Dietikon
Kanton profitiert von Negativzinsen – und kassiert von den Banken 3 Millionen Franken

In Dietikon gewährte Finanzdirektor Ernst Stocker Einblick in sein Cash-Management.

David Egger
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Bündel mit Tausendernoten: Der Kanton kassiert 2017 von den Banken viel Geld. (Symbolbild)

Bündel mit Tausendernoten: Der Kanton kassiert 2017 von den Banken viel Geld. (Symbolbild)

Heutzutage ist es utopisch, dass der Kanton Zürich Staatsanleihen mit einem Zinssatz von 3,15 Prozent herausgeben würde. Wegen langer Laufzeiten gibt es aber noch solche von früher. Die letzte muss der Kanton 2020 zurückzahlen, wie Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) am Freitag nach seinem Sommer-Spaziergang beim Mediengespräch in der der Dietiker «Krone» sagte. Heute liegt der Durchschnittszins für Zürcher Staatsanleihen bei 1,15 Prozent. Auch das widerspiegelt aber nicht mehr die aktuelle Lage. Stichwort: Negativzinsen.

«Wegen der Tiefzinspolitik braucht es ein klares Cash-Management. Wir brauchen genug Geld, wollen aber auch nicht zu viel haben», sagte Stocker. Schliesslich müsste der Kanton dann Negativzinsen zahlen. Stattdessen hat die Finanzdirektion ihr Cash-Management so optimiert, dass sie von den Negativzinsen Btiert: 2017 hat der Kanton zwar total rund 900 000 Franken Negativzinsen zahlen müssen, weil er zu viel Geld in seiner Kasse hatte. Gleichzeitig nahm er aber über 3,96 Millionen Franken Negativzinsen ein. Bleiben 3,06 Millionen Franken Gewinn aus Negativzinsen. Der Kanton wurde also von den Banken belohnt, weil er bei ihnen Geld aufnahm. Die Banken machen das, um selber weniger Negativzinsen an die Schweizerische Nationalbank (SNB) abzuliefern. So wird Geld zur heissen Kartoffel, die alle sofort wieder loswerden wollen.

Beim Kanton zeigt sich das exemplarisch bei den Bundessteuern, die er eintreibt und dem Bund überweist. «Früher wollten wir die Bundessteuern aus dem Kanton Zürich möglichst lange behalten und noch für ein paar Monate als Festgeld anlegen. Heute schauen wir, dass das Geld sofort wieder weg ist, wegen der Negativzinsen», erklärte Stocker.

Stockers «Fachfrau Nummer 1»

Auch die Dimensionen des Zürcher Staatshaushalts erwähnte Stocker. Mit 15,6 Milliarden ist es der zweitgrösste der Schweiz. Nur der Bundeshaushalt mit 69,7 Milliarden ist noch grösser. Weiter tätigt der Kanton jeweils am 25. Tag des Monats 42 000 Lohnauszahlungen im Umfang von rund 380 Millionen Franken. Im kantonalen Buchungszentrum landen pro Jahr über 300 000 Rechnungen. Total kam es beim Kanton 2017 zu Cash-Bewegungen im Umfang von rund 55 Milliarden Franken. An manchen Tage kommt es auch mal vor, dass der Kanton eine 700-Millionen-Anleihe zurückzahlen muss und gleichzeitig 225 Millionen Franken aufnimmt. Herrin über die rund 60 000 Buchhaltungskonten ist Claudia Beier, die Leiterin des kantonalen Rechnungswesens. «Sie ist die Fachfrau Nummer 1 in der Schweiz», sagte Stocker stolz. Nicht ohne Grund: Die Finanzdirektorenkonferenz der Schweizer Kantone beispielsweise hat sie dazu bestimmt, das Land an internationalen Fach-Konferenzen zu vertreten.

Es war am Freitag nicht das erste Mal, dass Stocker in der «Krone» über Finanzen sprach – er hat sich dort auch schon mit seinem Aargauer Amtskollegen, Regierungsrat Markus Dieth (CVP) aus Wettingen, zum interkantonalen Austausch getroffen.

Stadtpräsident Roger Bachmann holte Regierungsrat Ernst Stocker persönlich beim Bahnhof ab.
11 Bilder
Ernst Stocker spaziert durch Dietikon
Roger Bachmann führte die Gäste durch die Dietiker Gegensätze: Hier das 1847 eröffnete Stationsgebäude der Spanisch-Brötli-Bahn ...
... und hier die in diesem Jahrzehnt fertiggestellten neuen Genossenschaftswohnungen im Altberg-Quartier und der Limmat-Tower im Limmatfeld-Quartier.
Vom Limmat-Tower zeigte sich Ernst Stocker sichtlich angetan. In seiner Heimat Wädenswil gibt es vehementen Widerstand gegen Hochhäuser.
Vom Limmatfeld begab sich die Spaziergangsgruppe in den alten Teil von Dietikon ...
... also zum Kronenareal. Die Taverne zur Krone wurde bekanntlich 1259 erstmals schriftlich erwähnt.
«Ihr habt es richtig schön hier in Dietikon, ich weiss gar nicht, wieso Ihr jammert. Die Stadt entwickelt sich in einem positiven Sinn, so nehme ich das wahr», sagte Ernst Stocker, ehe er in einem lockeren Mediengespräch Einblick in das kantonale Cash-Management gewährte.
Auf sie verlässt sich Stocker: Claudia Beier leitet das kantonale Rechnungswesen. Sie ist Chefin über die zweitgrösste Staatsbuchhaltung in der Schweiz. Hansruedi Bachmann als Generalsekretär der Finanzdirektion ist Regierungsrat Ernst Stocker ebenfalls direkt unterstellt.
Kommuniziert Plus und Minus: Roger Keller, Mediensprecher der Finanzdirektion, spazierte ebenfalls mit auf der Tour de Dietikon.
Regierungsrat Ernst Stocker und Stadtpräsident Roger Bachmann, hier auf dem Rückweg zum Bahnhof.

Stadtpräsident Roger Bachmann holte Regierungsrat Ernst Stocker persönlich beim Bahnhof ab.

az Limmattaler Zeitung / David Egger