Das schummerige Licht zweier Scheinwerfer beleuchtet knapp die Hauptdarsteller des Abends – Kontrabass, Schlagzeug und Piano. Noch stehen sie ungespielt da und warten auf ihre Musiker. Urchig und gemütlich ist es im Kulturstall. Die schweren Holzbalken an der Decke und der alte gepflasterte Steinboden verleihen dem Raum seinen Charme. An kleinen Tischen haben bereits die Besucher Platz genommen und schenken sich Wein ein.

Draussen stehen die Musiker des Trios «les malcommodes» bereit und warten darauf, im Kulturstall ihren Instrumenten Jazzklänge zu entlocken. Eine letzte Absprache des Trios auf Französisch, und die kanadischen Gäste betreten die Scheune.

Félix Stüssi, Pierre Tanguay und Daniel Lessard sind in der Jazzszene ihrer Heimat keine Unbekannten. In den vergangenen drei Wochen haben sich die Männer aus Montréal Abend für Abend ebenfalls Bekanntheit in verschiedensten Städten Europas geschaffen. Nach Frankreich, Deutschland und Belgien ist das Trio in der Schweiz gelandet und schliesst seine Reise mit dem Auftritt im Kulturstall ab.

«Les malcommodes» heisst auf Deutsch so viel wie «die Lausbuben». Félix Stüssi, als Glarner vor 16 Jahren nach Kanada ausgewandert, sagt: «Wir machen Musik mit Schalk und nehmen uns nicht allzu ernst. Unsere Stücke sollen durch den Bauch gehen.» Während Stüssi mit seinen Fingern die Klaviertastatur hinauf und hinunter saust, scheint der Kontrabassist mit seinem Instrument zu verwachsen. Mit beiden Armen hält Lessard den Bass fest und zieht mit Schwung an den einzelnen Saiten. Schlagzeuger Pierre Tanguay hat während dessen die Augen geschlossen und ein Lächeln auf dem Gesicht. Erst als sein Einsatz kommt, öffnet er die Augen wieder und bewegt die Lippen im Takt zu Paukenschlägen und Trommelwirbeln mit.

Musizieren ist diskutieren

Tanguay gehört zu den bekanntesten Jazzmusikern in Kanada. Im Kulturstall zeigt er dem Publikum die unterschiedlichsten Facetten des Schlagzeugspielens. Für seine Soli wechselt er mehrmals hintereinander die Stöcke. Besensticks für ruhige Klänge, Filzsticks für mittlere Lautstärken und die hölzernen Stöcke für energievolle Passagen.

«Musik spricht auf der ganzen Welt dieselbe Sprache», so Tanguay. Es spiele für ihn daher keine Rolle, ob er vor Schweizer Publikum auftrete oder vor kanadischem. Wichtig sei, dass man Jazz live höre, da es lebendige Musik sei. «Jedes Mal wenn wir eines unserer Stücke spielen, klingt es verschieden. Musizieren ist wie diskutieren. Wir führen ständig Dialog auf der Bühne und erfinden unsere Musik neu», so Tanguay. Der Auftritt im Kulturstall sei für ihn ein ganz spezieller. «ich war schon oft in der Schweiz, jedoch noch nie in einer Scheune.»

Das Publikum zeigt sich fasziniert von der kanadischen Jazzmusik und spendet den Musikern mitten in den Stücken spontanen Applaus. Zum Abschluss holen «les malcommodes» als Überraschung Gastgeber Samuel Spahn mit seiner Klarinette auf die Bühne.

Der Biohofbesitzer schlägt sich wacker und spielt nach einem ersten Stück sogar noch ein zweites mit dem Trio mit. «Les malcommodes» sind nach ihrem Auftritt im Kulturstall begeistert. «Die Scheune erinnert mich an Glarus. Die Mischung aus Kultur und Bauernhof gefällt mir sehr», so Stüssi. Er freue sich, die Schweiz bald wieder besuchen zu können, wenn er mit seinem Sextett und Stargast Ray Anderson auf Tournee sei.