Dietikon
Katholiken lenken zähneknirschend ein

Die Kirchenpflege akzeptiert die Linienführung der Limmattalbahn. Ihre Einsprache zieht sie aber dennoch nicht zurück.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Einer der Kritikpunkte: Die Gleisführung vor dem Restaurant Bären soll einen anderen Radius haben. Gespräche mit der Limmattalbahn AG finden derzeit statt. Foto: Zim

Einer der Kritikpunkte: Die Gleisführung vor dem Restaurant Bären soll einen anderen Radius haben. Gespräche mit der Limmattalbahn AG finden derzeit statt. Foto: Zim

Sandro Zimmerli

Karl Geiger ist sichtlich unzufrieden. Er ist überzeugt: Trotz des geplanten Abbruchs zweier Liegenschaften neben der heutigen Haltestelle der BD-Bahn am Dietiker Bahnhof bleibe nicht genug Platz für die Pendlerströme, die dereinst von der Limmattalbahn auf die S-Bahn umsteigen werden. Auch werde die Kreuzung Bremgartner-/Zürcherstrasse für Fussgänger, Autofahrer und Velofahrer ein unangenehmer Verkehrsknotenpunkt. «Wir sind der Meinung, dass eine Linienführung entlang der Zürcherstrasse die bessere Lösung gewesen wäre», sagt der Präsident der katholischen Kirchenpflege.

Dieser Zug ist jedoch abgefahren: Denn Ende Februar gab die Stadt Dietikon bekannt, dass sie ihre Einsprache gegen die Linienführung der Limmattalbahn zurückziehen werde. Der grösste Gegner einer Haltestelle am Dietiker Bahnhof wurde so zu einem Befürworter. Mittels Einsprache wollte auch die Dietiker Exekutive erwirken, dass die Stadtbahn entlang der Zürcherstrasse geführt wird. Die Limmattalbahn AG hielt eine Anbindung an den Bahnhof Dietikon aber für unverzichtbar. In einem rund 9-monatigen Masterplanverfahren prüften Vertreter der Stadt, der Limmattalbahn AG, der Gewerbeverbände, der politischen Parteien und der katholischen Kirchgemeinde 16 Varianten der Linienführungen. Das Ergebnis: Die Limmattalbahn soll am Bahnhof halten, wofür zwei Häuser abgerissen werden. Ende März wird die Limmattalbahn AG beim Bund diesbezüglich eine Planänderung beantragen. Dann wird auch der Zürcher Kantonsrat über den Kredit befinden.

Kritik am Stadtrat

Mit der Einigung rückt die Stadtbahn, die voraussichtlich ab 2022 zwischen Zürich Altstetten und Killwangen verkehren wird, ihrer Realisierung einen weiteren Schritt näher. So machen sich Karl Geiger und die Kirchenpflege auch keine Illusionen: «Wir sehen nach dem Rückzug der Einsprache des Stadtrates keine realistische Chance mehr, eine Führung der Bahn entlang der Zürcherstrasse zu erreichen», sagt er. Man habe sich nun mit der festgesetzten Haltestelle und dem Abbruch der Liegenschaften zugunsten des Baus eines Bahnhofplatzes Ost arrangiert.

Dennoch appelliert Geiger an den Stadtrat: «Für eine langfristige, visionäre Lösung ist es noch nicht zu spät.» Dabei schwebt ihm eine Verlegung des Busbahnhofs und der BD-Bahn-Haltestelle auf die westliche Seite des Bahnhofs vor, wo heute Parkplätze sind. «So entstünde Raum für einen grosszügigen Bahnhofplatz, der genug Platz für die Pendlerströme zwischen Bahnhofsperrons und Haltestelle der Limmattalbahn bieten würde», so Geiger. Dafür müsse der Dietiker Stadtrat aber nun mit den SBB, der Besitzerin der Parzelle, in Verhandlungen treten.

Killerkriterien brachten Idee zu Fall

Für diese Idee habe sich der Stadtrat aber nicht erwärmen lassen — ihm fehle die Zeit sowie die Stärke für langfristige Überlegungen zur Entwicklung des Stadtzentrums, moniert Geiger. «Aufgrund der heutigen Fakten fand die Exekutive Killerkriterien, die unsere Vision zu Fall brachten», so Geiger.

Diese Vorwürfe lässt Stadtpräsident Otto Müller (FDP) nicht auf sich sitzen: «Die vorgeschlagene Idee wurde im Rahmen des Masterplanverfahrens geprüft und hat eine ungünstige Bewertung erhalten», sagt er auf Anfrage. Aus Sicht des Stadtrates sei diese Variante nicht visionär und sei zudem von den Teilnehmenden der Masterplanrunde nicht zur Weiterverfolgung beurteilt worden.

Die Kirchenpflege akzeptiert nun die vereinbarte Linienführung. Ihre Einsprache, die mehrere Details betrifft, wird das Gremium dennoch nicht zurückziehen. In Bezug auf die noch offenen Punkte steht die Kirchenpflege zurzeit in Verhandlungen mit der Limmattalbahn AG. Nach Angaben von Karl Geiger geht es dabei um die Zufahrtsregelungen zur Tiefgarage während der Bauzeit, den Radius der Gleiskurve vor dem Restaurant Bären sowie ein Lichtsignal vor der Tiefgarageneinfahrt und Regelungen zur Sauberkeit des neuen Bahnhofplatzes Ost.

Daniel Issler, Geschäftsführer der Limmattalbahn AG, ist zuversichtlich, dass man sich in vielen Punkten mit der Kirchenpflege einigen werden kann. «Die Gespräche sind weiterhin am laufen», sagt er. Zu Verzögerungen am Projekt wird es laut Issler nicht kommen, da man genug Zeit für die Behandlung der Einsprachen eingeräumt habe. «Der Baustart ist weiterhin Anfang 2017 geplant.»