Bezirksgericht Dietikon
Katzentür-Einbrecher verurteilt – nun muss er das Land verlassen

Urdorfer haben einen abgewiesenen Asylsuchenden auf frischer Tat ertappt. Er wird für sieben Jahre des Landes verwiesen.

David Egger
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Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr wurde der junge Algerier am Dienstag verurteilt.

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr wurde der junge Algerier am Dienstag verurteilt.

David Egger

Nachtaktiv wie eine Katze: So schlich ein junger Algerier am 7. Februar um 4.30 Uhr durch die Weihermattstrasse in Urdorf. Fette Beute zu machen, war sein Ziel. Nahe der Badi huschte er auf einen Gartensitzplatz und rammte einen Besenstiel in ein Katzentürchen. Dieses krachte auf. Der abgewiesene Asylsuchende führte seinen Arm hindurch und versuchte, von innen die ganze Terrassentür zu öffnen. Doch machte er seine Rechnung ohne den aufmerksamen Bewohner: Der hörte den Lärm, knipste das Licht an und ertappte den ungebetenen Gast auf frischer Tat. Der Algerier huschte davon in die Nacht.

Nur 24 Stunden später versuchte er es neun Überbauungen weiter strassenabwärts mit der gleichen Masche. Aber der Lärm weckte die Bewohnerin, sodass sich der Übeltäter wieder von dannen machte – wahrscheinlich zurück in die kantonale Notunterkunft (Nuk) im Urdorfer Bergermoos, seinem damaligen Wohnort.

Kokain ins Gefängnis geschmuggelt

Die Diebstahlversuche mit Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung waren aber noch nicht alles. Seit seiner Einreise in die Schweiz, die nach eigenen Angaben im Januar 2014 erfolgte, hatte er täglich Crack geraucht (eine Form von Kokain). Und als er im Dezember 2016 in der Strafanstalt Gmünden in Niederteufen AR einsass, betätigte er sich sogar als Kokain-Transporteur. Die Ehefrau seines Zellengenossen deponierte ein Päckchen mit vier Gramm Kokain bei den Besucherparkplätzen, die sich nahe dem grossen Eingangstor im Strafanstaltszaun befinden. Der Algerier holte das Kokain-Päckchen und durfte dafür gratis mit seinem Zellenkollegen mitkonsumieren. Wie all dies möglich war, kam am Bezirksgericht Dietikon zwar nicht zur Sprache. Klar ist aber: Die Strafanstalt Gmünden ist für ihren offenen Strafvollzug bekannt und steht im Dienst des Ostschweizer Strafvollzugskonkordats, zu dem der Kanton Zürich gehört.

Mehrere Vorstrafen

Für diesen Betäubungsmitteltransport und die beiden Einbruchsversuche in Urdorf verurteilte das Bezirksgericht den Mann gestern zu 15 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe. Für seinen zu grossen Teilen noch nicht verjährten Betäubungsmittelkonsum wurde er zudem zu einer unbedingten Busse von 300 Franken verurteilt. Das Urteil ist teilweise eine Zusatzstrafe zu einem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 14. Januar 2017 und zu einem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. Februar 2017. Hinzu kommt ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 5. Oktober 2016, das ihn zu sieben Monaten unbedingt plus sieben Monaten bedingt verurteilt hatte, mit drei Jahren Probezeit.

Von 26. Februar bis 25. April befand er sich in Haft, seither absolviert er den vorzeitigen Strafvollzug im Gefängnis Horgen. Von seinen nunmehr 22 Monaten abzusitzender Strafe hat er bis gestern 178 Tage abgesessen. 16 Monate hat er also noch vor sich.

Was die Justiz danach von ihm wünscht, ist eindeutig: Das Gericht unter der Leitung von Bezirksgerichtspräsident Stephan Aeschbacher verwies den Mann des Landes, wie es die Umsetzung der 2010 angenommenen Ausschaffungsinitiative verlangt. Der Landesverweis gilt für sieben Jahre und wird im Schengener Informationssystem eingetragen. «Das hat zur Folge, dass er den Schengen-Raum nicht mehr betreten darf», erklärte Aeschbacher. Einziges Problem: Ausschaffungen nach Algerien sind bekanntlich schwierig umzusetzen, wenn der Auszuschaffende nicht mitmachen will.

Telefonischen Kontakt zu seiner Mutter in Algerien hat der Katzentür-Einbrecher noch; der Vater ist gestorben. Nachdem der heute laut eigenen Angaben 23-jährige Mann in Algerien geboren und aufgewachsen war, zog er mit 17 oder 18 Jahren nach Frankreich und lebte zwei Jahre in Lyon, wo er auch kurz eine Schule besuchte, wie er gestern angab. Von dort aus kam er dann in die Schweiz, um Asyl zu beantragen. Als Richter Aeschbacher ihn durch den Arabisch-Übersetzer fragen liess, wieso er die Schweiz nicht schon nach dem negativen Asylentscheid verlassen hat, antwortete der junge Mann, dass er für gut einen Monat nach Frankreich ging, von dort aber in die Schweiz zurückgeschafft worden sei. Was er für die Zukunft plane, wisse er noch nicht: «Ich werde versuchen, mein Leben zu organisieren», sagte der Straftäter vor dem Urteil.

Es handelte sich gestern um ein abgekürztes Verfahren. Das heisst, die Strafe wurde schon im Voraus von Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgemacht, das Gericht musste entscheiden, ob es sie bestätigen will. Positiv hatten sich sein Geständnis ausgewirkt und dass es nur bei Einbruchsversuchen blieb. Die zahlreichen Vorstrafen und der Umstand, dass er noch während der Bewährungsfrist straffällig wurde, wirkten sich zu seinen Lasten aus.