Dietikon
Kantonsrat Martin Romer findet Zuflucht bei der BDP

Seit dem Bruch mit der FDP Dietikon vergangenen September war Kantonsrat Martin Romer parteilos. Jetzt tritt er der BDP bei, wie die Fraktion des Kantons Zürich am Donnerstag verkündete.

Sybille Egloff
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Den Beitritt zur BDP habe er sich reiflich überlegt, sagt Kantonsrat Martin Romer.

Den Beitritt zur BDP habe er sich reiflich überlegt, sagt Kantonsrat Martin Romer.

SEVERIN BIGLER

Der ehemalige Dietiker Gemeinderatspräsident und Kantonsrat Martin Romer war seit seinem Bruch mit der FDP Dietikon im vergangenen September als Einzelkämpfer unterwegs. Er bestritt die Stadtratswahlen ohne Partei im Rücken. Den Einzug schaffte er als Überzähliger nicht. Die Zeit als Parteiloser nimmt für den 53-Jährigen nun aber ein Ende. Romer wechselt zur BDP. Die BDP-Fraktion des Kantons Zürich verkündete am Donnerstag den Beitritt.

«Wir freuen uns sehr, dass Martin Romer zu uns stösst», sagt Marcel Lenggenhager, Präsident der BDP-Fraktion. Nachdem man im Zuge der Erneuerungswahlen des Kantonrats einen Sitz habe abgeben müssen, sei man mit Romer wieder auf alter Stärke. Das ist jedoch nicht das einzige Argument, das die BDP dazu bewogen hat, den Dietiker Politiker bei sich aufzunehmen. «Als Ex-FDPler passt er gut in unsere Partei. Auch wir haben einen liberalen Ansatz», sagt Lenggenhager.

Romer sei ein politischer Querdenker, der Geschäfte nicht nur parteipolitisch betrachte, sondern auch aus Sachlichkeit handle. Das sei eine gute Eigenschaft, um in der BDP zu politisieren, so der Fraktionspräsident. Ein weiterer Vorzug: «Er bleibt seiner Linie treu. Dies hat er gezeigt, als er als Parteiloser für die Stadtratswahlen kandidierte.»

Zwischenmenschliches ist wichtig

Auch Romer zeigt sich erfreut über die neue Parteizugehörigkeit, betont aber: «Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich nach dem Debakel mit der FDP wieder auf eine Partei einlasse und auch, ob ich überhaupt nochmals als Kantonsrat antrete.» Die BDP sei nicht die einzige Partei gewesen, die sich bei ihm gemeldet habe. «Sieben von zehn Fraktionen im Kantonsrat sind auf mich zugekommen», sagt Romer. Das sei ein schönes Zeichen gewesen. «Ich hatte einen Basar an Angeboten.»

Infrage kam für den Kinobetreiber schliesslich aber nur die BDP. «Mir war wichtig, dass das Zwischenmenschliche stimmt. Ich bin seit zwei Jahren im Kantonsrat und verstehe mich mit allen Mitgliedern der Fraktion, mit einigen habe ich auch privat zu tun.» Die BDP habe ihm sogar ohne Beitritt angeboten, dass er bei den Sitzungen der Fraktion dabei sein könne.

Linie stimmt überein

Ein weiterer wesentlicher Punkt für seinen Entscheid sei gewesen, dass er hinter dem Parteiprogramm stehen könne, sagt Romer. «Ich will mich als Mensch nicht verbiegen müssen.» Von allem 100-prozentig überzeugt könne man nicht sein. «Man wählt das geringste Übel.» Die Linie der BDP habe am meisten mit der seinigen übereingestimmt. Er vertrete die selbe Haltung bezüglich Bildung, Wirtschaft und Finanzen. Auch hinsichtlich des Verhältnisses Schweiz - EU habe er die gleichen Ansichten. «Wie die BDP lehne ich einen Beitritt der Schweiz in die EU ab. Von einer Abschottung halte ich aber nichts.»

Als Parteiloser weiterzumachen, stand für Romer nicht zur Debatte. «Ich war mir bewusst, dass ich zu einer Partei gehören muss, wenn ich 2019 erneut für den Kantonsrat kandidiere.» Als Einzelmaske in einem Parlament mit 180 Personen gelange man nicht an die nötigen Informationen.

Auch wenn sich der Neo-BDP-Mann gestern bei der Konstituierung des neuen Dietiker Parlaments von der kommunalen Politik verabschiedete – er liess sich nicht mehr als Kandidat für den Gemeinderat aufstellen –, geht seine politische Karriere im Kantonsrat weiter. Nun im Schosse einer anderen Partei.