Limmattal
Keine Bewilligung in Birmensdorf erhalten: Fahrende ziehen weiter

Fahrende haben kaum Platz. Das zeigt ein besonderer Fall in Birmensdorf.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Birmensdorf Graben
4 Bilder
Keine Wohnwagen mehr: Die Fahrenden verliessen das Gebiet bereits gestern Abend.
Sandra Lischer pflügte Furchen in ihr Feld.
Eine Stelle hat die Bäuerin wieder aufgeschüttet.

Birmensdorf Graben

David Egger

Weil französische Fahrende ihr Lager in Birmensdorf aufschlagen wollten, gingen sie am Samstagabend auf die 28-jährige Bäuerin Sandra Lischer zu. 17 Wohnwagen wollten sie für vier Wochen auf dem Weidli an der Lielistrasse abstellen, auf der täglich Tausende Autopendler vorbeifahren.

Sandra Lischer und ihr Partner gingen auf Nummer sicher: Sie regelten die Feldmiete mit den Fahrenden in einem Vertrag. Somit war alles bereit für die Franzosen, welche die 1600 Franken sogleich bezahlt haben, wie Sandra Lischer auf Anfrage bestätigt. Nachdem Bekannte von Lischer sagten, dass Fahrende klauen und eine Sauerei hinterlassen würden, plante sie einen Rückzieher. Lischer und andere Bauern zogen eine tiefe Furche am Rand des Feldes, damit die Franzosen gar nicht erst auf das Weidli fahren konnten. Doch die Fahrenden kamen am Sonntag trotzdem. Die Polizei wurde gerufen. Sie schickte die Fahrenden aufs Feld, damit kein Chaos entsteht, und erklärte Lischer, dass es für solche Vorhaben eine Bewilligung brauche.

Mit den Fahrenden wurde daher vereinbart, dass sie das Weidli bis gestern Mittag wieder verlassen müssen. Schon am Dienstagabend war das Feld leergeräumt. Nichts, auch kein Abfall, deutet daraufhin, dass hier Wohnwagen standen. «Alles picobello», sagt Lischer. Zum Abschied hat sie den Fahrenden ein positives Referenzschreiben mitgegeben.

«Die Fahrenden haben Wort gehalten. Das macht nicht jeder Schweizer!» Hansulrich Hedinger Bauer

«Die Fahrenden haben Wort gehalten. Das macht nicht jeder Schweizer!» Hansulrich Hedinger Bauer

David Egger

«Die Fahrenden haben Wort gehalten. Das macht nicht jeder Schweizer», sagt Hans-Ulrich Hedinger. Bis Ende 2015 hat er noch das Weidli bewirtschaftet, dann übernahm seine Tochter Sandra Lischer den Hof. Die Limmattaler Zeitung trifft ihn gestern Mittag ganz in der Nähe. Hedinger wehrt sich dagegen, dass man Fahrende einfach so verurteilt. «Nur weil man ein schlechtes Bild von einer Gruppe hat, heisst das nicht, dass die ganze Gruppe schlecht ist. Wenn man auf einem Campingplatz im Tessin ist, sind auch nicht alle Holländer schlecht», sagt er.

Aber schlau seien diese Fahrenden schon gewesen, fährt er fort. «Sie wussten natürlich genau, dass wir am Wochenende den Vertrag nicht auflösen können, weil niemand arbeitet. Und das Geld hatten sie schon in der Hand, als sie hier aufkreuzten. Da sagt man natürlich schnell Ja», so Hedinger. Ein unrechtes Ja, wie Gemeinderat Paul Gähler dem «Blick» sagte: «Wir hätten die Bewilligung nie erteilt, da es dort keine sanitären Anlagen hat.»

Müssten Bauern diese Regeln nicht kennen? Hedinger winkt ab: «Meine Tochter hat den Hof erst seit Januar. Ich habe in meinem ersten Jahr als Landwirt auch Fehler gemacht. Jeder macht Fehler.»

Anders als der tiefe Graben auf dem Weidli vermuten lässt, gehört Birmensdorf zu den wenigen Gemeinden, die Fahrende regelmässig willkommen heissen. Bei der Badi schlagen jedes Jahr die gleichen Fahrenden ihr Winterlager auf. Neben diesem Angebot gibt es im Limmattal einzig in der Stadt Dietikon, beim Werkhof, ein Angebot für Fahrende. Dort haben sie einen Standplatz. Der Durchgangsplatz in Schlieren, wurde hingegen vor wenigen Jahren wegen eines Strassenumbaus ersatzlos geschlossen. Der Fall Weidli in Birmensdorf zeigt, dass es an Plätzen für Fahrende mangelt. Das bestätigen auf Anfrage die beiden grossen Schweizer Interessenverbände für Fahrende. Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, sagt: «Durchgangsplätze hat es zu wenig. Das bekommen ausländische und Schweizer Fahrende zu spüren.» Dass Fahrende deswegen von einem Bauern ein Feld mieten, sei aber sehr selten, und wenn, dann geschehe es meistens unter der Hand, weil es schwierig sei, eine Bewilligung zu erhalten. In der Grünzone sei es gar ganz unmöglich. «Das macht man höchstens mal für eine Hochzeit», so Huber. «Leider hört man nur dann davon, wenn etwas schiefläuft, zum Beispiel bei ausländischen Fahrenden, die die hiesigen Regeln nicht kennen», so Huber weiter.

Noch deutlicher wird Mike Gerzner von der Bewegung Schweizer Reisender: «Mit ausländischen Fahrenden haben wir nichts zu tun. Denn wir halten die Regeln ein und sie nicht. Wir bestellen beispielsweise immer Toitois an unsere Plätze.» Der Bund solle die Bürger über Fahrende aufklären und auf die Unterschiede der einzelnen Völker hinweisen. «Die Leute müssen begreifen, dass Schweizer Jenische und ausländische Fahrende unterschiedlich sind.»