Limmattal
Keine Mindestquote von deutschsprachigen Schülern im Limmattal

Für Diskussionen sorgte ein Vorstoss im Basler Kantonsrat, dieser fordert eine Mindestquote deutschsprachiger Schüler von 30 Prozent. Die Schulen im Limmattal sehen ganz klar davon ab.

Sarah Serafini
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Hansjörg Sahli

Der Anteil fremdsprachiger Schüler und Kindergärtler im Limmattal ist hoch. In Oberengstringen beträgt er 59 Prozent, in Dietikon 71 und in Schlieren sind gar 79 Prozent aller Schüler und Kindergärtler fremdsprachig. Wie gehen die Gemeinden mit dieser Situation um? Ein Vorstoss im Basler Regierungsrat, der von SVP und SP unterstützt wird, sorgt zuweilen für Diskussionen: Dieser fordert eine Mindestquote deutschsprachiger Schüler von 30 Prozent. Das Basler Kantonsparlament prüft den Vorstoss voraussichtlich heute.

Gegen lange Schulwege

Die Schlieremer Stadträtin Bea Krebs (FDP) ist überzeugt: Eine solche Quotenregelung würde in Schlieren mehr Probleme verursachen als lösen. Sie sagt: «Die Aufteilung der Schüler auf die verschiedenen Schulhäuser erfolgt je nach Wohnort. Wir möchten Kinder nicht quer durch Schlieren auf eine andere Schule schicken müssen.» Da in Schlieren der Anteil der Fremdsprachigen an allen Schulen ungefähr gleich hoch sei, könne sowieso nicht von einer besseren Durchmischung der Klassen gesprochen werden.

Auch die kantonale Bildungsdirektion ist gegenüber Mindestquoten von deutschsprachigen Kindern an Schulen sehr skeptisch. Martin Wendelspiess, Leiter des Volksschulamts, ist der Meinung, dass eine solche Umverteilung nicht praktikabel wäre. Vielmehr müsse der hohe Anteil von fremdsprachigen Kindern an Schulen darauf hinauslaufen, dass sie möglichst schon vor Schuleintritt im Deutschunterricht gefördert würden. Wendelspiess sagt zudem, dass bei Statistiken von Fremdsprachigkeit etwas Wichtiges in Vergessenheit gerate: «Fremdsprachige Kinder können nicht per se kein Deutsch. Als fremdsprachig gilt, wessen Muttersprache nicht Deutsch ist.»

Früh Deutsch lernen

Im Limmattal gibt es ein breites Angebot für die frühe Sprachförderung. Alle Schulen in Schlieren und in Dietikon gehören zu den Quims-Schulen (Qualität in multikulturellen Schulen), zu Schulen also, denen der Kanton mit fachlicher und finanzieller Hilfe im Bereich der Sprachförderung unterstützend zur Seite steht. In Schlieren gibt es die Spielgruppe Plus, in der fremdsprachige Kleinkinder früh Deutsch lernen.

Der Leiter der Schulabteilung in Dietikon, Gerold Schoch, sagt: «Wir unternehmen grosse Anstrengungen, dass die Kinder früh Deutsch lernen.» Ziel sei es, dass Deutsch für die Kinder in der ersten oder zweiten Klasse keine Fremdsprache mehr sei. In Dietikon sei der Anteil von den Kindern, die schlecht Deutsch sprechen, vor allem im Kindergarten hoch. Je älter die Kinder würden, umso besser sei ihr Deutsch.

Gute Durchmischung der Klassen

Schoch sagt, dass der parlamentarische Vorstoss aus Basel durchaus auch eine positive Idee aufgreife: «Klar wäre es besser, gäbe es mehr deutschsprachige Kinder in den Klassen, dies wäre auch für die Fremdsprachigen ein Vorteil.» Eine Umsetzung einer Mindestquote von 30 Prozent für Deutschsprachige in Dietikon wäre laut Schoch aber praktisch nicht umsetzbar und würde alle benachteiligen.

Schon jetzt wird in Dietikon auf eine möglichst ausgewogene Durchmischung der Klassen geachtet. «Wir schauen, dass es nicht nur ein deutschsprachiges Kind allein in einer Klasse hat», sagt Schoch. Trotzdem ist der Spielraum für eine gute Klassendurchmischung begrenzt. Schoch glaubt, dass es sofort Rekurse hageln, würde, wenn alle Kinder wegen Quoten an Schulen quer durch Dietikon geschickt würden. «Wir wollen keine Quotenkinder in Dietikon», sagt er.

Für den Dietiker Stadtrat Jean-Pierre Balbiani (SVP) wäre eine Quotenregelung an Schulen nur Symptombekämpfung. Er findet es wichtig, wenn Eltern mehr in die Pflicht genommen werden könnten. Sodass Kinder bereits besser Deutsch können, wenn sie in die Schulen kommen.