Zu laut
Kantonsräte machen Druck auf Regierung: So kann es mit dem Rangierbahnhof nicht weiter gehen

Drei Kantonsräte erhöhen den Druck, damit der grösste Rangierbahnhof der Schweiz eingehaust, umgenutzt oder verkleinert wird.

Bettina Hamilton-Irvine
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 1.9 Millionen rangierte Wagen pro Jahr: Dafür wurde der 1978 eröffnete Rangierbahnhof Limmattal angelegt. Tatsächlich rangiert wurden 2016 noch etwa 475 000 Wagen.
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 Der Rangierbahnhof Limmattal raubt den Anwohnern nachts den Schlaf.
 Quietsch-quietsch: Wären die Güterwagen-Geräusche leiser, wäre das Limmattal dem Rangierbahnhof wohl wohlgesinnter.
Rangierbahnhof Limmattal

1.9 Millionen rangierte Wagen pro Jahr: Dafür wurde der 1978 eröffnete Rangierbahnhof Limmattal angelegt. Tatsächlich rangiert wurden 2016 noch etwa 475 000 Wagen.

Sandra Ardizzone

Vielen Limmattalerinnen und Limmattalern ist der Rangierbahnhof schon seit Jahren ein Dorn im Auge – oder besser: ein Kreischen im Ohr. Nun wird der Widerstand gegen die Anlage an der Grenze zwischen Dietikon und Spreitenbach wieder stärker: In einer am Montag eingereichten Anfrage fordern drei Kantonsräte aus dem Bezirk Dietikon den Regierungsrat auf, sich für eine sinnvollere Nutzung des Rangierbahnhofs Limmattal einzusetzen.

So wollen Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon), Andreas Geistlich (FDP, Schlieren) und Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) unter anderem wissen, welche Massnahmen ergriffen werden müssten, damit der Rangierbahnhof eingehaust werden könnte. Der Regierungsrat soll zudem darlegen, welche alternativen Nutzungsmöglichkeiten er für das Areal oder Teile davon sieht – und welche Chancen dabei entstehen könnten, beispielsweise hinsichtlich neuer Einwohner, Arbeitsplätze oder neuem Steuersubstrat.

Weiter wollen die Kantonsräte wissen, ob es der Regierungsrat auch als angezeigt erachtet, bei den SBB eine Redimensionierung des Rangierbahnhofs zu fordern. Schliesslich soll die Exekutive auch darlegen, welche konkreten Schritte unternommen werden müssten, damit das Areal der Siedlungsfläche zugeordnet werden kann und welche Rolle dabei dem Kanton Zürich zukäme.

So wenige Wagen wie noch nie

Es ist kein Zufall, dass die Anfrage im Kantonsrat gerade jetzt eingeht. Im Juni machte die Limmattaler Zeitung publik, dass die neusten Massnahmen zur Lärmreduktion praktisch wirkungslos blieben. So rangiert SBB Cargo seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember neu dreimal täglich statt nur nachts – in der Hoffnung, den Lärm in der Nacht zu reduzieren. Doch vergebens: Messungen zeigen, dass sich sowohl die Lautstärke, die Zahl der einzelnen Lärmereignisse wie deren Dauer kaum verändert haben.

Gleichzeitig nimmt die Anzahl der im Limmattal rangierten Wagen seit Jahren ab. Während es im Jahr 2000 noch knapp 838 000 Wagen waren, sank diese Zahl im Jahr 2008 auf gut 693 000 Wagen und erreichte letztes Jahr mit knapp 475 000 Wagen den bisherigen Tiefststand. Zum Vergleich: Bei der Eröffnung der Anlage 1978 war diese auf 5200 Wagen pro Tag oder 1,9 Millionen Wagen pro Jahr angelegt.

Zwar gibt es Anzeichen dafür, dass der Rangierverkehr im Limmattal wieder zunehmen könnte. Denn im Dezember 2016 wurden gleichzeitig die Rangierbahnhöfe Däniken und Zürich Mülligen stillgelegt. SBB Cargo plante, mit dem Fahrplanwechsel wieder mehr Rangierungen im Limmattal auszuführen. Ob das aber wirklich geschehen wird, wollte ein SBB-Sprecher im Juli gegenüber der Limmattaler Zeitung nicht bestätigen: Man könne dazu «keine verlässlichen Angaben machen», sagte er.

Auch Komitee macht Druck

Wenig Glauben an eine Zunahme des Güterverkehrs im Limmattal hat das Komitee «Gateway: So nicht!», in dessen Vorstand auch Wiederkehr und Burtscher vertreten sind. Das Komitee, das gegründet wurde, um das nationale Container-Terminal Gateway im Limmattal zu verhindern, hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) Ende Juni in einem Schreiben aufgefordert, den Rangierbahnhof für eine Immobilien- oder Stadtentwicklung umzunutzen. Das Komitee nahm damit Stellung zum neuen BAV-Konzept für den Gütertransport auf der Schiene – obwohl es dazu nicht eingeladen worden war. Das Konzept sieht vor, wenig produktive Standorte zu überprüfen – und aus Sicht des Komitees gehört dazu auch der Rangierbahnhof Limmattal.