Schlieren
Kein Sozialdetektiv: Stadt will Inspektorat einsetzen

Der Stadtrat hält es für unklug, einen Sozialdetektiv zu engagieren. Dafür sei Schlieren zu klein, findet er. Handeln will die Exekutive dennoch, um allfällige Sozialhilfebetrüger ausfindig zu machen.

Bastian Heiniger
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Ein Sozialdetektiv wäre in Schlieren wohl schnell bekannt.

Ein Sozialdetektiv wäre in Schlieren wohl schnell bekannt.

André Albrecht

SVP-Gemeinderat Thomas Grädel und 17 Mitunterzeichnende forderten in einem Postulat einen Sozialdetektiv für Schlieren. Ein solcher könnte sich gezielt darauf konzentrieren, allfällige Sozialhilfebetrüger auszumachen. Grädel geht davon aus, dass ein Detektiv keine zusätzlichen Kosten generiert. Stattdessen sei dieser sogar gewinnbringend, wenn er genügend Betrugsfälle aufdeckt.

Diese Idee stiess indes im Stadtrat nicht auf Anklang: Für einen Sozialdetektiv sei Schlieren zu klein, schreibt er in seiner Antwort auf das Postulat. Obwohl die Stadt einen urbanen Charakter habe, wäre ein Sozialdetektiv in kürzester Zeit enttarnt. Ähnlich grosse Städte seien von dieser Lösung schnell weggekommen. Der Stadtrat bringt deshalb eine andere Idee aufs Tapet: die Schaffung eines Sozialinspektorats.

Dieses unterscheidet sich hinsichtlich der Funktion. Während der Detektiv ausschliesslich vor Ort verdeckt ermittelt, um etwa Schwarzarbeit nachzuweisen, klärt der Sozialinspektor durch Recherche ab, ob sich ein Verdacht auf Missbrauch erhärtet.

Der Inspektor arbeitet also vorwiegend vom Büro aus, wo er sich im Internet, bei Ämtern, Firmen und unterschiedlichen Institutionen über den Verdächtigen informiert. Wenn nötig, lässt er sodann einen Detektiveinsatz einleiten. Der Stadtrat sieht in dieser Variante verschiedene Vorteile: Erstens würde durch die spezialisierte Stelle das Know-how stetig wachsen und könnte somit zur Fortbildung der Sozialarbeiter verwendet werden. Zweitens würden die Anhörungen nicht mehr durch alle Sozialarbeiter geführt, sondern nur noch von einem Spezialisten, der sich dadurch im taktischen Vorgehen verbessern könnte. Drittens würde die Schnittstelle zu der externen Firma Sowatch, welche die Überwachungen durchführt, intensiver und besser kontrolliert.

Andererseits gibt der Stadtrat auch zu bedenken, dass ein verdoppelter Aufwand nicht unbedingt zu einer doppelten Aufdeckungsquote führt. Vielmehr brauche es immer mehr Aufwand, um ein wenig mehr Erfolg zu haben. Dies könne allerdings anhand eines befristeten Versuchs abgeklärt werden. Zuerst muss dafür jedoch das Gemeindeparlament Thomas Grädels Postulat in einen der nächsten Sitzungen abschreiben.

In Dietikon schauen Detektive

Die Nachbargemeinden Dietikon und Oberengstringen beanspruchen hingegen weiterhin die Dienste der Sozialdetektive aus Zürich. Aufgrund der Budgetkürzungen gab im Februar dieses Jahres das Stadtzürcher Sozialdepartement bekannt, dass ihre Detektive per Ende Juni nur noch drei Gemeinden im Kanton Zürich zur Verfügung stehen. Die Zusammenarbeit mit Dietikon und Oberengstringen wird weitergeführt, da deren Bedarf nach Inspektoren ausgewiesen sei und sich die Zusammenarbeit gut etabliert habe, wie es in einer Medienmitteilung hiess.