Knatsch
Kein Happy End für das «Seniorenkino»

Weil sich der Seniorenrat und der Kinobetreiber nicht einig wurden, finden die nachmittäglichen Vorführungen im Cinéma Capitol künftig nicht mehr statt. Beide Seiten bedauern das Ende der Filmreihe.

Tobias Hänni
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In den letzten drei Jahren zeigte das «Seniorenkino» im Cinéma Capitol vornehmlich ältere Filme.

In den letzten drei Jahren zeigte das «Seniorenkino» im Cinéma Capitol vornehmlich ältere Filme.

Limmattaler Zeitung

Nach nur drei Jahren ist Schluss: Das «Seniorenkino», das seit 2012 jeweils von Oktober bis Juni im Cinéma Capitol durchgeführt wurde, findet künftig nicht mehr statt. Dies schreibt der Seniorenrat Dietikon, der die Kinonachmittage mit vornehmlich älteren Filmen zu einem reduzierten Preis ins Leben gerufen hat, auf seiner Homepage.

«Uns tut es extrem leid, dass das Seniorenkino nicht mehr stattfinden wird», sagt Elsbeth Preisig, Präsidentin des Seniorenrats, auf Anfrage.

Hinter dem Ende der Vorführungen, die jeden zweiten Donnerstag stattgefunden haben, stecken Differenzen zwischen dem Seniorenrat und Kinobetreiber Martin Romer über die weitere Finanzierung. «Martin Romer hat uns dieses Jahr mitgeteilt, dass der Anlass aufgrund mangelnder Besucherzahlen für ihn finanziell nicht mehr tragbar sei», so Preisig.

Romer habe vorgeschlagen, einen Sponsor zu suchen und gleich einen möglichen Geldgeber vorgeschlagen. «Wir haben mit diesem Kontakt aufgenommen, wurden aber immer wieder vertröstet», sagt Preisig. Aus ihrer Sicht wurde der Seniorenrat bei den Verhandlungen mit dem Sponsor übergangen. «Wir hatten den Eindruck, das Geld solle direkt ans Kino gehen.»

Gerechnet wird unterschiedlich

Dass der Filmnachmittag für Romer ein Verlustgeschäft sein soll, kann die Präsidentin des Seniorenrats nicht nachvollziehen. Romer habe für das Seniorenkino eine Vollkostenrechnung präsentiert, um seine Verluste aufzuzeigen. Der Rat war laut Preisig mit dieser Rechnung nicht einverstanden: «Wenn am Donnerstagnachmittag anstelle des Seniorenkinos gar nichts läuft, dann hat Romer überhaupt keine Einnahmen.»

Der Cinéma-Capitol-Chef sieht das anders. «Wir haben jedes Jahr etwa 5000 Franken draufgelegt», sagt er. Die Vorführungen hätten nur im ersten Jahr knapp die Besucherzahlen erreicht, die der Seniorenrat zu Beginn kommuniziert habe.

«Da ich einen Film des Seniorenkinos jeweils nur einmal ausgestrahlt habe, sind die gesamten Gestehungskosten für die Vorstellung viel höher ausgefallen, als bei einem Film, den ich über Wochen hinweg mehrmals zeigen kann.» Seine Kalkulationen seien vom Seniorenrat aber angezweifelt worden — er sei auch nie zugelassen worden, diese an einer Sitzung des Rats persönlich darzulegen.

Ausserdem habe es der Rat versäumt, die Verhandlungen mit einem Sponsor ernsthaft anzugehen und eine Mitgliederkartei anzulegen, mit der die Filmnachmittage besser hätten beworben werden können. «Deshalb mussten wir nun die Reissleine ziehen», sagt Romer. Das Kino sei keine Suppenküche, sondern ein technisch moderner Kleinstfamilienbetrieb mit entsprechenden Kosten.

Auch der Kinobetreiber bedauert das Ende des Anlasses, mit dem älteren Menschen etwas geboten worden sei. «Aber der Seniorenrat hat sich letztlich zu wenig engagiert», sagt Romer. «Das stimmt nicht», entgegnet Preisig den Vorwurf.

Der Rat sei bekannt dafür, dass er sehr aktiv sei und alles darangesetzt habe, das Seniorenkino weiterzuführen. Ob dieses nun an einem anderen Ort geschieht, ist unwahrscheinlich. «Natürlich haben wir uns das überlegt. Aber in einem gewöhnlichen Saal fehlt das Kinoerlebnis», sagt Preisig.