Mineralwasser ohne Mineralstoffe, überzuckerte Weine und den legendären «Ravioli-Skandal» berichtet. Der unterdessen pensionierte Schlieremer Schauspieler hat aber auch ein Händchen – oder vielmehr eine Stimme – für Literatur. So las er am Montagabend in der Bibliothek Oberengstringen Gedichte von zwei distinguierten Scherzkeksen.

Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz hatte er sich ausgesucht und erweckte sie zusammen mit dem Oberengstringer Berufsgitarristen Dani Solimine zu ungeahntem Leben. Das Publikum war schon nach den ersten Gedichten hörbar eingenommen und unterbrach die beiden Künstler immer wieder mit Lachen und mit Klatschen. Es war ja auch lustig, was da vorgetragen wurde – und wie es vorgetragen wurde!

Mal leise raunend, mal das Papier aufhebend und lautstark deklamierend: Kner schien richtiggehend in den Texten zu leben. Gestikulierend zeigte er an, wie gerade ein Bananensack geschwungen oder ein Schädel gespalten wurde. Und immer wieder blickte er auf und blitzte mit seinen intensiven, charismatischen Augen ins Publikum. Kurzum, er hätte auch die Gedichte eines beliebigen Schuljungen vortragen können, man hätte ihm trotzdem weiter gerne zugehört.

Schlittschuh laufender Seufzer

Morgenstern und Ringelnatz waren freilich keine gewöhnlichen Schulknaben. Beide liebten es, Gedichte voller Schalk und Schabernack zu schreiben. So hörte man von einem Droschkengaul, der – «philosophisch regsam» – im «Weisheitsfuttersack» die Torheit der Welt entdeckte. Man hörte von Westküsten, die nicht mehr Westküsten heissen wollten. Und man hörte – warum auch nicht? – von einem Seufzer, der Schlittschuh lief und liebestoll ausseufzend im Eis versank.

Zwischen den Gedichten musizierte Dani Solimine mit der Gitarre. Halb hatte er seine Stücke arrangiert, halb improvisierte er sie. Solimine spielte viele quirlige Passagen, schnell hin- und herspringende Griffe, die wunderbar zu den verspielten Texten passten. Bisweilen spielte er auch in die Stimme Kners hinein und illustrierte so etwa das Trippeln einer Maus oder den Flug eines Glockentons durch die Nacht.

Lustvoll schilderte Kner, wie das «Bam» in diesem Gedicht dem «Bim» nachfliegt: «Komm wieder, ‹Bim›, geliebtes Lamm / Dein ‹Bam› liebt dich von Herzen!» Das «Bim» aber hat sich schon dem «Bum» ergeben und so ist für das «Bam» nichts mehr zu wollen. Bereits konnte man sich hier an die späteren Lautgedichte des Dada erinnert fühlen.

Das Publikum zeigte sich beim anschliessenden Apéro beglückt von der Lesung. «Als Sprachliebhaberin geniesse ich das Spiel mit dem Wort. Es belebt mich und öffnet mir neue Horizonte», sagte Verena Fischer aus Schlieren. Und Max Käppeli aus Oberengstringen meinte: «Die kürzeren Gedichte waren flüchtig wie ein Duft – gleich wieder verschwunden, aber sie hinterliessen eine Spur bei mir.»