Und dann hats gerumpelt: Als Leser M. (Name der Redaktion bekannt) mit seinem Auto von Geroldswil nach Oetwil fuhr, spürte er einen starken Schlag. Und schon waren die rechten Pneus vorne und hinten komplett zerstört. Ein Ärger. Aber was danach kam, vergrösserte seinen Unmut noch mehr. M. erinnert sich an den letzten Freitag: «Ich konnte noch bis zur Garage Dittli in Oetwil fahren. Bevor ich dort dem Garagisten erzählte, was genau passierte, hatte er schon die richtige Vermutung. Die Kurve habe es in sich, sagte er.» Für Autofahrer M. lässt das einen Schluss zu: «Meine zerstörten Pneus sind offenbar kein Einzelfall.»

In der Tat: Der Randstein bei der Einmündung der Feldstrasse in die Limmattalstrasse in Geroldswil stand schon mehreren Pneus im Weg. Zwei bis drei solche Fälle hat nur schon die Garage Dittli in Oetwil gehabt. Auch bei der Garage Dittli in Geroldswil, die nur ein paar Meter vom fraglichen Randstein entfernt ist, hatte man es schon mit solchen Autofahrern zu tun. «Zwei bis drei Fälle waren es sicher», sagt Garagist Peter Dittli. «Es ist eine ungünstige Ecke dort. Man müsste nur den Randstein abschrägen, und das Problem wäre entschärft», sagt Dittli.

Neben dem halben Dutzend Fälle, mit der es nur schon die beiden Dittli-Garagen zu tun hatten, könnte es noch weitere geben – zum Beispiel Lenker, die ihr Auto von einer anderen Garage abschleppen liessen.

«Diese Schikane könnte tragische Folgen haben. Wer dem Randstein ausweicht, riskiert eine Streifkollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug», findet Leser M. Die Markierung mit einem orangen Pfosten sei hilflos. «Ein richtiges rot-weisses Schild würde man viel besser sehen», sagt er.

Problem ist bekannt

Die Limmattalstrasse wird sowieso bald saniert – im April sollen die Bauarbeiter loslegen. Diese Woche informiert die Baudirektion die Einwohner der rechtsufrigen Limmattalgemeinden, wie der Verkehr während der Bauzeit grossräumig umgeleitet wird. Doch was sagt sie zum erwähnten Randstein, den Leser M. als «Pneukiller» bezeichnet?

«Diese Stelle ist unserem Strasseninspektorat bekannt», erklärt Sprecher Thomas Maag. Das Problem liege vor, seit die Gemeinde dort Arbeiten an der Kanalisation vorgenommen hat. Das war 2015.

«Seitens Kanton haben wir keine Reparatur vorgenommen, da diese Stelle im Perimeter liegt, der ab April saniert wird. Wir haben aber den Markierungspfosten gesetzt. Auf ein rot-weisses Schild wurde verzichtet. Solche Markierungen verwenden wir ausschliesslich in Baustellenbereichen.» Die Stelle soll aber noch besser sichtbar werden, wie Maag verspricht: «Sobald es das Wetter zulässt, werden wir die schadhafte Stelle zusätzlich mit weisser Farbe markieren.»

Betroffene verstossen gegen Gesetz

Dieses Versprechen darf man aber nicht falsch verstehen: «Aus unserer Sicht besteht aufgrund des kleinen Schadens am Randstein weder für Automobilisten, Velofahrer noch für Fussgänger eine Gefahr. Wer an dieser Stelle seinen Reifen aufschlitzt, verstösst gegen Artikel 27, 31 und 32 des Strassenverkehrsgesetzes und gefährdet mit seiner Fahrweise die Fussgänger auf dem Trottoir», macht Maag klar.

Die drei Gesetzesartikel besagen, dass Signale zu befolgen sind, dass der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen muss, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann und dass das Tempo stets den Umständen anzupassen ist. Ein Beispiel: Ist die Strasse schneebedeckt, muss ein Lenker das Tempo anpassen. Er kann nicht das Tiefbauamt dafür zur Verantwortung ziehen, dass die Strasse nicht schwarz geräumt ist.

Kanton haftet nicht für Schäden

Entsprechend müssen die Autofahrer auch im Randstein-Fall selber für ihre Schäden aufkommen. Die Haftung des Strasseneigentümers unterliegt dem Obligationenrecht. Die Rechtssprechung übe bezüglich Strassenunterhalt und der Annahme eines Mangels Zurückhaltung aus, sagt Maag. Ein ganzes Strassennetz wird gemäss der Rechtssprechung nicht wie ein einzelnes Gebäude behandelt. «Bezüglich der Werkeigentümerhaftung sind wir in diesem Fall unserer Verantwortung durch die Signalisation der Gefahrenstelle mit einem Markierungspfosten nachgekommen», sagt Maag.

Haften würde der Kanton hingegen, wenn zum Beispiel bei einer seiner Bauarbeiten ein Asphaltstück wegspickt und ein Auto beschädigt. «Da kann ja dann der betroffene Autofahrer nichts dafür. Für solche Fälle sind wir versichert», so Maag.

Somit ist klar: Wer sich die paar hundert Franken für neue Pneus sparen will, der sollte genau hinschauen und langsamer fahren als die geltenden 60 Kilometer pro Stunde – zumindest beim fraglichen Randstein an der Limmattalstrasse, der sowieso nur Meter von einem Fussgängerstreifen entfernt ist.