Schlieren
Kein Fussgängerstreifen mehr – trotzdem sollen die Schulwege sicherer werden

Sarah Impusino will nun keinen Fussgängerstreifen mehr, sondern fordert den Stadtrat auf, die gesamte Sicherheitssituation für Schüler aller Schulen zu verbessern. Dies im Nachzug einer emotionalen Ratsdebatte.

Alex Rudolf
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Weil der Fussgängerstreifen für den Stadtrat keine Option darstellt, setzt sich Sarah Impusino nun für andere Massnahmen ein.

Weil der Fussgängerstreifen für den Stadtrat keine Option darstellt, setzt sich Sarah Impusino nun für andere Massnahmen ein.

ZVG

Das ging schnell. An der letzten Parlamentsdebatte vor zwei Wochen wurde das Postulat der CVP-Gemeinderätin Sarah Impusino emotional diskutiert. Dabei ging es um die Verkehrssicherheit der Kinder, die das Schulhaus Hofacker besuchen. Die Meinungen im Rat, wie diese gewährleistet werden kann, gingen dabei weit auseinander.

Zum Schluss zog Impusino ihren Vorstoss zurück und reicht nun eine umformulierte Version ein. Darin verlangt sie nicht mehr wie vormals, dass beim Schulhaus Hofacker und auf der Freiestrasse, Höhe Rotstiftweg, Fussgängerstreifen realisiert werden, sondern bittet den Stadtrat zu prüfen, wie die Sicherheit der Schüler an allen gefährlichen Strassenübergängen rund um Schlieremer Schulen verbessert werden könne. «Da Fussgängerstreifen für den Stadtrat keine Option sind, möchte ich erreichen, dass andere Massnahmen durchgesetzt werden», schreibt sie.

Trotz der Haltung des Stadtrates, der den Vorstoss nicht engegennehmen wollte, erhielt Impusinos Anliegen in der Ratsdebatte von Mitte November viel Unterstützung. Besonders morgens und zur Mittagszeit zeige sich das Bild eines Ameisenhaufens auf der Kreuzung zwischen Urdorfer-, Hofacker- und Stationsstrasse, sagte etwa GLP-Gemeinderätin Songül Viridén damals. «Für Kinder ist es wertvoll, genau zu wissen, wo die Strasse überquert werden darf und wo eben nicht», so Viridén weiter.

Zebrastreifen bringe nichts

Anders sieht dies der Stadtrat. Da eine grosse Nähe zur Schule bestehe, sei es zwar möglich, einen Fussgängerstreifen in der sonst zebrastreifenfreien Tempo-30-Zone zu erstellen, sinnvoll sei dies jedoch nicht, sagte Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP). Nebst dem, dass Ausgaben von rund 22 000 Franken etwa für Kandelabern und die Verlängerung von Rampen getätigt werden müssten, gebe es noch mehr Probleme. Wer die Strasse innerhalb eines 50-Meter-Radius’ um den Streifen überquere, müsse gebüsst werden, wenn er diesen nicht benutzt.

Bereits mehrmals habe man mit der Kantonspolizei die Lage vor Ort angeschaut und bereits Stellen erörtert, wo ein Streifen erstellt werden könnte. «Doch würde sich die Sicherheitssituation keineswegs verbessern. Denn: Ein Fussgängerstreifen würde teils grosse Umwege bedeuten», so Dalcher.

SP stellt sich hinter Dalcher

Gemeinderat Dominic Schläpfer (FDP) zeigte an der Parlamentsdebatte jedoch kein Verständnis für die Haltung der Exekutive. «Wie viel Wert hat ein Kinderleben?», fragte er rhetorisch und fügte an, dass 22 000 Franken ein vergleichsweise kleiner Betrag sei. Dem Argument, dass ein Stadtpolizist allenfalls Fussgänger büssen müsste, entgegnete er, dass zu kritischen Zeiten, wie kurz vor der Mittagspause, kein Polizist vor dem Schulhaus stationiert werden solle.

Dalcher antwortete, dass es keineswegs ums Geld gehe. «Wir alle wollen, dass unsere Kinder sicher im Strassenverkehr unterwegs sind. Aber ein Fussgängerstreifen wäre nach Meinung des Stadtrates unverhältnismässig.» Unterstützt wurde Dalcher von SP-Gemeinderat Walter Jucker. «Viel effektiver ist es, die Kinder noch besser im Verhalten gegenüber dem Strassenverkehr zu schulen.» Auch die Autofahrer seien in der Verantwortung, besonders da gegenüber Kindern, Gebrechlichen und alten Leuten besondere Vorsicht geboten sei. «Die Stadtpolizei sollte viel öfters vor dem Hofacker patrouillieren und Autolenker büssen, die Kinder in Gefahr bringen.»

Ginge es nach Sarah Impusino, gehörte hier vor das Schulhaus Hofacker ein Zebrastreifen hin.

Ginge es nach Sarah Impusino, gehörte hier vor das Schulhaus Hofacker ein Zebrastreifen hin.

Impusino war von den Argumenten des Sicherheitsvorstehers nicht vollends überzeugt und zeigte Bilder von einer Tempo-30-Zone im stadtzürcherischen Albisrieden, auf denen auch Zebrastreifen zu sehen waren. «Warum sind Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen in der Stadt Zürich möglich, nicht aber in Schlieren», fragte sie in Richtung Dalcher. In der Stadt habe nicht die Kantons-, sondern die Stadtpolizei die Verantwortung für Verkehrssicherheit, entgegnete dieser. Dies liess Impusino sprachlos zurück, während ein Raunen durch den Salmensaal ging.