Urdorf

Kanton bestätigt Corona-Alarm im Bunker für abgewiesene Asylsuchende – auch zwei Betreuer betroffen

Der Eingang zur Notunterkunft in Urdorf.

Der Eingang zur Notunterkunft in Urdorf.

In der Notunterkunft Urdorf sind 16 abgewiesene Asylbewerber und zwei Betreuer positiv auf das Coronavirus getestet worden: Das Rückkehrzentrum ist vorübergehend geschlossen - die 36 Bewohner werden nach ihrer Quarantäne nach Urdorf zurückkehren.

Corona-Alarm im Rückkehrzentrum in Urdorf: Die unterirdische Anlage ist seit Freitag geschlossen. Alle 36 abgewiesenen Asylbewerber, die in der Anlage lebten, sind verlegt worden.

«Gemäss unseren Informationen sind 16 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden», teilte das Bündnis «Wo Unrecht zu Recht wird» am Freitagnachmittag mit. Ein paar Stunden später bestätigte die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich, dass es im Rückkehrzentrum, das früher Notunterkunft hiess, zu Coronafällen gekommen sei. Konkret seien am Donnerstag 16 der 36 Bewohnenden positiv getestet worden, präzisierte Andrea Lübberstedt, die Chefin des Kantonalen Sozialamtes, auf Anfrage.

Quarantäne im Pflegezentrum

Die Bewohner des Rückkehrzentrums sind ins ehemalige Pflegezentrum Erlenhof im Stadtzürcher Kreis 4 gebracht worden. Dieses war bereits Ende März in ein Corona-Notspital umfunktioniert worden. Nun wird dort eine Isolations- und Quarantänestation betrieben. Alle 16 positiv getesteten abgewiesenen Asylbewerber werden im «Erlenhof» betreut. Für die weiteren 20 Bewohner aus dem Rückkehrzentrum Urdorf wurde Quarantäne verfügt; diese sind ebenfalls im «Erlenhof», in einem separaten Bereich, untergebracht worden. Die beiden infizierten Betreuer haben sich bei sich zuhause in Quarantäne begeben.

Für die Gegner der unterirdischen Unterkunft kommen die Coronafälle nicht unerwartet: «Wir haben bereits im April davor gewarnt», sagt Rechtsberaterin Jela Kistler vom Bündnis «Wo Unrecht zu Recht wird». Im Bunker liessen sich die Abstands- und Hygieneregeln einfach nicht einhalten. «Die Räume in der Anlage sind zu klein, die Lüftung ist zu schlecht.»

Bereits Ende März hatte sich auch Hausarzt Theo Leutenegger, der sich seit Jahren um die medizinische Betreuung der abgewiesenen Asylbewerber kümmert, an die «Limmattaler Zeitung» gewandt. Er hatte die Sicherheitsdirektion damals zu Beginn der Coronakrise aufgefordert, dass sie die unterirdische Unterkunft nicht nur zum Schutz der Bewohner, sondern auch zum Schutz der Urdorfer Bevölkerung stilllege. Dass dies nicht erfolgt ist, kritisierte Jela Kistler schon im Frühling. Nun, nach dem Bekanntwerden der Coronafälle, ist sie überzeugt: «Die Bewohner wurden bewusst einem Risiko ausgesetzt.»

Kanton: Das Restrisiko bleibt trotz allem

Der Kanton weist diesen Vorwurf wie bereits im April zurück: Es seien rechtzeitig zu Beginn der Pandemie alle notwendigen Massnahmen ergriffen worden, sagt Andrea Lübberstedt gegenüber der «Limmattaler Zeitung». So seien unter anderem zusätzliche Räume aktiviert worden. Zudem sei die Belegung des Rückkehrzen­trums auf deutlich unter 50 Prozent gesenkt worden. Die Zivilschutzanlage ist für 180 Personen konzipiert, normalerweise wird sie mit maximal 80 Plätzen betrieben. Nun hielten sich 36 Personen darin auf.

Dass es dennoch zu einer Verbreitung des Virus gekommen sei, lasse sich nicht verhindern, hält Lübberstedt fest. «Das Restrisiko einer Ansteckung besteht überall.» So könne es trotz aller Vorsicht und aller Massnahmen auch in Schulklassen, in Pflegezentren und nun im Rückkehrzentrum Urdorf zu derartigen Fällen kommen.

Nach der Quarantäne kehren sie zurück

Die Verlegung der abgewiesenen Asylbewerber in den «Erlenhof» ist gemäss Lübberstedt ruhig und professionell verlaufen. «Alle Beteiligten waren sich bewusst, dass der Umzug wichtig ist.» Das seit Freitag geschlossene Rückkehrzentrum wird nun gereinigt, so wie es auch vorher immer laufend gereinigt wurde, wie die Chefin des kantonalen Sozialamtes erklärt. Das Zentrum soll wieder eröffnet werden. «Wir werden alle Massnahmen mit der Betreiberin ORS noch einmal überprüfen, wie dies in derartigen Fällen üblich ist», sagt Lübberstedt. Sie geht davon aus, dass die Quarantäne der Bewohner des Rückkehrzentrums zehn Tage dauern wird. «Danach werden alle abgewiesenen Asylbewerber nach Urdorf zurückkehren.»

Für das linke Bündnis «Wo Unrecht zu Recht wird» ist dies der falsche Schritt. «Die Gefahren sind in der unterirdischen Anlage zu gross», sagt Kistler. Zudem sei die Anlage grundsätzlich zu schliessen, in einem solchen Bunker sei kein menschenwürdiges Leben möglich.

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