Schlieren

Kalktarren-Jugendliche bescheren Schlieren seinen ersten «Tatort»

Am Montag filmte die Schulklasse ihre Lesung. Heute ab 18 Uhr ist das Video auf Youtube.

Am Montag filmte die Schulklasse ihre Lesung. Heute ab 18 Uhr ist das Video auf Youtube.

Im Rahmen eines Sprach-Förderprogramms verfassten Schlieremer Schülerinnen und Schüler blutrünstige Drehbücher. Heute Abend lesen sie ihre Werke im Rahmen des Literaturfestivals «Zürich liest» vor.

Die erste Folge des neuen Züri-­Tatorts flimmerte vergangenen Sonntag über die Bildschirme und feierte mit knapp 7,5 Millionen Zuschauern einen gebührenden Einstand. Wohl mit weniger Publikum, jedoch genauso schaudernden Verbrechen stehen heute Abend die Schülerinnen und Schüler zweier Klassen der dritten Sek des Schlieremer Schulhauses Kalktarren im Mittelpunkt. Sie verfassten im Rahmen eines Schreibförderprogramms eigene Krimis, die allesamt in Schlieren spielen. In einem Video, das am vergangenen Montag aufgenommen wurde, tragen die Jugendlichen Auszüge vor. Zu sehen ist dieses im Rahmen des Literaturfestivals «Zürich liest» auf der Videoplattform Youtube. Heute um 18 Uhr geht das Video «Der andere Tsüri-Tatort» online.

Tsüri-Tatort

Eigentlich habe man eine grosse Lesung am Sitz der Kantonspolizei im Herzen Zürichs durchführen wollen, sagt Richard Reich, Co-Leiter des Jungen Literaturlabors (Jull). Man sah nun jedoch wegen der stark steigenden Anzahl von Coronafällen davon ab. Die Texte entstanden bereits im Frühling im Rahmen von mehreren Workshops mit ausgewiesenen Drehbuchautoren. Beteiligt waren auch Förderprogramme wie das Quims (Qualität für multikulturelle Schulen) und Schule&Kultur.

Im Wald liegt eine abgetrennte Hand

Während es die beiden Tatort-­Kommissarinnen in ihrem Fall am Sonntag mit einem Verbrechen im Zusammenhang mit den Jugendunruhen aus dem Jahr 1980 zu tun hatten, behandelten die Schlieremer Jugendlichen andere Themen. Eine Protagonistin findet im Wald eine abgetrennte Hand vor, eine andere wird Opfer einer üblen Schlägerei und ein russischer Geheimagent versucht die Flucht aus dem Gefängnis.

Warum entschieden sich die Verantwortlichen für das blutrünstige Krimi-Genre als Thema? Laut Reich gab es dafür mehrere Gründe. Lorenz Langenegger, Co-Autor des Tatorts «Züri brännt», arbeite bereits seit Jahren mit dem Jull zusammen und erteilt Jugendlichen gemeinsam mit Karim Patwa Schreiblektionen. Auch habe man bereits seit langem mit der Kantonspolizei zusammenarbeiten wollen, da Themen wie Drogen, Verbrechen und Gewalt immer wieder in den Texten der Jugendlichen vorkommen. So stellte die Kapo den Jugendlichen gleich drei Experten zur Seite. Zur Vorbereitung hielten die Polizeibeamten der Abteilung Leib und Leben, die realen Pendants der beiden Tatort-Ermittlerinnen, ein kleines Referat über ihre Tätigkeit. Anschliessend standen sie den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. Diese hätten mit ihrer Neugier nicht hinterm Zaun gehalten: «Die Ermittler wurden etwa gefragt, ob sie für die Todesstrafe seien oder ob sie schon mal jemanden umgebracht hätten», erinnert sich Reich.

Wie fanden die Jugendlichen denn den Tatort aus der Feder ihres Mentors Langenegger? «Die meisten haben ihn noch nicht gesehen», sagt Sonja Scheu Gumy auf Anfrage. Die verantwortliche Klassenlehrerin werde das Thema diese Woche im Unterricht aber nochmals aufgreifen. Da die Arbeit an den Texten bereits längere Zeit zurückliege, seien bei den Schülerinnen und Schülern nun andere Themen aktuell, sagt sie. «Während des Schreibprozesses war bei den Klassen viel Begeisterung zu spüren. Zurzeit steht bei den meisten jedoch die Berufswahl im Zentrum.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1