Er nennt sich «Thompson», angelehnt an den Namen seiner Maschinenpistole, die der 49-Jährige als Angehöriger der kroatischen Armee Anfang der 1990er-Jahre im Jugoslawienkrieg benutzte. Seinen ersten Hit «Bojna Cavoglave» schreibt der damalige Frontsoldat 1992. Darin droht er den mit der jugoslawischen Armee verbündeten serbischen Aufständischen, die zu diesem Zeitpunkt ein Drittel des Staatsgebiets besetzt halten, dass «unsere Hand euch auch in Serbien erreichen» wird.

Marko Perkovics Auftritte sind bis heute voller Doppeldeutigkeiten und es kursieren Bilder, auf denen das Publikum dem Kroaten den Hitlergruss zeigt. Nun soll er am 3. September 2016 in der Sporthalle Unterrohr vor etwa 1000 Gästen in Schlieren auftreten. Die Juso des Kantons Zürich wollen den Auftritt unbedingt verhindern.

In einem offenen Brief fordert die Partei den Stadtrat auf, das Konzert abzusagen. Der Brief sei einmal ein erster Schritt, der den Anstoss gebe, dass das Thema im Stadtrat besprochen werde, sagt Lewin Lempert, Co-Präsident der Juso Kanton Zürich. Wer die Sache nüchtern betrachte, müsse einsehen, dass von diesem Konzert eine grosse Gefahr ausgehe. An Veranstaltungen des Sängers komme es immer wieder zu faschistischen Manifestationen und Gewaltausschreitungen. Perkovic sei ein Feind der freien und demokratischen Gesellschaft.

Zweiter Anlauf im Limmattal

Es ist bereits der zweite Anlauf, den der umstrittene Musiker unternimmt, um im Limmattal auf eine Bühne treten zu können. Denn Perkovic steht aufgrund seiner rechtsnationalen Musik immer wieder öffentlich in der Kritik. 2008 durfte er auf Beschluss des Dietiker Stadtrats hin nicht in der Stadthalle auftreten, da die Exekutive eine Gefährdung von Ruhe und Ordnung durch das Konzert befürchtete. Nur ein Jahr später verweigerte das Bundesamt für Polizei aufgrund der möglichen Verletzung des Antirassismusgesetzes dem Musiker sogar die Einreise in die Schweiz, als ein Konzert in Kriens hätte stattfinden sollen.

Stadtrat beurteilt die Lage neu

Pierre Dalcher, Sicherheitsvorstand der Stadt Schlieren, bestätigt den Erhalt des Briefes der Juso. «Der Stadtrat wird den Stand der Dinge neu aufnehmen müssen», so Dalcher. Es sei zu einfach, sich lediglich auf die Vorkommnisse von 2009 zu berufen. Die Lage müsse heute neu beurteilt werden. Die Stadt Schlieren stehe mit dem Fedpol und der Kantonspolizei in Kontakt. Über genauere Details, wie die Polizei am Tag des Konzerts vor Ort präsent sein wird, will Dalcher keine Auskunft erteilen. «Das ist eine sicherheitsrelevante Angelegenheit», sagt er.
Lempert hofft indessen, dass die Sicherheitsdirektion von Schlieren und diejenige des Kantons es gar nicht so weit kommen lassen, das Konzert zuzulassen. Die Juso warteten jetzt erst einmal ab und blieben an der Sache dran. «Wird das Konzert nicht abgesagt, werden wir neue Schritte prüfen», so der Jungpolitiker.

Sporthalle gibt sich unwissend

Wie umstritten die Musik von Perkovic tatsächlich ist, wusste Louis Rissi, Präsident der Sporthalle Unterrohr, nach eigenen Angaben bis dato nicht. «Ich höre zum ersten Mal, dass Perkovic aufgrund seiner rechtsnationalen Musik in der Kritik steht», so Rissi. Beim Vorstand der Sporthalle Unterrohr habe man davon zum Zeitpunkt der Vermietung auf jeden Fall nichts gewusst. «Wir sind politisch neutral. Sollten die Behörden Bedenken haben, werden wir gemeinsam eine Lösung finden», so Rissi. Bisher sei er aber weder vom Stadtrat noch von der Stadtpolizei kontaktiert worden.