LImmattalbahn
Katholiken drohen mit dem Rechtsweg gegen geplante Linienführung

Die Kirchenpflege stellt sich gegen die Linienführung der Limmattalbahn am Bahnhofplatz. Die Erschliessung ihrer Liegenschaften sei nicht gewährleistet. Auch der Kirchplatz sollte durchtrennt werden. Gespräche führten bisher zu keiner Lösung.

Florian Niedermann
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Kirchenpflegepräsident Karl Geiger will nicht, dass die Limmattalbahn am Dietiker Bahnhofplatz um die Liegenschaften der Kirche fährt. FNI

Kirchenpflegepräsident Karl Geiger will nicht, dass die Limmattalbahn am Dietiker Bahnhofplatz um die Liegenschaften der Kirche fährt. FNI

Die katholische Kirchenpflege will erreichen, dass die geplante Limmattalbahn nicht am Dietiker Bahnhofplatz hält. Die vorgesehene Linienführung entlang der Poststrasse zum Bahnhofplatz und über den Kirchplatz zurück in die Zürcherstrasse sei nicht zumutbar, sagt Kirchenpflegepräsident Karl Geiger. Denn die Erschliessung der Liegenschaften der Kirchgemeinde – dazu gehören Kirche, Pfarrhaus, Pfarreizentrum und Restaurant Bären – und der Tiefgarage sei angesichts der grossen Pendlerfrequenz und dem Zugverkehr nicht gewährleistet. Während die Kirchenpflege Anfang Jahr vorschlug, die Bahn solle über die Bahnhofstrasse fahren, will sie jetzt auf eine Lösung über die Zürcherstrasse setzen.

Alle 3,75 Minuten ein Zug

Gleichzeitig sei es nicht sinnvoll, den Kirchplatz, der mithilfe der Kirchgemeinde aufwendig als Einheit gestaltet worden sei, mit einer zweiten Schiene für Limmattalbahn und BD-Bahn zu durchtrennen. «Das Problem ist die Frequenz der Züge», sagt Geiger. Wenn im Normalverkehr jede Viertelstunde in beide Richtungen ein Zug beider Bahnen zwischen der geplanten Haltestelle und dem Kirchplatz verkehre, sei die Erschliessung der Gebäude kaum mehr möglich. Zudem würden auch die Fussgänger auf dem Platz stark behindert. «Während der Stosszeiten ist gar alle 3.75 Minuten ein Zug zu erwarten.»

Eine durch ein unabhängiges Verkehrsplanungsbüro erstellte Studie habe zudem ergeben, dass die Platzverhältnisse an der geplanten Stelle zu eng für eine Haltestelle seien, sagt Geiger. «Die Sicherheit kann nicht gewährleistet werden und die Haltestelle wäre nicht behindertengerecht.»

Dem widerspricht Daniel Issler von der Limmattalbahn AG: «Wir haben mit dem Bundesamt für Verkehr Massnahmen ausgearbeitet, um die Haltestelle behindertengerecht und sicher zu gestalten.» Dank einer neuen Unterführung mit Lift und weiteren baulichen Massnahmen sollen sich die Pendler auch während der Stosszeiten nicht stauen.

Auch die Erschliessung der Liegenschaften der katholischen Kirchgemeinde und des Restaurants Bären seien gewährleistet, sagt Issler. «Beispiele aus der Stadt Zürich zeigen, dass die Erschliessung von Gebäuden, die nahe bei einer Haltestelle liegen, trotz zweier zeitlich hoch getakteter Tramlinien gut funktioniert.»

Nicht von der Hand zu weisen sei, dass es auf dem Kirchplatz zu mehr Bahn-Verkehr kommen werde. Eine Linienführung entlang der Zürcherstrasse schliesst die Limmattalbahn AG schon deshalb aus, weil die Kreuzung beim Kirchplatz dadurch stark überlastet würde. «Das Ziel ist es, Staus zu verhindern und gleichzeitig für die ÖV-Nutzer optimale Umsteigebedingungen zu schaffen», so Iller. Das erreiche man nur mit der Haltestelle am Bahnhof.

In einer Vernehmlassung im Januar 2012 beschloss der Stadtrat, die Variante Zürcherstrasse anzustreben, falls der Bahnhof nicht optimal mit der Limmattalbahn erschlossen werden könne. Geiger begrüsste diesen Entscheid: «Es wäre politisch klug, wenn Stadtrat und Kirchgemeinde eine gemeinsame Lösung finden würden.»

Gemäss Stadtpräsident Otto Müller (FDP) steht diese Alternative aber derzeit nicht im Vordergrund: «Der Stadtrat bevorzugt die Erschliessung des Bahnhofs. Eine Überlastung der Kreuzung am Kirchplatz ist nicht im Sinne der Stadt.» Man nehme die Anliegen der Kirchenpflege aber ernst. Der Stadtrat fordert deshalb, dass unter anderem die Liegenschaften der katholischen Kirche besser erschlossen werden. «Nur wenn das nicht möglich ist, würden wir die Linienführung entlang der Zürcherstrasse wieder in Betracht ziehen», so Müller.

Weitere Gespräche im Januar

Die Kirchenpflege kann sich mit den Plänen der Limmattalbahn AG definitiv nicht anfreunden. «Wenn der Stadtrat und die Limmattalbahn AG davon nicht absehen, gehen wir den Rechtsweg», so Geiger. Im Budget 2013 sei ein Betrag für diesen Fall eingestellt. «Die Gemeindemitglieder haben unsere Opposition einstimmig legitimiert.» Die Vertreter der Kirche und der Limmattalbahn AG haben sich bereits zweimal zu Gesprächen getroffen. Diese hätten aber zu keiner Lösung geführt, so Geiger. Anfang Jahr plant der Stadtrat weitere Gespräche mit der Kirchenpflege und der Limmattalbahn AG.