Bezirksgericht Dietikon
Keine Diamanten und nicht deklarierte Farbstoffe für Permanent-Make-up: Beauty-Salon Besitzerin angeklagt

Wegen Betrugs, unlauterem Wettbewerb sowie Übertretung des Lebensmittelgesetzes musste sich die Inhaberin eines florierenden Beauty-Salons am Mittwoch vor Gericht verantworten.

Rosmarie Mehlin
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Die Angeklagte musste sich vor dem Dietiker Bezirksgericht verantworten. (Symbolbild)

Die Angeklagte musste sich vor dem Dietiker Bezirksgericht verantworten. (Symbolbild)

Keystone

Die 34-jährige Beschuldigte fiel aus allen Wolken, als eines Morgens um 6 Uhr die Polizei mit einem Hausdurchsuchungsbefehl vor ihrer Tür stand. Mehrere Gegenstände waren beschlagnahmt, die Salon-Besitzerin auf den Polizeiposten gebracht worden. Dort erfuhr sie, dass zwei Berufskolleginnen Strafanzeige gegen sie erstattet hatten. Genauer betrachtet sind es wohl eher Konkurrentinnen im «Wer macht die Schönsten im ganzen Land»-Wettbewerb.
«Diamonds are a girls best friend», hat einst Marilyn Monroe singend festgestellt. Auch in der gestrigen Verhandlung drehte sich vieles um Diamanten. Eine Klägerin hatte ihre Berufskollegin beschuldigt, ihr für 1800 Franken einen sogenannten «Diamant Blader» verkauft zu haben. Später habe sie festgestellt, dass der Aufsatz des Geräts, das zur Herstellung von Permanent-Make-up an den Augenbrauen dient, lediglich aus Zikonoxid und nicht aus einem Diamanten bestanden habe.

Von einer chinesischen Plattform

Die andere Berufskollegin hatte bei der Polizei angegeben, die 34-Jährige preise auf ihrer Website «Diamant Blading» an, obwohl sie diese Dienstleistung gar nicht erbringe. Im Übrigen waren bei der Hausdurchsuchung Farben ohne Deklaration der Inhaltsstoffe sichergestellt worden, die beim Tätowieren sowie zur Herstellung von Permanent-Make-up verwendet werden.

Die Beschuldigte hatte ausgesagt, den Diamant Blader im Internet auf einer bekannten chinesischen Plattform für 300 Franken erworben gehabt zu haben. Die Anklägerin warf ihr vor, gewusst zu haben, dass ein solches Gerät in der Schweiz nicht unter 1000 Franken zu kaufen ist. Daraus sei zu schliessen, dass die 34-Jährige sich hätte bewusst sein müssen, dass es sich um keinen Diamantaufsatz habe handeln können.

Vor Einzelrichter Bruno Amacker schilderte die Beschuldigte gestern am Bezirksgericht Dietikon anhand verschiedener Beispiele, um wie enorm viel günstiger tadellose Ware direkt in China erworben werden könne: «Ein Skateboard beispielsweise, das hier 1500 Franken kostet, bekommt man dort für umgerechnet 150 Franken.» Ansonsten blieb die Beschuldigte bei ihren Aussagen: Sie sei überzeugt, besagter Aufsatz sei ein Diamant gewesen und sie habe in ihrem Salon stets «Micro Blading» angeboten. Sie tue das nach wie vor erfolgreich und habe nie für «Diamant Blading» geworben. Der Verteidiger forderte vollumfängliche Freisprüche. Bei – wider Erwarten – allfälligen Schuldsprüchen sei eine bedingte Geldstrafe von höchstens 40 Tagessätzen statt der von der Anklägerin geforderten 80 Tagessätzen angemessen. In seinem Plädoyer wies er dezidiert darauf hin, dass seiner Mandantin weder der Betrug noch der unlautere Wettbewerb nachgewiesen seien.

Dieser Ansicht war auch Richter Amacker und sprach die Frau in diesen beiden Punkten von Schuld und Strafe frei: «In den Akten finden sich weder harte Fakten dazu, dass der Aufsatz kein Diamant war, noch dass die Beschuldigte dies gewusst hat.» Ebenso wenig sei belegt, dass sie, wo auch immer, jemals «Diamant Blading» angeboten habe. «Wie unglaublich günstig der Direktimport von Gütern aus China ist, ist im Übrigen inzwischen längst Allgemeinwissen», so Amacker. Weil sie mit dem Verkauf und der Anwendung von Farben ohne Inhaltsstoff-Deklaration gegen das Lebensmittelgesetz verstossen hat, wurde die Beauty-Salon-Besitzerin zu einer Busse von 2600 Franken verknurrt.