Dietikon

Kaum Sparpotenzial beim Transport von Sonderschülern

Viele Sonderschüler sind für die Bewältigung ihres Schulwegs auf Hilfe angewiesen. Symbolbild: Istock

Viele Sonderschüler sind für die Bewältigung ihres Schulwegs auf Hilfe angewiesen. Symbolbild: Istock

Die Transportkosten für Sonderschulkinder belasten die Gemeindekasse mit rund 350 000 Franken jährlich. Doch die Stadt hat wenig Handlungsspielraum, um hier die Kosten zu senken. Möglich, dass Sonderschüler bald in Dietikon selber unterrichtet werden

Nicht jedem Kind ist das Glück beschieden, mit seinen Freunden vom Haus zur Schule und zurück zu flanieren. Manch ein Sonderschüler würde sich wohl wünschen, den Schulweg wie die meisten seiner Altersgenossen selbstständig bestreiten zu können. Doch viele sind aufgrund ihrer Beeinträchtigungen schlicht nicht in der Lage dazu. Eine Stellungnahme des Dietiker Stadtrats zeigt nun, dass dieser Umstand nicht nur die betroffenen Kinder, sondern auch die Gemeindekasse belastet: Rund 350 000 Franken muss die Stadt jährlich für die Transportwege von Sonderschülern berappen.

Diese hoch anmutende Zahl ist der stadträtlichen Antwort auf eine Kleine Anfrage von FDP-Gemeinderat Philipp Müller zu entnehmen. Er wollte wissen, ob es mit Gerüchten, dass Dietiker Schüler in Taxis herumchauffiert werden, etwas auf sich hat. Die Antwort lautet vorerst Ja: 31 Dietiker Kinder werden mit einem Sammeltaxi zur Schule gebracht, weitere 4 mit einem Einzeltaxi. Rund 327 000 Franken kosten diese Transportwege. Dazu kommen weitere 20 000 Franken für 23 Schüler, die den Schulweg per öV bewältigen. Der Haken: Bei all diesen Kindern handelt es sich um Sonderschüler.

«Ein hoher Betrag»

Es ist nicht schwer zu erraten, dass Müller seine Anfrage wohl stellte, weil er in diesem Bereich Sparpotenzial vermutete. Angesichts der Art der Transporte will er vorerst jedoch keine weiteren Schritte unternehmen. «Einerseits hat mich die Zahl schon überrascht – 350 000 Franken ist ein hoher Betrag», sagt er. «Andererseits sehe ich natürlich ein, dass man bei den Transportkosten für diejenigen Kinder, die aufgrund einer körperlichen oder psychischen Behinderung darauf angewiesen sind, nicht sparen kann.» Ganz so einfach wäre das auch nicht, ist der Anspruch auf einen zumutbaren Schulweg doch gesetzlich verankert, ebenso wie die Tatsache, dass die Gemeinden für die Transportkosten ihrer Sonderschüler aufkommen müssen. «Unser Handlungsspielraum ist sehr begrenzt», sagt denn auch Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP).

Zudem legt die stadträtliche Antwort nahe, dass Dietikon nicht verschwenderisch mit den Schultransporten umgeht. «Die Schule klärt in jedem Fall die Notwendigkeit, die Dauer und den Umfang einer Transportregelung genau ab», schreibt die Exekutive. Die Schulbehörde suche zudem «in jedem Fall immer die kostengünstigste Transportmöglichkeit», wobei öffentliche Verkehrsmittel favorisiert würden. «Wo immer es geht, achten wir darauf, dass möglichst viele Kinder dieselbe Sonderschule besuchen können, damit wir die Transporte bündeln können», so Balbiani. Das sei aber nicht immer möglich, da die Sonderschüler diejenigen Institutionen besuchen müssen, die auf ihre Beeinträchtigung spezialisiert sind.

Mit der Antwort des Stadtrats ist Müller dennoch nicht ganz zufrieden: Sie ist ihm nicht detailliert genug. «Besonders bei den Sammeltaxifahrten für Kinder, die laut Stadtratsantwort ‹verschiedene externe Einrichtungen besuchen›, würde ich gerne wissen, was für Einrichtungen das sind – zumal diese rund die Hälfte der Gesamtkosten verursachen». 14 der insgesamt 58 kostenverursachenden Schüler werden laut Stadtrat an der Heilpädagogischen Schule Limmattal (HSL) unterrichtet. Der Leiter der Dietiker Schulabteilung, Gerold Schoch, versichert, dass es sich auch bei den übrigen Einrichtungen um kantonal anerkannte und bewilligte Sonderschulen wie etwa die Urdorfer Stiftung Kind und Autismus, die Schule für Sehbehinderte in Zürich oder das Schulinternat Heimgarten in Bülach handelt.

Bald eigene Sonderschule?

Möglich ist auch, dass Sonderschüler in Zukunft in Dietikon selber unterrichtet werden könnten: Der Stadtrat nahm am Donnerstag im Parlament ein Postulat von FDP-Gemeinderat Martin Romer entgegen, das die Prüfung einer gemeindeeigenen Sonderschule verlangt. Unabhängig davon klärt offensichtlich die Schule die gleiche Frage auch bereits ab. Ob die Kosten dafür höher oder tiefer ausfallen würden als bei externer Sonderschulung, ist noch offen.

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