Als der Dietiker Stadtrat im Januar 2009 präsentierte, wie er sich die Neugestaltung des historischen Ortskerns rund um den Kronenplatz vorstellt, überschlug er sich fast vor Begeisterung. Der Stadtpräsident lobte das «qualitativ hochstehende» Projekt, die Hochbauvorsteherin betonte, welch «einmalige Chance» für die Stadt das Siegerprojekt der Stararchitektin Tilla Theus sei – diese wiederum schwärmte von der einmaligen Lage des Areals. Geplant waren der Abriss von diversen historischen Gebäuden und der Neubau von sieben Mehrfamilienhäusern, dazu die Sanierung der ebenfalls historischen Zehntenscheune und des «Alten Bären». Fertiggestellt werden sollte das Projekt mit dem Namen Flussbalkone idealerweise schon bis Ende 2012.

Jetzt, siebeneinhalb Jahre nach jener Präsentation, ist der grösste Teil des Projekts immer noch nicht umgesetzt. Und er wird es auch nie werden: Der Stadtrat wirft seine ursprünglichen Pläne für das Kronenareal über den Haufen. «Wir haben eine Neuorientierung beschlossen», sagte Stadtpräsident Otto Müller (FDP) gestern an einer Medienorientierung. Das Projekt Flussbalkone werde per sofort beendet und die Arealaufwertung mit einem neuen Ansatz verfolgt. Konkret heisst das: Die historischen Gebäude werden stehengelassen und, je nach Bedarf, saniert sowie teilweise neuen Nutzungen zugeführt.

Eine vertrackte Geschichte

Dass nun wieder neu geplant wird, passt zur schwierigen Geschichte des Kronenareals. Denn in den letzten Jahren war dort immer wieder der Wurm drin. So kam es zuerst zu Rekursen gegen das Projekt Flussbalkone, später hob der Kanton die Baubewilligung auf, weil die Planung nicht mit den Kernzonenbestimmungen vereinbar war. Der Stadtrat leitete daraufhin eine Teilrevision des Kernzonenplans in die Wege, welche das Parlament zähneknirschend absegnete. Später musste das Projekt trotzdem noch leicht angepasst werden. Die Unsicherheiten und Verzögerungen hatten zur Folge, dass Investoren, welche Interesse am Projekt bekundet hatten, wieder absprangen.

All diese Herausforderungen spielten eine Rolle bei der Entscheidung des Stadtrats, das Projekt, in welches Dietikon bereits knapp 1,4 Millionen Franken investiert hat, nun zu beenden. Für die Kehrtwende gibt es aber noch weitere Gründe. So kam dem Vorhaben auch der im Jahr 2011 verschärfte Hochwasserschutz in die Quere. Dieser sieht für neue Gebäude einen Flussabstand von 16 Meter vor, was sich stark auf die Planung der Gebäude entlang der Reppisch ausgewirkt hätte. Sie hätten nicht nur räumlich verschoben, sondern auch deutlich kleiner gebaut werden müssen.

Zudem habe man realisiert, dass das Verhältnis der Neubauten zu den historischen Gebäuden auf dem Areal nicht ausgewogen gewesen wäre, sagte Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) gestern. Man habe damals den Neubauten zu viel Dominanz zugestanden, sagte sie: «Wir haben gemerkt, dass wir etwas übers Ziel hinausgeschossen sind.» Nun wolle man dem Wert der historischen Substanz der Gebäude mehr Bedeutung geben. Stadtpräsident Müller räumte ein, dass dieses Umdenken nicht ganz freiwillig stattgefunden habe: «Es ist eine Rückbesinnung, die ausgelöst wurde durch veränderte Rahmenbedingungen.»

Für die Umsetzung des neuen Ansatzes für das Kronenareal ist kein Wettbewerb mehr vorgesehen, sondern ein punktuelles Vorgehen. Dabei sollen die bestehenden Gebäude renoviert und einem neuen Verwendungszweck zugeführt werden. Erste Priorität räumt der Stadtrat dabei der Zehntenscheune ein, dem «Alten Bauamt» und der Neugestaltung der Umgebung.

Der «Alte Bären» ist fertig

Bereits im Jahr 2013 fertiggestellt worden sind die drei Mehrfamilienhäuser neben der Bar Zeus. Sie waren ebenfalls Teil des von Architektin Tilla Theus geplanten Projekts, gehören aber privaten Bauherren. Bereits fertig umgebaut wurde auch der «Alte Bären», den der Stadtrat Ende 2014 trotz teils heftiger Kritik an einen privaten Investor verkaufte. Die dort nun erstellten Wohnungen sind zur Vermietung ausgeschrieben. Die komplett sanierte Taverne zur Krone – das Kernstück des Areals – ist seit 2010 wieder in Betrieb.

Was auf dem Kronenareal als Nächstes geplant ist: