Schlieren
Kann ein Seilpark im Wald den Skatepark ersetzen?

Die FDP fordert einen Seilpark im Schlieremer Wald. Dass dieser zum Treffpunkt für Jugendliche taugt, glauben aber die wenigsten.

Alex Rudolf
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Seile und Natur anstatt Beton und Räder: Der FDP schwebt ein Seilpark vor. (Themenbild)

Seile und Natur anstatt Beton und Räder: Der FDP schwebt ein Seilpark vor. (Themenbild)

Hansruedi Aeschbacher

Die Bürgerlichen standen an der Parlamentssitzung von Anfang Juli in der Kritik. Ohne eine sinnvolle Alternative vorzubringen, würden sie den Skatepark im Zelgliquartier bachab schicken, hiess es damals von Mitte-Links. Nun wird die FDP Ortspartei aktiv und macht einen Vorschlag. Den Freisinnigen schwebt ein Seilpark im Schlieremer Wald vor. In einem Postulat bittet FDP-Fraktionspräsident John Daniels den Stadtrat, zu prüfen, ob ein solcher realisierbar wäre. Ein Seilpark würde die Anwohner nicht stören, schreibt Daniels in der Begründung. «Zudem wäre dies ein Novum in der Region. Unter Umständen würden sogar Tagestouristen ins Limmattal kommen», heisst es weiter. Bei der Tublerhütte sieht Daniels den optimalen Standort, da es in der Nähe Parkplätze für Auswärtige gibt und die Gegend auch vom Bahnhof Urdorf gut zu Fuss erreichbar ist. Daniels fordert: «Seile und Natur, anstatt Beton und Räder.»

Werkvorstand Stefano Kunz (CVP), der für das Skatepark-Dossier verantwortlich zeichnete, verweist darauf, dass der Stadtrat noch nicht darüber befunden habe, ob er den Vorstoss entgegennimmt. In seinem politischen Umfeld habe sich gezeigt, dass der Seilpark bereits einige Befürworter und Gegner habe. «Die einen finden es eine super Idee, die anderen orten ein schlechtes Gewissen der FDP, weil sie den Skatepark zu versenken half», so Kunz. Zweifelsohne sei es eine unorthodoxe Idee, die sicherlich für viele Diskussionen sorgen werde.

Kein Ersatz, aber eine Ergänzung

Von einer Bringschuld will Daniels nichts wissen. «Die Idee, aus dem Schlieremer Wald etwas zu machen, trage ich schon seit längerem in mir herum», sagt er auf Anfrage. So würden seine Kinder und Enkelkinder ihre Freizeit sehr gerne in Seilparks verbringen. Wie sich ein Projekt konkret ausgestalten könnte, müsse noch von Spezialisten ausgearbeitet werden: «Der Stadtrat soll nun erst die Machbarkeit prüfen.»

Es stellt sich die Frage, ob ein Seilpark ein Ersatz für ein Skatepark sein kann? Pit Bangerter, Präsident des Verbands Schweizer Seilparks, zweifelt daran. In Seilparks sei es aus Sicherheitsgründen wichtig, dass Aufsichtspersonal zugegen sei, was hohe Personalkosten nach sich ziehe. Jener in Arosa sei der einzige der 51 Seilparks der Schweiz, der unentgeltlich, aber nur mit Touristenkarte begehbar sei. «Kostet etwas Eintritt, werden Jugendliche dort wohl eher nicht regelmässig ihre Freizeit verbringen», sagt er. So sehen es auch Exponenten des Schlieremer Gemeinderates, die nicht namentlich genannt werden wollen: «Der Idee stehe ich grundsätzlich positiv gegenüber, doch ist ein Seilpark keine Alternative zum Skatepark», heisst es von einem linken Gemeinderat.

Daniels wendet ein: «Als Ersatz für den Skatepark ist der Seilpark auch gar nicht gedacht.» Er würde wohl eher das Freizeit-Angebot in Schlieren ergänzen, so Daniels.

Die Seilpark-Besucherschaft sei stark durchmischt, sagt Bangerer. Vor den Sommerferien kämen viele Schulklassen, an Wochenenden seien auffallend viele Familien vertreten. Bei der Erstellung eines Wald-Seilparks sei zudem auf die Gesundheit der Bäume zu achten. «Diese müssen stark und bei guter Gesundheit sein, um die Hängekonstruktionen tragen zu können», sagt er.

Bereits zwei Parks in Zürich

Dass es mit dem Milandia Hochseilpark in Greifensee und dem Seilpark Zürich in Kloten bereits zwei Angebote im Kanton gibt, hält Bangerter für kein Problem. Die Kantone Bern, Graubünden und Wallis weisen jeweils acht Seilparks auf: «Ich habe nicht das Gefühl, dass sich diese gegenseitig die Kundschaft abspenstig machen.»

Der Skatepark hätte zum Treffpunkt für die Schlieremer Jugend werden sollen. Im Jahr 2010 genehmigte der Gemeinderat dafür einen Kredit in der Höhe von 350'000 Franken. Wegen diverser Einsprachen der Anwohner verteuerte sich das Projekt, sodass die Exekutive in diesem Jahr einen Nachtragkredit von 231'000 Franken beantragt werden musste. Eine Einigung mit den Anwohnern hätte beschränkte Betriebszeiten, ein Musikverbot sowie die Option auf eine Umzäunung vorgesehen. Zu viele Eingeständnisse für den Gemeinderat. Er verweigerte den Zusatzkredit mit 16 zu 15 Stimmen.