Der eingeklagte Vorfall passierte in der Nacht auf den 8. Juli 2012. Damals hatte sich ein heute 32-jähriger Kampfsportler aus Dietikon in Zürich mit einer Gruppe Männer überworfen. Kurz nach Mitternacht fuhr der Limmattaler mit dem Zug nach Hause und erlebte vor seinem Wohnort eine böse Überraschung. So waren ihm die Männer mit dem Auto nach Dietikon gefolgt und wollten ihn dort zur Rede stellen.

Sicher ist, dass der heute 24-jährige Lenker des Fahrzeugs plötzlich auf das Gaspedal drückte und mit einem Tempo von bis zu 40 km/h gegen den auf der Strasse stehenden Geschädigten losfuhr. Der Dietiker konnte nicht mehr ausweichen, rettete sich aber mit einem verwegenen Sprung auf das Auto. Dabei wurde er über das Autodach geschleudert und drehte sich während des Sturzes auf die Strasse geschickt ab. Mit der Folge, dass der trainierte Kampfsportler dank seiner athletischen Konstitution mit einer Beule an der Stirn sowie leichten Hand- und Fussverletzungen noch glimpflich davon kam. Der Autofahrer setzte sich vom Tatort ab, wurde aber von der Polizei schnell ausfindig gemacht.

Auf Notwehr berufen

Vor zwei Wochen musste sich der Automobilist wegen Gefährdung des Lebens, versuchter schwerer Körperverletzung sowie grober Verletzung vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Der Hilfskoch stritt den Vorfall nicht ab, machte aber rechtfertigende Notwehr geltend. So habe sich der Privatkläger mit einem Messer in der Hand dem Auto genähert, erinnerte er sich zurück. Die Verteidigung forderte deshalb einen Freispruch. Ihr Mandant habe bloss zur Sicherung seines Lebens gehandelt, plädierte sie.

Das Bezirksgericht Dietikon schloss eine gerechtfertigte Notwehr aus. So hat es den Autolenker in einem am Mittwoch eröffneten Urteil wegen versuchter schwerer Körperverletzung für schuldig befunden. Mit einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 40 Franken, also 10 800 Franken sowie einer Busse von 800 Franken kam der Beschuldigte glimpflich davon. Bereits die Staatsanwaltschaft hatte mit 270 Tagessätzen zu 30 Franken nur eine Geldstrafe verlangt. Aber immerhin unbedingt.

Die Schadenersatzbegehren des Opfers verwies das Gericht auf den Weg eines Zivilprozesses. Hingegen verpflichtete es den Täter, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 800 Franken zu bezahlen. Am meisten dürfte den Beschuldigten die Auferlegung der Verfahrens- und Gerichtskosten von rund 7000 Franken schmerzen.