Schlieren

Kapuzinerpater segnet Tullio Zanovellos tonnenschwere Bildmaschine auf dem Gotthard

Die in Schlieren entstandene Gotthard-Bildmaschine ist nun besser vor technischen Problemen gefeit. Aber der Teufel gehört nach wie vor zum 1,5 Tonnen schweren Werk, das seinen Anfang einst in Dietikon genommen hat.

Tief im Gotthard-Gestein lockt Tullio Zanovellos grösstes Kunstwerk: seine Bildmaschine «Gotthard – das Réduit». Nur wer mehrere hundert Meter durch die kalten Gänge der ehemaligen Festung Sasso da Pigna geht, bekommt das 1,5 Tonnen schwere, 7 Meter breite und 4,5 Meter hohe Werk zu sehen. Nachdem im Sommer 2018 die Vernissage stattfand (die Limmattaler Zeitung berichtete), läuft seit 30. Mai die zweite Ausstellungssaison der Bildmaschine, die der Stadtzürcher Zanovello in seinem Atelier in Schlieren gebaut hat. Ihren Anfang nahm sie in Dietikon: In den Reppisch-Hallen besuchte Damian Zingg, Leiter des Museums San Gottardo, 2015 eine Ausstellung von Zanovello und war so begeistert, dass er ihn fragte, ob er nicht eine Bildmaschine für den Gotthard bauen will.

Als Zanovellos Bildmaschine letztes Jahr kurz vor der Vernissage technische Probleme zeigte, führten erst die vereinten Kräfte von drei Technikern zur Ursache: ein kleiner Draht hatte die Maschine blockiert. «Ich dachte: Das kann nicht mit rechten Dingen zu- und hergehen», erinnert sich Zanovello. «So kam ich auf die Idee: Die Bildmaschine muss gesegnet werden. Ich habe schliesslich bei der Bildmaschine im wahrsten Sinn des Wortes den Teufel an die Wand gemalt.»

Der Kapuzinerpater und ehemalige Pfarrer von Andermatt Marzell Camenzind sagte zu, und so war es am Samstag so weit: Nachdem Camenzind die Panta-rhei-Lehre des altgriechischen Philosophen Heraklit zitierte, bat er um Gottes Segen und griff zum Weihwasser. Die Bildmaschine war gesegnet.

Bevor Zanovello die Maschine startete, sangen die Anwesenden mitten im Fels gemeinsam einen Psalm. Neben Pater Camenzinds Stimme stach dabei jene von Franziska Brandenberger von der Zürcher Sing-Akademie besonders hervor. Diese spielte die von Zanovello selbst komponierte Musik zur Bildmaschine zusammen mit Bläsern des Berner Kammerorchesters und Perkussionisten der Zürcher Hochschule der Künste ein. Die Musik gehört zur Bildmaschine genauso wie die Ölfarben auf den zehn Bildflügeln. Für Brandenberger war es das erste Mal, dass sie Musik und Bildmaschine gleichzeitig live geniessen konnte. «Ich finde es grandios, wie die Musik in diesem Festungsraum klingt», sagte sie.

Tullio Zanovello gibt den Teufel

Der Segnungszeremonie ging eine Lesung aus dem Kinderbuch «Der kleine Geissbock und die Teufelsbrücke» voraus. Die Urner Autorin Elisa Hipp, ursprünglich aus dem Allgäu, las zusammen mit Zanovello. Sie gab die Erzählerin, er übernahm die Stimmen der Protagonisten – auch jene des Teufels. Der Teufel zeigt sich jeweils auch zum Ende jedes 24-minütigen Bildmaschinen-Durchgangs. Da hilft keine Segnung.

Offen ist, wie lange die Bildmaschine noch auf dem Gotthard ausgestellt ist. «Ich hätte natürlich am liebsten, dass die Bildmaschine für immer hier oben bleibt, denn für diesen Ort habe ich sie geschaffen», sagt Zanovello. Die Festung, ihre Räume und ihre Geschichte kennt er bis ins Detail, das bewies er mit einer Führung nach der Segnung seines Werks.

Neben diesem locken auch die 1,5 Tonnen schweren Riesenkristalle vom Planggenstock oder die Geschützstände mit Kanonen, die Truppenunterkünfte und der Kommandotrakt mit der Feuerleitstelle ins heutige Museum Sasso San Gottardo. Am 7. Juli startet zudem eine Sonderausstellung zur P-26. Um die geheime Schweizer Kaderorganisation aus der Zeit des Kalten Kriegs ranken sich viele Mythen. Mit diesen will die Ausstellung «Top Secret: P-26» aufräumen.

Die Saison des Sasso San Gottardo, wo die Bildmaschine «Gotthard – das Réduit» ausgestellt ist, dauert bis 13. Oktober. Weitere Infos: www.sasso-sangottardo.ch

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