Selbstversuch

Kann die Lust aufs Rauchen weghypnotisiert werden?

Bei einer Hypnose-Therapie begibt sich der Klient mithilfe der Therapeutin in einen Zustand der Trance. Gelingt ihm das, kann er angeblich mit seinem Unterbewusstsein kommunizieren.

Bei einer Hypnose-Therapie begibt sich der Klient mithilfe der Therapeutin in einen Zustand der Trance. Gelingt ihm das, kann er angeblich mit seinem Unterbewusstsein kommunizieren.

Nichtraucher werden mithilfe einer Hypnose-Therapie? Wir wollten herausfinden, wie und ob diese Methode tatsächlich funktioniert.

Da ich nur sehr wenig rauche, eigentlich nur am Wochenende und in Kombination mit Alkohol, habe ich den Versuch gewagt, diesem Laster mit Hypnose den Garaus zu machen. Während einer Hypnose können Klienten in Trance mit ihrem Unterbewusstsein kommunizieren. Werde ich meinem Unterbewusstsein auf diesem Weg endlich klar machen, dass Rauchen schlecht für mich ist?

Bereits drei Tage vor der Hypnose, bei einer Therapeutin im Limmattal, beginne ich mit den Vorbereitungen. Vor dem Einschlafen gewöhne ich mich mit einer CD an die Stimme der Hypnotiseurin und absolviere Übungen, die es mir erleichtern sollen, in einen Zustand der totalen Entspannung zu gelangen. Nach wenigen Minuten schlafe ich jeweils ein. Ich frage mich, ob das in der tatsächlichen Hypnose auch so sein wird.

Der Tag der Behandlung ist gekommen. Gleich zu Beginn der Session räumt die Hypnotiseurin meine Bedenken aus dem Weg, denn im Trancezustand schlafe der Klient nicht. Seine Sinne seien hellwach und zwei bis drei Mal aktiver als normalerweise, sagt sie. Statt nach aussen seien sie einfach nach innen gerichtet.

Während der Hypnose soll ich in mein Unterbewusstsein abtauchen, denn dort sei alles abgespeichert, wie Programme auf einem Computer. Das Ziel meiner Hypnose-Behandlung sei es, dasjenige Programm zu blockieren, das mich daran hindert mit dem Rauchen aufzuhören. Zusammen mit der Therapeutin mache ich mich daran, die Blockade und deren Ursprung zu ermitteln.

Auf Anweisung der Therapeutin folgt mein Blick ihren Händen in Richtung Decke und wieder nach unten. Mein Kopf bewegt sich dabei nicht. Bereits nach kurzer Zeit spüre ich, wie meine Augenlider schwerer werden. Als sie mir schliesslich erlaubt, die Augen zu schliessen, empfinde ich dies als Wohltat. Ich befinde mich in einem Zustand grosser körperlicher und mentaler Entspannung. Wie von der Hypnotiseurin prognostiziert, fühlt es sich nach gefühlten fünf Minuten bereits so an, als ob ich meine Augenlider nicht mehr öffnen könnte, auch wenn ich das wollte.

Die einleitenden Fragen der Therapeutin zu meinem Rauchverhalten und wie ich damit angefangen hatte, sind leicht zu beantworten, obschon ich mich ein wenig träge fühle. Am liebsten würde ich jetzt nicht sprechen. Doch die Therapie basiert auf dem Gespräch, bei dem erörtert werden soll, aus welchen Gründen ich mit dem Rauchen begann.

Immer weiter in die Vergangenheit lenkt sie mich mit ihren Fragen. Aus der Befragung ergibt sich, dass Langeweile in meiner Kindheit dazu geführt hat, dass ich mich einsam fühlte. Diese Leere versuchte ich dann angeblich mit dem Rauchen zu füllen. Die Hypnotiseurin will mich und mein inneres Kind zusammenführen. Ich soll der jungen Julia das geben, was ihr damals, in ihrer Kindheit, abging.

Leider fällt es mir schwer, mein Zwölfjähriges Ich zu visualisieren. Mein anfänglicher Zustand der totalen Entspannung lässt bereits nach. Dennoch versuche ich, mich weiterhin zu konzentrieren. Als ich der jugendlichen Julia aber sagen soll, dass ich sie liebe, und ich sie nie alleine lassen werde, spüre ich, wie sich mein Verstand dagegen wehrt. Zweifel befallen mich, ob das Ganze wirklich etwas bringt. Da ich auf die Frage, wie es sich anfühle mit meinem jüngeren Selbst zu sprechen, keine Antwort finde, ziehe ich es in Erwägung zu flunkern. Soll ich einfach behaupten, es fühle sich gut an? Ich entscheide mich dafür, ehrlich zu sein, und sage ihr, dass ich mir diese Szenarien nicht vorstellen könne. Daraufhin versucht sie, andere Szenarien für mich heraufzuholen. Doch ich merke, die Konzentration ist weg. Mein Kopf lässt es nicht zu, dass ich in ihm einen Film drehe.

Die alte Gewohnheit, der Griff zur Zigarette, muss durch eine neue ersetzt werden, erklärt die Therapeutin. Sie schlägt vor, mir stattdessen jeweils ans Herz zu greifen. Jedes Mal, wenn ich diese Geste in Zukunft ausführe, soll ich mich an das schöne Gefühl erinnern, als ich meinem Zwölfjährigen Ich sagte, dass ich es liebe.

Nachdem ich die Augen wieder geöffnet und den Zustand der Entspannung endgültig verlassen habe, erklärt sie mir, dass der Erfolg der Hypnose auf der vollständigen Kooperation des Klienten beruhe. Angst vor der Hypnose, oder falsche Vorstellungen davon, was sie wirklich ist, seien die einzigen Gründe dafür, dass es dem Klienten nicht gelinge in Trance zu fallen. Sie betont, dass sich die Erfolgschancen mit jeder weiteren Sitzung erhöhen würden. Sie habe damit schon vielen Menschen geholfen und die Hypnose sei in den meisten Fällen erfolgreich gewesen.

Bei mir, so scheint es, haben Skepsis, ein Mangel an Vorstellungskraft und ein falsches Bild von Hypnose verhindert, dass ich mit meinem Unterbewusstsein kommunizierte. Meine Konzentration war, so schnell wie sie da war, leider auch wieder weg. Ein Gespräch mit mir als Teenie kam also nicht zustande – hätte es geklappt, hätte ich zu mir gesagt: «Lass das Rauchen einfach sein.»

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