Dietikon
Keine Anzeichen der befürchteten «Sex-Zone» in Dietikon

Fünf Monate nachdem die stadträtliche Vorlage angenommen wurde, ist davon nichts zu spüren. Nicht nur das: Es sei auch keine einzige Nachfrage in diese Richtung gemacht worden.

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Bisher ist kein einziges Baugesuch für ein neues Rotlichtetablissement in der Silbern eingegangen. (Symbolbild)

Bisher ist kein einziges Baugesuch für ein neues Rotlichtetablissement in der Silbern eingegangen. (Symbolbild)

Keystone

Vor ein paar Monaten tobte in Dietikon ein Streit um die Zukunft des ehemaligen Industriegebiets Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS), in dem mit harten Bandagen gekämpft wurde. Werde der Gestaltungsplan für das Gebiet angenommen, entstehe «eine Sex-Zone mit grossem Einzugsgebiet», drohte ein überparteiliches Komitee. Wenn Sexgewerbe nur noch rund um die Riedstrasse zulässig sei, entstehe dort eine Konzentration, die zu einer «Dietiker Langstrasse» führe, sagte der Dietiker Unternehmer Peter Hasler, der als Sprecher des Komitees fungierte.

«In anderen Gegenden läuft mehr»

Fünf Monate nachdem die stadträtliche Vorlage angenommen wurde, ist davon nichts zu spüren. «Bisher ist kein einziges Baugesuch für ein neues Rotlichtetablissement in der Silbern eingegangen», sagt Stephan Corsten, interimistischer Leiter der städtischen Hochbauabteilung. Nicht nur das: Es sei auch keine einzige Nachfrage in diese Richtung gemacht worden.

Generell sei es hinsichtlich Baugesuchen im Gebiet SLS ruhig, sagt Corsten: «Es gibt wenig Bewegung.» Die Hochbauabteilung erhalte zwar immer wieder Anfragen, doch effektiv eingegangen seien nur wenige Baugesuche. «In anderen Gegenden in Dietikon läuft bedeutend mehr.»

Dies hat jedoch auch damit zu tun, dass die SLS-Vorlage noch nicht rechtsgültig ist. Bereits seit im Herbst 2010 die Planungszone – faktisch ein Baustopp – nach fünf Jahren aufgehoben wurde, gilt die sogenannte negative Vorwirkung der Vorlage. Das heisst: Bauprojekte müssen sowohl mit dem alten Recht der Industriezone als auch den neuen Bestimmungen des Gestaltungsplans kompatibel sein. «Die rechtliche Situation ist noch nicht wesentlich anders als vor der Abstimmung», sagt Corsten. Daher sei mit einer verstärkten Bautätigkeit erst nach dem Inkrafttreten der Vorlage zu rechnen.

Rekurse sind noch pendent

Der Grund, dass die Vorlage noch nicht festgesetzt ist, sind drei Rekurse, die beim Baurekursgericht nach wie vor in Bearbeitung sind, wie Bösch sagt. «Wir müssen zuerst den Entscheid des Gerichts abwarten, bevor wir weiterfahren können.» Denn: Gibt das Gericht den Rekurrenten teilweise oder gänzlich recht, muss die Vorlage noch überarbeitet werden, bevor sie von der Baudirektion genehmigt werden kann.

Parallel dazu treibe man jedoch das zurzeit grösste Projekt im Gebiet voran, so der Stadtplaner: die
S-Bahn-Station Silbern. Nachdem diese im April vom Regierungsrat im Richtplan eingetragen worden ist, muss noch der Kantonsrat darüber befinden. Zudem sei bei der SBB eine weitere Machbarkeitsstudie pendent, sagt Bösch. Denn Fahrplanstudien hätten ergeben, dass der Bahnhof nicht ohne Abstellgleis funktioniere. Dieser Aspekt wurde bei der ersten Machbarkeitsstudie noch nicht in Betracht gezogen. (BHI)