Dietikon

Karl Klenk: Ein Mann, der gerne «unglaublich» ist

Karl Klenk unterhält den Garten noch selbst – nur auf die Apfelbäume klettert er nicht mehr

Karl Klenk unterhält den Garten noch selbst – nur auf die Apfelbäume klettert er nicht mehr

Dass der Dietiker Ehrenbürger Karl Klenk diese Woche 100 Jahre alt wird, merkt man ihm nicht an. Er lebt immer noch in seinem Häuschen an der Holzmattstrasse, schmeisst selbstständig den Haushalt und unterhält den Garten.

Wenn Karl Klenk lacht – und das tut er gerne und oft – sieht er aus wie ein Spitzbub. Ein Spitzbub notabene, der am 19. Juli 100 Jahre alt wird.

Doch sein hohes Alter merkt man dem ehemaligen Sekundarlehrer kaum an. Noch immer wohnt er in seinem Häuschen an der Dietiker Holzmattstrasse, wo er, seit seine Frau vor 21 Jahren gestorben ist, selbstständig den Haushalt schmeisst und den Garten unterhält. Die Zusammenarbeit mit der Spitex habe ihm nicht zugesagt, sagt er. Nun mache er halt alles wieder selber.

Nur beim Rasenmähen oder Heckenschneiden greifen ihm seine beiden Söhne – sie sind ebenfalls schon pensioniert – ab und zu unter die Arme. «Auf den Baum klettere ich auch nicht mehr», sagt er und deutet auf das Apfelbäumchen in seinem Garten. «Nun mache ich aus den Früchten halt Apfelmus.» Dringend müsse er zudem die Kartoffeln ausgraben.

Karl Klenk sprüht vor Energie. Dass er immer noch so fit ist, ist aber kein Zufall. Fürs Älterwerden hat er ein Rezept. «Zuerst einmal ist es ganz wichtig, dass man sich bei der Geburt die richtigen Eltern auswählt», sagt er, und der Schalk blitzt in seinen Augen auf. In seiner Familie sei man mit guten Genen gesegnet: Alle seien gesund und der Bruder seiner Mutter sei ebenfalls 103 Jahre alt geworden.

Daneben gebe es aber noch einiges mehr zu beachten, sagt Karl Klenk: «Ganz wichtig ist, dass man sich viel bewegt.» So spaziert er jeden Morgen um 7 Uhr zum Ortsmuseum, wo er eineinhalb Stunden lang am Computer arbeitet. Für die Ortschronik erfasst er alles, was irgendwo über Dietikon geschrieben wurde, in Stichworten und nach Themen organisiert. Zudem kaufe er immer nur so wenig ein, dass er jeden Tag einmal in den Laden müsse, sagt er. Auch so sorgt er für Bewegung.

Genug Trinken

Und: Wer alt werden wolle, müsse genug trinken, sagt Karl Klenk. Das habe er selber lange Zeit nicht gewusst und sich entsprechend nicht daran gehalten – bis er auf äusserst schmerzliche Art und Weise darauf hingewiesen wurde. «Ich bekam Nierensteine, weil ich nicht genug trank», erzählt er. Das sei ihm eine Lehre gewesen.

Der dritte Tipp fürs Altwerden: Gesund leben. Daran hält Karl Klenk sich gewissenhaft: Er raucht nicht, er trinkt keinen Alkohol und keinen Kaffee und er achtet auf seine Ernährung. Das heisst: «Wenig Salz, wenig Zucker, wenig tierische Fette.»

Nicht nur körperlich ist Karl Klenk noch erstaunlich fit. Auch geistig merkt man ihm sein hohes Alter nicht an. Darüber staunt er manchmal selber, obwohl er sich selbst gerne als «alten Gwaggli» bezeichnet: «Es ist interessant, dass das Hirn immer noch so gut funktioniert.»

Doch auch das ist kein Zufall. Karl Klenk ist geistig beweglich geblieben, weil er sich sein Leben lang engagiert und involviert, Projekte angezettelt und Neues initiiert hat. Dafür hat ihn die Stadt vor elf Jahren zum zurzeit einzigen Dietiker Ehrenbürger ernannt.

Kurz, nachdem Karl Klenk 1934 nach Dietikon zog, um zu unterrichten, begann er sich zu engagieren. Es sei ihm aufgefallen, dass in Dietikon kein Oberstufenschüler schwimmen konnte, erzählt er. Da er seine Jugend in Meilen verbracht hatte, «wo alle Seebuben schwimmen konnten», nahm er sich des Themas an. Er erreichte, dass in Dietikon Schwimmunterricht eingeführt wurde.

Er gab asl erster Musikunterricht

Karl Klenk ist auch dafür verantwortlich, dass es in Dietikon eine Schulzahnklinik und Skilager gibt. Er war der Erste, der interessierten Schülern Musikunterricht gab. Die alte Geige, die ihm als «Wrack» übergeben wurde und die er aus der eigenen Tasche für 1000 Franken reparieren liess, damit die Schüler damit spielen konnten, ist heute noch im Besitz der Musikschule. Zudem war er der erste Präsident der Volkshochschule, engagierte sich lange Zeit im Gemeindestubenverein und, seit seiner Ankunft in Dietikon, in der Heimatkundekommission.

Neben seiner Arbeit als Lehrer wirkte Karl Klenk jahrelang als Berufsberater. Das war weit mehr als ein kleiner Nebenjob: Er führte bis zu 250 Beratungen pro Jahr durch – zu Hause, nach dem Unterricht.

Dass er nebst all dem noch Zeit fand, sich ein riesiges Wissen über Volkstänze anzueignen und bis vor drei Jahren sogar noch selber Tanz unterrichtete, mag man kaum glauben. Doch Karl Klenk ist gerne unglaublich: «Zuletzt getanzt habe ich vor ein paar Tagen», sagt er und demonstriert gleich leichtfüssig ein paar Schritte. Und wenn er gerade nichts anderes zu tun hat, schreibt er Erinnerungen und Erlebnisse für seine Söhne, Enkel und Urenkel auf. Bereits ist er auf Seite 3564: «Man muss ja etwas machen, damit es einem nicht langweilig wird.»

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