Mit ihrem Engagement für Obdachlose, die sie seit rund 16 Jahren mit Tagesfrischprodukten aus Zürcher Läden versorgt, hat die Birmensdorferin Hélène Vuille eine Welle ausgelöst, die sich auch weiterhin durchs Limmattal zieht. Am Mittwoch las Vuille in der Geroldswiler Gemeindebibliothek aus ihrem Buch «Im Himmel gestrandet», das im Jahr 2012 erschienen ist.

Auch hier sorgte das Thema Food Waste unter den anwesenden Gästen für angeregte Diskussionen. «Ich dachte, dass vielleicht die Angestellten die Tagesfrischprodukte am Abend mit nach Hause nehmen dürfen», sagte eine Besucherin. Doch Vuille schüttelte den Kopf: «Tonnenweise landen die noch geniessbaren Torten und Crèmeschnitten nach Ladenschluss im Müll.» Damit löst die Autorin Entsetzen im Publikum aus. «Es ist unglaublich, dass Esswaren blechweise im Abfall landen», sagt Besucherin Susi Leuenberger.
Trotz entsetzter und frustrierter Gesichter: Die Autorin gab sich kämpferisch. «Das Buch und auch die mediale Berichterstattung haben viele Steine ins Rollen gebracht. Wir sind dabei, das Projekt weiter auszubauen und mehr Obdachlosenheime zu beliefern», so die Birmensdorferin. Vor 16 Jahren begann Vuille, Tagesfrischprodukte, die bei den grossen Detailhändlern nach Ladenschluss eigentlich im Müll landen würden, an Obdachlosenheime zu verteilen. Damals ahnte die heute 60-Jährige noch nicht, dass dies ihr Leben verändern wird. Seither kämpft sie trotz vieler Hürden um eine gesetzliche Verankerung ihres Vorhabens und erntet dafür viel Lob und Bewunderung. Nicht zuletzt wurde sie zur «Limmattalerin des Jahres 2013» gewählt.

«Kann jedem passieren»

In ihrem Buch schildert Vuille die Geschichten von Obdachlosen, welche schon bei manch einem Leser ein Umdenken auslösten. Auch in Geroldswil stiess Vuille mit der Thematik der Lebensmittelverschwendung und der Achtlosigkeit gegenüber Obdachlosen nicht auf taube Ohren. «Jeder von uns hat schon Obdachlose auf der Strasse gesehen, sich dabei aber wahrscheinlich nicht viel gedacht. Wir müssen uns bewusst werden, dass dies jedem passieren kann», sagte etwa Silvia Sguizzarelli, die nach der Vorlesung mit ihrer Freundin Karin Liebhart angeregt weiterdiskutierte.

«Der unangemessene Umgang der Detailhändler mit Tagesfrischprodukten ist wirklich furchtbar, und ich bin froh, dass Hélène Vuille darauf aufmerksam macht», sagte auch die Leiterin der Gemeindebibliothek, Conny Voltzenlogel. Die Bibliothek habe Vuille vor allem auch deshalb eingeladen, damit die aktuelle Aufmerksamkeitswelle nicht sofort wieder verebbe: «Ich finde, das sollte jeder erfahren», so Voltzenlogel.