Ein Meilenstein für den Bau des Autobahndeckels beim Gubrist-Portal in Weiningen ist gesetzt: Der Kantonsrat hat am Montag den kantonalen Beitrag in Höhe von fünf Millionen Franken bewilligt. Damit erhält der Kanton vom Bundesamt für Strassen (Astra) ein übertragbares Baurecht für die öffentliche Nutzung des Deckels. Dieses Baurecht soll an die Gemeinde Weiningen übertragen werden. Sie plant auf der Überdeckung einen Fuss- und Veloweg sowie den Bau eines neuen Werkhofs und eines Feuerwehrdepots. Die mit dem Bau der dritten Gubrist-Röhre verbundene Siedlungsreparatur war im Kantonsrat unumstritten. Über den Gemeindebeitrag von 3,5 Millionen Franken für den Bau des Rad- und Fusswegs entscheiden die Weininger Stimmberechtigten am 23. September.

Die Gemeinde Weiningen hatte jahrelang für den Bau des Autobahndeckels gekämpft. Pierre Dalcher (SVP, Schlieren) erinnerte daran: 2004 forderte die Gruppe Chance Gubrist unter Führung des damaligen Gemeindepräsidenten Hanspeter Haug (SVP) einen 270 Meter langen Autobahndeckel. Ihre Forderung wurde vom Bund zunächst übergangen. 2014 entschied dann das Bundesverwaltungsgericht zugunsten von Weiningen und verlangte eine 100 Meter lange Autobahnüberdeckung. Der Bund musste einlenken. «Die SVP unterstützt diese Vorlage», sagte Dalcher. Sie nütze nicht nur Weiningen, sondern dem Kanton Zürich und der ganzen Schweiz.

Lehren aus dem Rechtsstreit

Jonas Erni (SP, Wädenswil) pflichtete ihm bei: Die Siedlungsqualität werde dadurch erhöht. Auch die FDP äusserte sich zustimmend – und benannte die Lehren aus dem langen Rechtsstreit: Bei solchen Projekten seien die Interessen der Bevölkerung vor Ort von Anfang an einzubeziehen, so Christian Müller (FDP, Steinmaur). Weil dies beim Gubristausbau anfangs nicht der Fall war, sei es zur mehrjährigen Verzögerung gekommen.

Nun soll das Gesamtprojekt bis 2025 fertig sein. 2022 fahren laut Zeitplan die ersten Autos durch die dritte, dreispurige Gubriströhre. Dann werden nacheinander die beiden bestehenden, zweispurigen Tunnelröhren für Sanierungsarbeiten geschlossen – und bis 2025 wieder geöffnet. Dies erhöht die Kapazität einer der meistbefahrenen, seit Jahren chronisch verstopften Strassen der Schweiz.

«Es ist schön, dass sich der lange Einsatz der Bevölkerung gelohnt hat», sagte Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon) im Hinblick auf den Autobahndeckel. Sie erhalte nun besseren Lärmschutz, zudem die erwähnten Deckelnutzungen. Es sei eine für alle Beteiligten gütliche Einigung getroffen worden, fügte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) an. Nun gehe es nach zehn Jahren des Stillstands beim Gubrist voran. Bei einem Ja des Kantonsrats und der Gemeinde sei der Autobahn-Ausbau demokratisch legitimiert.

Für Martin Neukom (Grüne, Winterthur) ist der Fall exemplarisch: «Weiningen ist ein Beispiel dafür, welche Kosten der Verkehr verursacht – nicht nur in Form von Geld, sondern auch von Siedlungsqualität.» Der Bund rechnet für das Gesamtprojekt, durch das die Nordumfahrung Zürich auf sechs Spuren ausgebaut wird, mit Kosten von 1,55 Milliarden Franken.

Hohe Priorität

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh betonte, der Gubrist-Ausbau habe für den Regierungsrat hohe Priorität. «Die Blockaden konnten gelöst werden. Ein wichtiger Punkt dieser Lösung ist der 100 Meter lange Portaldeckel.» Er ermögliche eine Siedlungs- und Landschaftsreparatur. «Mit diesem Kredit übernimmt der Kanton keine Bundesaufgabe, sondern er erfüllt Wünsche des Kantons und der Gemeinde», hielt die FDP-Regierungsrätin fest. Ein Ja sei ein wichtiges Zeichen an den Bund, aber auch an die Gemeinde Weiningen. Es handle sich um eine ausgewogene, faire Vorlage.

Dagegen hatte niemand etwas einzuwenden: Der Kantonsrat bewilligte den Kantonsbeitrag mit 168:0 Stimmen.

«Super Resultat»

Der Weininger Gemeindeschreiber Bruno Persano, der alt Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) und der Bauvorstand Harry Landis (parteilos) verfolgen die Debatte zum Autobahndeckel Weiningen im Zürcher Kantonsrat.

      

«Das ist ein super Resultat», sagte Weiningens alt Gemeindepräsident Haug nach dem Entscheid. Damit werde für die Gemeindeabstimmung zum Weininger Beitrag von 3,5 Millionen Franken am kommenden Sonntag ein positives Signal gesendet. «Das Projekt ist unbestritten», so Haug. Dies sei auch der Tatsache zu verdanken, dass mit der geplanten 100 Meter langen Autobahnüberdeckung ein guter Kompromiss gefunden worden sei. 
Auch Gemeindeschreiber Persano freute sich: «Wenn jetzt am 23. September noch die Weininger Stimmberechtigten Ja sagen, steht das Projekt. Dann können wir endlich das Dorfzentrum aufwerten.» Dazu trage die vorgesehene Verlagerung des Werkhofs und des Feuerwehrdepots auf den Autobahndeckel entscheidend bei.