Der Kanton Zürich soll kein Musikschulgesetz erhalten. Zumindest, wenn es nach dem Willen der vorberatenden Kommission für Kultur und Bildung (KBIK) des Kantonsrats geht (siehe Kontext).

Bei Schulen in der Region, die dem Verband Zürcher Musikschulen angeschlossen sind, kommt der kürzlich bekannt gewordene Beschluss der KBIK überhaupt nicht gut an.

An der Musikschule Dietikon ist man davon immer noch «etwas geschockt», wie die musikalisch-pädagogische Leiterin Daniela Jordi sagt. «Der Entscheid kommt sehr unerwartet, nachdem anfänglich alle Parteien dem Gesetz ihre Unterstützung zugesagt haben.»

Eine gesetzliche Grundlage für die Musikschulen im Kanton ist aus Jordis Sicht notwendig, weil «damit einerseits dem Volkswillen entsprochen wird». 2012 hatte die Schweizer Stimmbevölkerung der Stärkung der musikalischen Bildung mit der Annahme eines entsprechenden Verfassungsartikels zugestimmt.

«Dieser Wunsch müsste nun auch in die kantonale Gesetzgebung einfliessen», sagt Jordi. Damit könne der Zugang zu musikalischer Bildung auch in Zukunft sichergestellt werden. Anderseits gäbe ein Gesetz laut Jordi den Schulen auch mehr Sicherheit im Hinblick auf die Finanzen.

An der im Vergleich zu anderen Kantonen «rekordtiefen» Beteiligung des Kantons Zürich an den Kosten der Musikschulen ändere ein Gesetz zwar nichts – «die bliebe auf einem absoluten Minimum», sagt Jordi. Doch immerhin wäre diese dann gesetzlich festgeschrieben.

Nicht zuletzt würde das Gesetz auch zu verbindlichen Vorgaben bei Angebot, Qualität, Zusammenarbeit und Finanzierung führen, sagt sie. «Die kantonale Bildungsdirektion müsste auf der Grundlage des Gesetzes entsprechende Standards definieren.»

Qualität steigt mit Gesetz

Beim Leiter der Urdorfer Musikschule, Jan Wyss, löst der Kommissionsentscheid «grosses Unverständnis» aus. Das Gesetz sei ja nicht aus dem Ärmel geschüttelt worden. «Daran haben der Musikschulverband und der Kanton über mehrere Jahre gearbeitet.»

Für Wyss braucht es das Gesetz «unbedingt». Dieses biete eine sichere Subventionsgrundlage. Ausserdem führe es zu einer transparenten und im ganzen Kanton gleichen Besoldung der Musikschullehrer. «Egal, wo im Kanton eine Lehrperson unterrichtet, sie erhält damit überall den gleichen Lohn», sagt Wyss.

Das Gesetz fördere ausserdem die Qualität des Unterrichts. «Im Hinblick auf das neue Gesetz wurde die Professionalisierung bei den Musikschulen bereits in den letzten Jahren vorangetrieben», gibt Wyss zu bedenken.

So sei der Anteil studierter Musiker, die an den Schulen unterrichten, die letzten Jahre gewachsen. Eine richtige Entwicklung, wie Wyss findet: «Es wird ja auch nicht einfach jemand als Mathelehrer eingestellt, nur weil er gut rechnen kann.»

Auch in Urdorf hätten in Erwartung auf das Musikschulgesetz Änderungen stattgefunden. «Einige Lehrpersonen haben sich weitergebildet, die Qualität des Unterrichts wurde gesteigert.»

Gesetz soll ein Zeichen setzen

Christine Sieber, die in der Schulpflege der Primarschule Oetwil Geroldswil für die Musikschule zuständig ist, bezeichnet den Entscheid der vorberatenden Kommission als Affront. «Das Gesetz würde die Arbeit der Musikschulen endlich auf eine einheitliche Basis stellen», sagt sie.

Ausserdem könne das Ziel, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu musikalischer Bildung zu ermöglichen, besser erreicht werden, wenn dieses gesetzlich verankert sei.

Der finanzielle Beitrag des Kantons wäre mit dem Gesetz zwar nicht höher als heute – «die ursprüngliche Forderung von einer Beteiligung von 20 Prozent wurde bei der Ausarbeitung immer mehr verwässert».

Letztlich, so Sieber, gehe es beim Gesetz aber auch darum, «ein Zeichen für die musikalische Bildung zu setzen». Diese sei gegenüber anderen Bildungsbereichen die letzten Jahre immer stärker ins Hintertreffen geraten.