Sommerserie

Kampfkatzen, scharfe Hunde und Bienenhotels in Familiengärten

Barney mit Frauchen Silvia D’Alessio.

Barney mit Frauchen Silvia D’Alessio.

Einigen Tieren versucht man in Familiengärten Lebensraum zu geben – andere möchte man fernhalten. Im Limmattal pflegen über 1000 Personen einen Kleingarten. Grund genug, das Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer sich durch das Schlieremer Familiengartenareal Betschenrohr bewegt, sollte vorsichtig sein. Offensichtlich sind zwar zurzeit viele der Pächter in den Ferien; nur vereinzelt trifft man Leute, die den Rasen mähen oder Gemüse setzen. Ein Schild macht den Besucher aber darauf aufmerksam, wer in der Zwischenzeit auf das Gartenhaus aufpasst: «Vorsicht, Kampfkatze» steht da am Gartentor. Ein lautes «Miau» unterstreicht diese Warnung. Die «Kampfkatze» liegt etwa zwei Meter vom Gartentor entfernt und scheint vom warmen Wetter etwas erschöpft zu sein. Trotzdem bewacht sie aufmerksam ihr Revier.

Einige Parzellen weiter erneut eine akustische Warnung: ein Bellen. Allerdings stellt sich bald heraus, dass das Bellen vielmehr eine Begrüssung ist. Auch hier klärt ein Schild die Besucher auf, um was für ein Tier es sich handelt: «Scharfer Hund», steht da. Hund Barney schaut mit treuherzigen Augen und stupst den Besucher vorsichtig mit der Schnauze an, um ihn zum Spielen aufzufordern. Nicht gerade ein Einbrecherschreck.

Dafür gibt es auch keine Probleme mit der Kampfkatze: «Er geht ihr lieber aus dem Weg», weiss Frauchen Silvia D'Alessio. Sie geht mit dem Hund öfters am Morgen spazieren und verbringt dann den Nachmittag im Schrebergarten. Probleme gab es wegen Barney noch nie: «Er bellt eigentlich nie, nur zur Begrüssung», sagt D'Alessio.

Schlangenburg und Bienenhotel

Im Betschenrohr setzt man sich aber auch für andere Tiere ein. Gemäss Pflegekonzept, das im Auftrag der Stadt Schlieren erarbeitet wurde, soll entlang des Auenwaldes ein sogenannter «Krautsaum» - ein Übergang zwischen Wald und Kulturland - von mindestens fünf Meter Breite angelegt werden. Der minimale Abstand von Gartenhäusern zum Wald beträgt in Zukunft 30 Meter. Deshalb werden einige Parzellen aufgelöst - bei Kündigung oder spätestens nach Vertragsablauf werden sie nicht mehr weitervermietet.

Dann wird das Gebiet renaturiert: Die Gartenhäuser wurden auf Betonfundamenten oder Grundplatten errichtet, in den Gärten wurden die Wege zwischen den Beeten mit Wegplatten und Stellriemen versehen - alle diese Elemente müssen entfernt werden.

Am Konzept der Renaturierung mitgearbeitet hat auch ein Schlieremer Naturschutzverein: «Der Auenwald erhält in nächster Zeit einen für die Biodiversität wichtigen Krautsaum, in dem viele neue Pflanzen gedeihen und Insekten und Vogelarten Lebensraum und Nahrung finden», sagt Nino Kuhn, Präsident des Schlieremer Vogel- und Naturschutzvereins Schwalbe. Verschiedene Naturelemente werden durch den Verein erstellt.

Bei den sogenannten «Schlangenburgen» handelt es sich um Kompostgitter, die mit Steinen gefüllt werden. Sie sind eine Rückzugsmöglichkeit für Schlangen, Blindschleichen und Eidechsen. «Bienenhotels» werden Wildbienen und Hummeln Unterschlupf bieten. Richard Oesterreicher, ebenfalls Mitglied beim Vogel- und Naturschutzverein, hat in seiner Parzelle bereits ein Hotel aufgestellt. Allerdings haben noch nicht sehr viele Tiere von diesem Angebot Gebrauch gemacht: «Ich war wohl etwas zu spät, im nächsten Jahr hat es dann bestimmt mehr Insekten», sagt Oesterreicher.

Noch nicht im Pflegeplan enthalten sind Pläne für einen Teich. «Wir werden aber auch dafür ein Projekt einreichen. Denn der Teich ist wichtig als Lebensraum von Amphibien und Reptilien», sagt Kuhn.

Essensreste ziehen Füchse an

Während man in Schlieren neue Tiere anlocken will, versucht man in Urdorf, eines fernzuhalten: den Fuchs. Peter Weber, Präsident des Familiengartenvereins Urdorf, hat schon öfters einen Fuchs beobachtet, und vermutet, dass es jeweils derselbe ist: «Der Fuchs kommt oft und läuft quer durch den Garten, sucht dann nach Essen und scharrt auch in den Gärten.» Deshalb rät er den Pächtern, kein Essen zu kompostieren.

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