Nachgefragt
Justizdirektorin Fehr: «Zürich pflegt eine restriktive U-Haft-Praxis»

Im Interview erklärt SP-Justizdirektorin Fehr, weshalb sie die Hafbedingungen lockern will und wieso die U-Haft im Kanton Zürich so streng ist.

Lina Giusto
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Seit 2015 ist Jacqueline Fehr als SP-Regierungsrätin Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Inneren des Kantons Zürich.

Seit 2015 ist Jacqueline Fehr als SP-Regierungsrätin Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Inneren des Kantons Zürich.

AZ

Frau Fehr, warum ist die Untersuchungshaft im Kanton Zürich so streng?

Jacqueline Fehr: Es ist richtig und wichtig: Während einer U-Haft gilt die Unschuldsvermutung. Trotzdem müssen Staatsanwaltschaft und Polizei herausfinden, ob und wie eine dringend verdächtigte Person mit einer Tat zu tun hat. Man muss die Person festhalten und dafür sorgen, dass sie sich nicht mit anderen abspricht und Beweismittel beseitigen lässt. Zu Beginn der U-Haft ist diese Klarheit sehr wichtig.

Warum wollen Sie die Haftbedingungen nun lockern?

Der Vergleich mit anderen Kantonen und auch Deutschland zeigt, dass Zürich eine restriktive U-Haft-Praxis pflegt. Nicht zuletzt die Strafverteidiger kritisierten das. Auch ich bin der Meinung: Die Strafuntersuchung hat Priorität. Weil U-Haft für Betroffene aber sehr hart ist, müssen wir prüfen, welche Einschränkungen es unbedingt braucht. Für einzelne Gefangene wird das bestimmt Verbesserungen bringen.

Welche denn?

In der ersten Phase verläuft die U-Haft wie bisher. In der zweiten Phase, zum Beispiel nach sechs Monaten, können Gefangene telefonieren, Besuche ohne Trennscheibe empfangen, im Gruppenvollzug Mitgefangene in deren Zellen besuchen und auch arbeiten. Ob der Wechsel in die zweite Phase möglich ist, entscheidet die verfahrensleitende Staatsanwaltschaft.

Was bringt das neue Modell?

Wir können damit den Zweck der Untersuchungshaft sichern, also die Strafuntersuchung sauber führen. U-Haft kann für die Betroffenen schädliche Nebenfolgen wie Arbeits-, Wohnungs- und Beziehungsverlust bedeuten. Dem wirken wir mit dem neuen Modell entgegen.

Was die Zürcher Justizdirektion genau entschieden hat, lesen Sie hier.