Bestattungen
Kein Platz für Limmattaler: Muslimisches Grabfeld steht nur Badenern offen

Für Limmattaler Muslime fehlt auf dem geplanten Grabfeld in Baden der Platz.

Sophie Rüesch
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Auf dem Friedhof Liebenfels will die Stadt Baden ein Muslimgrabfeld schaffen.

Auf dem Friedhof Liebenfels will die Stadt Baden ein Muslimgrabfeld schaffen.

ASP

Die Stadt Baden will auf dem Friedhof Liebenfels ein muslimisches Grabfeld errichten. Noch ist allerdings nichts entschieden: Der Badener Einwohnerrat wird erst Ende Mai über das neue Friedhofsreglement entscheiden, das diese Grabfelder vorsieht. So weit war man auch im zürcherischen Limmattal schon einmal: In Schlieren wollte die Stadt im Zuge der Überarbeitung der städtischen Friedhofsverordnung muslimische Grabfelder einführen; der Gemeinderat lehnte den Antrag des Stadtrats im Juni 2013 aber ab.

Damit können sich streng gläubige Limmattaler Muslime nach wie vor nicht in der Region so bestatten lassen, wie es ihnen die Religion vorschreibt – also auf einem separaten muslimischen Grabfeld, in dem die Gräber nach Mekka ausgerichtet sind. Dem Schlieremer Parlament wird bald eine überarbeitete Totalrevision der Verordnung über das Friedhof- und Bestattungswesen vorgelegt – ohne Muslimgrabfelder. Und auch in Dietikon sieht es nicht danach aus, als würde in näherer Zukunft ein muslimisches Grabfeld errichtet. Nachdem eine Anfrage der muslimischen Glaubensgemeinschaft im Jahr 2008 folgenlos blieb, seien solche Grabfelder für Dietikon zurzeit kein Thema, sagt Stadtpräsident Otto Müller auf Anfrage: «In den letzten zwei, drei Jahren wurde das Begehren uns gegenüber auch gar nicht mehr geäussert.»

Das nächstgelegene muslimische Grabfeld im Stadtzürcher Friedhof Witikon steht derweil nur Stadtzürcher Muslimen offen. Und auch Baden hat nicht vor, im Falle einer Annahme der Vorlage sein Grabfeld für auswärtige Muslime zu öffnen: «Im muslimischen Grabfeld können nur Personen muslimischer Konfession und mit Wohnsitz in Baden beigesetzt werden», steht im Entwurf des Badener Friedhofsreglements geschrieben. Eine Öffnung des Angebots für auswärtige Muslime sei schon nur aus Platzgründen nie zur Diskussion gestanden, sagt der Badener Werkhof-Leiter Thomas Stirnemann auf Anfrage.

Mit dem Thema Bestattungen, gibt er zu bedenken, befasse sich zurzeit vor allem jene Generation von zugewanderten Muslimen, die noch starke Beziehungen zum Heimatland aufrechterhalten habe – und sich auch mehrheitlich dort bestatten lasse. «Bei den folgenden Generationen wird dies aber anders sein», so Stirnemann. Dazu kämen Konvertiten, über deren Anzahl es keine zuverlässigen Prognosen gebe.

Platz für die nächsten Jahre

Überhaupt gebe es weder genaue Statistiken darüber, wie viele Leute in der Schweiz überhaupt muslimischen Glaubens sind, noch darüber, wie viele von diesen sich auf einem muslimischen Grabfeld bestatten lassen wollen. «Da wir also selbst noch nicht wissen, was auf uns zukommen wird, war eine Öffnung des Grabfelds für Auswärtige kein Thema.» Für die muslimischen Einwohner Badens, so die Erwartung, sollten die geplanten 200 Muslimgräber auf dem städtischen Friedhof Liebenfels aber «bestimmt für die nächsten Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte» ausreichen.

Die Stadt Baden will die Muslimgrabfelder errichten, um eine «bisherige Ungleichbehandlung zu beseitigen», wie der zuständige Stadtrat Roger Huber (FDP) verlauten liess. Denn die Gemeinden sind verpflichtet, eine «schickliche» Bestattung für ihre Bewohner anzubieten. Hat eine Gemeinde kein muslimisches Grabfeld – wie zurzeit noch sämtliche Aargauer und die allermeisten Zürcher Gemeinden –, gebe es aber auch die Möglichkeit von individuellen Sonderlösungen, etwa im Rahmen eines Familiengrabs oder einer Erdbestattung in einem Grab, das zufälligerweise nach Mekka ausgerichtet ist. Stirnemann sind aus den letzten Jahren in der Stadt Baden allerdings keine solchen Anfragen bekannt.