Birmensdorf

Kantonaler Denkmalpfleger: «Wir setzen Schutzmassnahmen fast nie hoheitlich durch»

Das Sekundarschulhaus Brüelmatt in Birmensdorf – auch die behördenunabhängige Denkmalpflegekommission hält es für schutzwürdig. hae

Das Sekundarschulhaus Brüelmatt in Birmensdorf – auch die behördenunabhängige Denkmalpflegekommission hält es für schutzwürdig. hae

Weil die Denkmalpflege das Schulhaus Brüelmatt schützen will, erntetesie Kritik von Bauvorstand Bruno Knecht – nun spricht der kantonale Denkmalpfleger

Eine «inakzeptable Gängelung» nannte es der Birmensdorfer Bauvorstand Bruno Knecht (parteilos) Anfang Woche: Die kantonale Denkmalpflege will das Schulhaus Brüelmatt unter Schutz stellen, weil die Sekundarschulgemeinde eine umfassende Sanierung und Erweiterung samt Umnutzung der Turnhalle plant.

Der Grund: Die Gebäude aus der Feder des Winterthurer Architekten Ulrich Baumgartner aus den Siebziger- und Neunzigerjahren sind im Inventar der Schutzobjekte der Denkmalpflege erfasst (die Limmattaler Zeitung berichtete). Weil der im November von der Baudirektion erfasste provisorische Schutzumfang sehr detailliert ist, rechnet Knecht bei der Planung und Umsetzung des Projekts mit «massiven Mehrkosten».

Die Gemeinde erlebt damit ein Déjà-vu: Auch die Primarschule musste sich bei der Planung von zusätzlichem Schulraum der Denkmalpflege beugen. Dass sich dies nun bei der Oberstufe zu wiederholen droht, löste in Birmensdorf Kopfschütteln aus. Doch der kantonale Denkmalpfleger, Beat Eberschweiler, hält Knechts Bedenken für unbegründet.

Herr Eberschweiler, in Rafz steht ein Schulhaus älteren Datums, das ebenfalls von Ulrich Baumgartner geplant wurde und das für jenes in Birmensdorf als Vorlage diente. Wieso muss nun auch die Nachahmung erhalten werden?

Beat Eberschweiler: Das Schulhaus Brüelmatt in Birmensdorf hat eine eigenständige, regionale Bedeutung als Weiterentwicklung eines Schulhaus-Typs. Und es ist ein wichtiger Ausdruck der lokalen Ortsentwicklung.

Der provisorische Schutzumfang, den die Denkmalpflege für das Schulhaus Brüelmatt definiert hat, enthält selbst bauliche Details wie Kleiderhaken, und Bodenplättchen. Ist man hier nicht zu weit gegangen?

Nein. Es ist üblich und es macht Sinn. Man spricht von einem provisorischen Schutzumfang, der als Basis für die Verhandlungen zwischen der Schulgemeinde und der Denkmalpflege dient. Er führt jene Elemente auf, welche für die Schulanlage zeittypisch und charakteristisch sind. Auch die Details der Innenausstattung gehören zum Wert eines Gebäudes.

Neben dieser ersten Einschätzung der Denkmalpflege bildet die Beurteilung der behördenunabhängigen Denkmalpflegekommission die zweite Grundlage für eine Unterschutzstellung. Zu welchem Schluss ist die Kommission gekommen?

Die kantonale Denkmalpflege-Kommission hat die Schutzwürdigkeit des Schulhauses Brüelmatt 1 und der dazugehörigen Turnhalle bestätigt.

Inventarisiert wurde 2001 auch der Erweiterungsbau Brüelmatt 2. Und dies, obwohl er damals erst fünf Jahre alt war und sonst Fristen von rund 30 Jahren üblich sind. Was meint die Kommission zu seinem Fall?

Für die Denkmalpflege ist er tatsächlich noch viel zu jung. In der Beschreibung der Anlage ist der Erweiterungsbau aber als sorgfältige Erweiterung des älteren Gebäudes erwähnt.

Das heisst, die Schulpflege hat zumindest bei der Sanierung dieses Gebäudes freie Hand.

Ja. Aber natürlich muss man beim ganzen Schulhaus-Ensemble darauf achten, dass das Resultat am Ende stimmig ist.

Sie sagten, der provisorische Schutzumfang sei lediglich eine Verhandlungsbasis. Der Birmensdorfer Bauvorstand Knecht zweifelt aber daran, dass die kommunalen Behörden im Gespräch mit der Denkmalpflege viel erreichen werden. Damit dürfte er richtig liegen.

Nein. Und diese Einschätzung erstaunt mich. Nach der Bestätigung der Schutzwürdigkeit durch die Denkmalpflegekommission gilt es, die Bedürfnisse und das Projekt der Nutzer mit unseren Vorstellungen eines möglichen Schutzumfangs abzustimmen. Gäbe es hier keine Spielräume, gäbe es keine gemeinsame Projektentwicklung. Doch genau diese findet statt.

Sie werden kaum bestreiten, dass die Denkmalpflege baurechtlich am längeren Hebel sitzt.

Sicher, wir könnten Schutzmassnahmen auch hoheitlich durchsetzen. Nur dazu kommt es fast nie. Schliesslich haben wir immer wieder mit den Bauherren zu tun und es ist uns an einem guten Einvernehmen viel gelegen.

Konkret: Über welche Bestandteile des provisorischen Schutzumfanges lassen Sie mit sich reden?

Ich würde mich im Gegenteil hüten, zu diesem Zeitpunkt bauliche Elemente zu benennen, die absolut tabu sind. Es gibt natürlich härtere und weichere Bereiche, sowohl auf unserer Seite als auch für die Schulpflege. Es wird sich aber erst im gemeinsamen Gespräch zeigen, wo bei den Beteiligten die Prioritäten liegen.

In der ersten Einschätzung wurden auch brandschutztechnisch problematische Elemente wie das Deckentäfer als schützenswert klassiert. Stellen Sie also unter Umständen gar Sicherheitsaspekte dem Denkmalschutz hintan?

Es ist völlig normal, dass im Planungs- und Bauprozess immer wieder verschiedene Interessen aufeinander abgestimmt werden müssen. Es ist ein spannender Aspekt unserer Arbeit: Lösungen zu finden, die diesen Ansprüchen gerecht werden.

All diese Auflagen sind für die Gemeinde jedoch mit Kosten verbunden. Zusätzlichen Kosten.

Nicht zwingend. Wir stellen ja nicht nur Bedingungen. Vielmehr unterstützt einer unserer Denkmalpfleger die Schulgemeinde aktiv bei der Planung. Er kann aufgrund seiner grossen Erfahrung mit solchen Objekten in vielen Bereichen Einsparungen ermöglichen. Natürlich gibt es Erhaltungsmassnahmen, die mit Mehrkosten verbunden sind. Da dem Schulhaus Brüelmatt aber eine regionale Bedeutung beigemessen wird, profitiert die Schulgemeinde von Geldern aus dem Denkmalschutz-Fonds.

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