Schlieren
Keine Benachteiligung: Stadt erhöht Frauen-Rentenalter wegen BVK

Der Schlieremer Stadtrat will das ordentliche Rentenalter für Gemeindemitarbeiterinnen und Lehrerinnen von 64 auf 65 Jahre erhöhen. Einen entsprechenden Änderungsantrag für die Personalverordnung stellte er an das Stadtparlament.

Florian Niedermann
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Die Gemeinde Schlieren will Mitarbeiterinnen bis 65 arbeiten lassen.

Die Gemeinde Schlieren will Mitarbeiterinnen bis 65 arbeiten lassen.

Keystone

Grund dafür sind die neuen Statuten der Pensionskasse BVK, bei der die Stadt Schlieren angeschlossen ist. Die Statuten benachteiligen Frauen, die gemäss Personalverordnung ihres Arbeitgebers mit 64 in Rente gehen müssen. Seit dem Inkrafttreten der revidierten Statuten am 1. Januar 2013 erhalten weibliche Angestellte im AHV-Rentenalter nicht die gleich hohen Umwandlungssätze wie ihre männlichen Kollegen.

Für Personen, die zwischen 60 und 65 in Pension gehen, besteht neu ein geschlechterunabhängiges Stufensystem, wonach sie mit jedem zusätzlichen Arbeitsjahr bis zum Ruhestand einen höheren jährlichen Prozentsatz ihres Guthabens ausbezahlt bekommen. Gleichzeitig setzte die BVK das Rentenalter für beide Geschlechter bei 65 Jahren fest.

Um die volle Jahresrente von 6,2 Prozent ihres gesamten einbezahlten Guthabens zu erhalten, müssen Frauen also – wie die Männer – bis 65 arbeiten. Die BVK schuf damit ein System, das Männer und Frauen gleichstellt. In Gemeinden und Schulen, die der BVK angeschlossen sind und die auf das Rentenalter 64 für Frauen pochen, sind Frauen dadurch aber faktisch benachteiligt.

System ist in der Branche verbreitet

Hat die BVK mit der Regelung der neuen Umwandlungssätze ein System der Ungleichheit geschaffen? Der Dietiker Pensionskassenexperte und AL-Gemeinderat Ernst Joss relativiert: «Gesetzten Falls, dass Frauen tatsächlich mit 64 in Rente gehen müssen, sind sie gegenüber ihren männlichen Kollegen natürlich benachteiligt.» Im Normalfall könne heute allerdings bei den meisten Arbeitgebern länger arbeiten, wer dies wolle. Dann würden sie die gleiche Rente wie die Männer erhalten.

Vor der Statutenrevision wurde bei der BVK das Leistungsziel im Alter 63 erreicht – ebenfalls bei beiden Geschlechtern. Ab 62 Jahren hatten alle Versicherten Anrecht auf den vollen Umwandlungssatz, wenn sie sich pensionieren liessen. Damit erhielten Frauen mit 64 den gleichen Prozentsatz ihres Pensionskassenguthabens wie die Männer mit 65. «Auch das war eigentlich kein gerechtes System, zumal die Männer länger einzahlten und andererseits eine tiefere Lebenserwartung haben, als die Frauen», so Joss. Im Gegensatz zu anderen Pensionskassen habe ausserdem die BVK das Stufensystem für Umwandlungssätze sehr spät eingeführt.

Stadt will Verordnung ändern

Frauen, die bei der Stadt oder der Schule Schlieren angestellt sind, würden durch das neue Stufensystem benachteiligt: In der aktuell gültigen Personalverordnung der Gemeinde und der Schule ist für Frauen, dem AHV-Rentenalter entsprechend, ein Pensionsalter von 64 Jahren vorgesehen. Länger arbeiten können nur jene Gemeinde-Mitarbeiterinnen, deren Stelle nicht mit einer gleich qualifizierten Person besetzt werden kann. Die Arbeitsverlängerung bedarf ausserdem der Bewilligung der Exekutive.

Der Stadtrat zieht nun seine Konsequenzen daraus: Neu sollen durch Stadt und Schule angestellte Frauen bis 65 arbeiten dürfen, ohne dass dies an Bedingungen geknüpft wird.

Stadtrat heisst Stufensystem gut

Der Stadtrat habe auf die geänderten Statuten reagiert, um zu verhindern, dass angestellte Frauen benachteiligt würden, sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin: «Wenn eine Frau dennoch mit 64 in Rente gehen will, so kann sie das auch weiterhin tun.» Grundsätzlich erachtet der Stadtpräsident den Entscheid der BVK, die Umwandlungssätze abzustufen, als richtig: «Die Lebenserwartung steigt. Eine Pensionskasse muss sicherstellen, dass das Guthaben der Einzahlenden bis zum Ende ihres Lebens ausreicht.»