Limmattal

Keine Schule der Region hat das Prädikat «sportfreundlich»

Dass keine Limmattaler Schule das kantonale Label für Sportfreundlichkeit erhält, mag überraschen. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur Fabian Korn

Dass keine Limmattaler Schule das kantonale Label für Sportfreundlichkeit erhält, mag überraschen. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur Fabian Korn

Viele Schulen setzen derzeit andere Schwerpunkte – Dietikon verpasst ein neues Label wegen Kommunikationspanne.

Das Sportamt des Kantons Zürich zeichnet auf Anfang des kommenden Schuljahres 26 Schulen mit einem Label für «sportfreundliche Schulkultur» aus. Darunter ist keine einzige aus dem Limmattal. Sind hier die Schulen also unsportlich eingestellt? Nicht unbedingt, so lautet das Fazit, das nach einer Umfrage bei den Schulbehörden der grösseren Gemeinden im Limmattal gezogen werden kann.

Mit dem neu geschaffenen Label zeichnet das kantonale Sportamt Schulen aus, die sich über den obligatorischen Sportunterricht hinaus für mehr Sport und Bewegung im Schulalltag engagieren und ihren Schülerinnen und Schülern freiwillige Sportaktivitäten anbieten. «Mit dem Label anerkennt der Kanton das grosse Engagement dieser Schulen und macht es nach aussen sichtbar», schreibt das Sportamt in einer Medienmitteilung. Denn, solche Angebote würden «einen entscheidenden Beitrag zum Wohlbefinden» der Schüler einer Schule leisten.

Damit sich eine Schule überhaupt um die Auszeichnung bewerben kann, muss sie gewisse Mindestanforderungen erfüllen: Pro 80 Schüler muss sie mindestens einen freiwilligen Sportkurs ausserhalb der Schulzeit anbieten. «Diese Anforderung erfüllt weniger als die Hälfte aller Schulen im Kanton», erklärt Martina Kropf, stellvertretende Leiterin Sportförderung beim kantonalen Sportamt. Man habe diese Hürde bewusst hoch angesetzt, um die Vorbildfunktion der ausgezeichneten Schulen zu verstärken und andere Schulen anzuspornen, aktiv zu werden. Neben dem vorgegebenen Verhältnis von Schülerzahl und Angebot verfügen alle ausgezeichneten Schulen über einen Schulkoordinator oder sportverantwortliche Lehrpersonen, die Sportkurse, Projektwochen, Wintersporttage, Sportlager, Spielturniere und Ähnliches organisieren.

30 Sportangebote auf 2000 Schüler

Insgesamt hatten sich 33 Schuleinheiten um die Auszeichnung beworben. Mit 17 beziehungsweise 5 ausgezeichneten Schulen sind die Stadt Zürich und die Gemeinde Thalwil sehr stark vertreten. Dass darunter keine einzige Schule aus dem Bezirk Dietikon zu finden ist, liegt nicht daran, dass keine Schule die Anforderungen für eine Bewerbung erfüllt. Im Gegenteil: Die Stadt Dietikon war dem kantonalen Sportamt als vorbildliche Schulgemeinde bekannt, wie Kropf erklärt. Hier wurde schon vor Längerem ein Lehrer als Sportkoordinator auserkoren und auf gut 2000 Schüler kommen meist über 30 Sportkursangebote, welche die Schulverwaltung ausserhalb der Schulzeit anbietet. «Wir haben jene Gemeinden, die unsere Anforderungen erfüllten, jeweils direkt kontaktiert», sagt Kropf, «dass wir aus Dietikon keine Bewerbung erhielten, erstaunte mich.»

Eine Anfrage bei der Dietiker Schulabteilung zeigt, der Grund dafür liegt nicht etwa in mangelndem Interesse. Vielmehr verpassten die Schulen eine Nomination für das Label aufgrund einer «Kommunikationspanne», wie Gerold Schoch, Leiter der Schulabteilung, erklärt: «Das Informationsmail des kantonalen Sportamts ging an alle Schuleinheiten. Ich ging davon aus, dass die Schulleitungen selbst aktiv werden.» Er habe bereits mit dem Sportamt Kontakt aufgenommen und werde dafür sorgen, dass die Dietiker Schulen das Label bei der nächsten Gelegenheit auch beantragen werden, so Schoch. Schliesslich sei man stolz auf das Angebot des freiwilligen Schulsports und würde das mit der Auszeichnung gerne gegen aussen tragen.

Weniger überzeugt vom Label für sportfreundliche Schulen ist der Urdorfer Schulpräsident Stefan Zehnder: «Ich bin sicher, dass wir damit bei Eltern, denen die sportliche Betätigung ihrer Kinder wichtig ist, kaum punkten können.» In der Gemeinde gebe es 55 Vereine, davon ein Grossteil mit sportlicher Ausrichtung. «Ich denke, dass sportlich interessierte Eltern dieses Angebot kennen und schätzen», so Zehnder. Die Schulbehörde habe wenig Interesse daran, die Vereine mit eigenen Angeboten ausserhalb des Pflichtangebotes zu konkurrenzieren. Deshalb lege man es auch nicht darauf an, die Anforderungen des Sportamts zu erfüllen, erklärt er.

Auch in Schlieren reicht das Sportangebot der Schule für die Auszeichnung mit dem neuen Label nicht aus, wie Schulpräsidentin Bea Krebs auf Anfrage erklärt: «Unsere Oberstufe ist bereits beim Projekt ‹Gesunde Schule› angeschlossen, das Gesundheit und Wohlbefinden bei Schülern sowie Lehrpersonen fördern will. Wir setzen den Fokus stark auf diesen Bereich.» Eine Sportkoordination gibt es innerhalb der Schulbehörde nicht. Dennoch sei Sport ein wichtiges Thema für die städtischen Schulen, sagt Krebs: «Wenn sich ein Schulhaus den Anforderungen der neuen Auszeichnung annähern will, so würden wir dies sicher unterstützen.»

Die Oberengstringer Schuleinheiten hätten sich laut Schulpräsidentin Elsbeth von Atzigen durchaus um das Label bewerben können. Auch hier verzichtet man derzeit aber darauf: «Wir sind neu mit allen drei Schuleinheiten im Programm ‹Qualität in multikulturellen Schulen› dabei und haben in der Sekundarschule das Label ‹Gesunde Schule›. Wir müssen Schwerpunkte setzen», sagt von Atzigen. Man werde eine Bewerbung um das Label für die Zukunft aber sicher prüfen.

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