Schlieren
Kein Job mehr bei Coop wegen Ferienwunsch?

Seine Ehefrau darf sich nicht mehr bei Coop bewerben – Walter Bachmann ist empört. Angeblich ist der Grund ein «gestohlenes» Parfummuster. Vermutet wird aber ein anderer: Sie wollte Sommerferien, kriegte diese zweimal nicht und kündigte ihren Job.

Pablo Rohner
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Walter Bachmann ist empört: Seine Frau darf sich nicht mehr bei Coop bewerben. EQ Images

Walter Bachmann ist empört: Seine Frau darf sich nicht mehr bei Coop bewerben. EQ Images

Wegen einer harmlosen Geschichte um ein «gestohlenes» Parfummuster dürfe sich seine Frau Sonja nicht mehr bei der Coop-Gruppe bewerben, schreibt der Schlieremer Walter Bachmann in einem Leserbrief an die Limmattaler Zeitung. Dabei vermutet er einen anderen Grund für das Bewerbungsverbot. Seine Frau habe ihre Stelle bei der Import-Parfümerie gekündigt, nachdem sie 2011 und 2012 keine Sommerferien erhalten habe. Aufgrund des damaligen Streits erhalte sie beim Duftdiscounter der Coop-Gruppe nun keine Anstellung mehr.

Anstoss: Nicht genehmigte Ferien

Anfang 2011 hätte Sonja Bachmann ihre Wunschwochen für die Sommerferien eingegeben, so Walter Bachmann. Die Antwort von Coop kam im März: Die Verkäuferin erhalte keine Sommerferien, da bereits andere Mitarbeiterinnen zu dem Zeitpunkt Ferien eingegeben hätten. Das darf Coop. Nach Artikel 329 des schweizerischen Obligationenrechts darf ein Arbeitgeber den Zeitpunkt für die Ferien seiner Angestellten bestimmen. Er ist jedoch dazu angehalten, auf die Wünsche des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen, soweit dies die Interessen des Betriebs zulassen.

Im Sommer 2012 wiederholte sich der Konflikt, woraufhin Sonja Bachmann um eine Aussprache mit den zuständigen Personalverantwortlichen von Coop bat. In dem Gespräch habe sie zu erklären versucht, dass die Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern nur im Sommer gemeinsam Ferien machen könne, so Walter Bachmann. Noch im selben Gespräch habe Coop seiner Ehefrau die Kündigung empfohlen, falls sie zwingend Sommerferien benötige.

Absage statt Arbeitsvertrag

Als sich die Verkäuferin nach der freiwilligen Kündigung wieder um eine Anstellung bei der Import-Parfümerie bewarb, erhielt sie laut ihrem Ehemann zunächst positiven Bescheid. Wie sich später herausstellen sollte, stand zu diesem Zeitpunkt aber bereits fest, dass Sonja Bachmann bei Coop keine Arbeit mehr finden wird. Im September sei ihr zwar nach einem Probetag die baldige Einstellung in Aussicht gestellt worden. Statt des Arbeitsvertrags sei dann aber eine Absage ins Haus geflattert. Zusammen mit der Anweisung, sich in Zukunft nicht mehr bei der Coop-Gruppe zu bewerben.

Vorwurf: Müsterli gestohlen

Der Grund dafür erscheint marginal. Die Personalabteilung schrieb in der Absage, Sonja Bachmann habe im Jahr 2011 in der Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse ein Produktmuster mitgenommen und sei dafür verwarnt worden. Diese Verwarnung hätte sie bei ihrer Bewerbung erwähnen müssen, so die Argumentation. Walter Bachmann deutet das Arbeitsverbot als Machtdemonstration der Personalfachkräfte: «Wer wegen nicht genehmigter Ferien gekündigt hat, der wird eben nicht mehr eingestellt», vermutet er. Die Nachfrage der Limmattaler Zeitung wollte Coop nicht beantworten, ohne vorher mit den Bachmanns kommuniziert zu haben.

«Aufgrund der Vorkommnisse» halte man am Entschluss fest, Sonja Bachmann nicht mehr einzustellen, schrieb Coop am 10. Oktober 2012 an Walter Bachmann. Die Sichtweise der Personalabteilung weiche von derjenigen des Ehepaars ab. Wie diese Sichtweise im Detail aussieht, bleibt unklar. Coop entschuldigt sich in dem Brief dafür, den Entscheid erst nach Eingang der Bewerbung kommuniziert zu haben. Gegenüber der Limmattaler Zeitung versicherte Coop, die «Angelegenheit mit dem Produktmüsterli» stehe in keinem Zusammenhang mit der Nichteinstellung von Sonja Bachmann.