Corona-Krise

Keine Feste wegen Virus: «99 Prozent meiner Aufträge fallen ins Wasser»

Weniger Feste, weniger Getränkelieferungen: Getränkehändler haben unter dem Corona-Virus besonders zu leiden.

Weniger Feste, weniger Getränkelieferungen: Getränkehändler haben unter dem Corona-Virus besonders zu leiden.

Für Limmattaler Gastrobetriebe, Vereine und Veranstalter bedeuten die Massnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus grosse Verluste. Zum Beispiel für die Schmidinger Getränke AG in Urdorf.

Er ist leicht warm, enthält Ingwer sowie Orangensaft und erfreut die Gäste der «Linde». «Jeder Gast erhält einen unserer Gesundheits-Shots, damit die Abwehrkräfte auch stark bleiben», sagt Maya Grossmann. Die Wirtin des Weininger Traditionslokals spürt die Verbreitung des Corona-Virus an der sinkenden Anzahl Gäste. Besonders abends würden merklich weniger Menschen vorbeikommen, sagt sie. «Generalversammlungen oder grössere Feste werden entweder ganz abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben», so Grossmann.

Da im Restaurant weniger Gäste vorbeikommen, habe man nun mehr Platz zur Verfügung, um die Tische weit voneinander weg zu platzieren. «Die meisten Gäste freuen sich, dass wir geöffnet haben, da es ihnen ein wenig Normalität gibt», sagt Grossmann.

Die Getränke für viele Veranstaltungen in der Region wären von der Schmidinger Getränke AG in Urdorf geliefert worden. Doch daraus wird nichts, wie Geschäftsleiter Roger Schmidinger auf Anfrage sagt. «Von der Fasnacht für zwischen 3000 und 4000 Personen bis zur Generalversammlung mit rund 400 Personen – 99 Prozent meiner Aufträge bis Ende März wurden abgesagt», sagt er.

Da es sich bei keinem seiner Kunden um einen einmaligen Auftraggeber handle, zeige er sich sehr kulant und verrechne nichts. «Das würde ja schliesslich die Vereine in die Bredouille bringen», sagt Schmidinger.

«In den nächsten Tagen entscheiden wir über das weitere Vorgehen und darüber, ob wir beim Kanton Kurzarbeit beantragen», so Schmidinger. Das Problem: Mit dieser Massnahme würden nur die Löhne, nicht aber die Miete, Versicherungen und Warenkosten gedeckt.

Nun braucht es viel Kreativität

Elio Frapolli vom Hotel und Restaurant Sommerau-Ticino in Dietikon verweist darauf, dass es nun viel Kreativität brauche. Denn auch er verzeichnet viele Stornierungen von Bankett- oder Seminarbesuchern wie auch von Catering-Aufträgen. «Wir müssen nun versuchen, uns mit Essenslieferungen oder Anlässen für kleinere Gruppen über Wasser zu halten», sagt er. Doch auch dass die Angestellten ihre Ferien vorzeitig einziehen, helfe bei der Bewältigung der Krise. Weiter kläre man derzeit ab, ob beim Kanton Kurzarbeit beantragt werden soll. «Wir leben in historischen Zeiten. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein. Dennoch werden wir das 90. Jubiläum unseres Unternehmens erreichen. Dies ganz ohne Panik, aber dafür mit viel Herzlichkeit.»

Für den FC Dietikon sind die finanziellen Folgen zwar weniger weitreichend, doch auch er spürt die Konsequenzen mit grosser Härte. Für rund 350 Juniorinnen und Junioren gibt es vorläufig kein Training, wie Juniorenobmann Pascal Stüssi auf Anfrage sagt. «Obwohl die Kinder und Jugendlichen nicht der Risiko-Gruppe angehören, sehen wir uns in der Verantwortung, mitzuhelfen das Virus unter Kontrolle zu bringen», so Stüssi.

Für den Vorstand um Präsident Renato Casanova sei dies keine leichte Entscheidung gewesen. Ebenfalls bis Ende März werden die 2. Mannschaft, die Senioren und die Veteranen auf ihre Trainings in der Halle und auf der Dornau verzichten.

Der Unterengstringer Gemeinderat bietet Hand

Für die Unterengstringer Mittefasten-Kommission sind erst geringe Kosten entstanden, wie Christian Haderer, Informations-Meister, auf Anfrage sagt. «Weil ohnehin fraglich war, ob der Anlass durchgeführt werden kann, warteten wir beispielsweise mit dem Kauf der Würste zu.» Doch für die Vereine, die sich für den Betrieb der Festwirtschaften oder das Kulturprogramm einsetzten, werden finanzielle Konsequenzen folgen. Wie hoch diese genau ausfallen werden, sei noch offen, so Haderer.
Die Gemeinde bietet jedoch Hand. So können Vereine, Kosten, die ihnen vor der Bekanntgabe der Absage von vergangenem Montag, angefallen sind, der Gemeinde melden. Unterengstringens Gemeindepräsident Simon Wirth (FDP) bestätigt dieses Vorgehen. «Uns ist es wichtig, dass die finanziellen Folgen nicht an den Vereinen hängen bleiben», sagt er. Vorhersagen, wie hoch diese Beträge ausfallen, seien schwierig. Man schaue nun mal, mit welchen Beträgen die Vereine an die Gemeinde heran­treten.

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