Früher massen Schneider ihre Stoffe nicht in Metern, sondern in Ellen. Eine Elle entspricht allgemein dem Abstand zwischen Ellbogen und Mittelfingerspitze. Doch aufgepasst: Je nachdem, wer den Stoff misst, unterscheiden sich die Stofflängen. Darum hätten Schneidermeister damals gerne die zierlichsten Gesellen zum Abmessen geschickt, erklärt Peter Suter.

Denn, je kürzer der Arm, desto mehr Ellen konnten sie verkaufen. Suter ist der Kurator der Sonderausstellung «Alte Karten, Masse und Münzen» im Ortsmuseum Schlieren, die am Samstagnachmittag erstmals ihre Tore für die Besucher öffnet.

Die Ausstellung befasst sich mit der Geschichte Schlierens im Mittelalter. Den Ausgangspunkt für die Ausstellung bildeten zwei Bücher: Das sogenannte «Tragerbuch» aus dem Jahr 1756 und das «Zinsurbar der Kirche Schlieren», das aus dem Jahr 1607 datiert.

In den noch gut erhaltenen Bücher – zum Schutz vor dem Zerfleddern werden sie in einem Glaskasten ausgestellt – wurden erstmals Urkunden und Verträge, im Zusammenhang mit Landbesitz, gesammelt. In den Büchern wurde vermerkt, wie viel Ertrag eine bestimmte Parzelle Land einbrachte und welcher Teil davon an die Kirche zu bezahlen war.

Zu diesem Zweck wurden eigens Karten angefertigt, welche die zum Teil winzigen Parzellen Land voneinander unterschieden. «Damals fehlten Instrumente zur Landvermessung, wie wir sie heute kennen», sagt Suter, «deshalb wurden die Ländereien zur Erkennung bis ins Detail beschrieben.» Diese ausführlichen Beschriebe sind für die Besucher des Ortsmuseums anhand von Plakaten und Ausdrucken aus den Büchern einsehbar.

Ausstellung interaktiv gestaltet

In den ausgestellten Texten ist häufig von heutzutage unbekannteren Masseinheiten und Währungen die Rede. Um diese dem Besucher verständlich zu machen, hat Suter nach eigener Aussage zu «sehr modernen» Mitteln gegriffen. Was er damit meint: Die Ausstellung ist interaktiv gestaltet.

In der Abteilung «selber ausprobieren» erhalten die Besucher ein Gefühl für die altertümlichen Masse. Mithilfe einer Rolle Haushaltspapier kann man selber eine Elle abmessen. Wer stattdessen Daumen und Zeigefinger zum Messen verwendet, bedient sich dem natürlichen Mass der Spanne.

Mit einem gelben Klebband am Boden, das vom Eingang des Museums bis ins Innere reicht, will Suter die Besucher dazu animieren, mit ihren eigenen Füssen die ursprünglich römische Einheit Fuss abzumessen. Inspiration für die Art der Ausstellung hat sich der gelernte Chemie- und Physiklehrer auf einer Reise in die USA geholt. «Ich habe gestaunt, wie aktiv sich die Leute in Amerika an Ausstellungen beteiligten», sagt er. Dieselbe Begeisterung erhofft er sich nun für die Ausstellung im Ortsmuseum.

Etwas, das bestimmt jeden zum Mitmachen animiert ist der Ausstellungswettbewerb: Die Gäste werden aufgefordert, ihr Wissen über verschiedene Schlieremer Gebäude unter Beweis zu stellen. Was es zu gewinnen gibt, will Suter jedoch noch nicht verraten.

Hoffen auf viele Besucher

Bereits die letztjährige Sonderausstellung über die Sanierung historischer Häuser hatte Suter kuratiert. Damals war er enttäuscht über die wenigen Besucher. «Es frustriert mich, dass nicht mehr Schulklassen das Museum besuchen», sagt er. Auch Neuzuzüger liessen sich im Ortsmuseum kaum Blicken.

Suter hofft, mit dieser Ausstellung, die gleichzeitig seine Letzte als «selbst ernannter Kurator» ist, ein grösseres Publikum anzulocken. Er selbst werde dem Museum aber in jedem Fall als Berater erhalten bleiben.

Ortsmuseum Schlieren Ausstellung «Alte Karten, Masse und Münzen».

Öffnungszeiten: Jeden zweiten Samstag im Monat, 13 bis 17 Uhr