Urdorf
Jury trainiert für bitteren Ernst der Schweizer Bartmeisterschaften

Die Jury der Bart-Meisterschaft holt sich zurzeit den letzten Schliff. Erwartet werden Bartträger auch aus diversen europäischen Ländern. Sie werden sich einer sehr strengen Jury zu beweisen haben.

Alex Rudolf
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Diese Bärte messen sich an Meisterschaft
12 Bilder
Der Fantasie sind beinahe keine Grenzen gesetzt - .
Auch mithilfe von Kostümen dürfen die Bärte unterstrichen werden - .
Ein Beispiel aus der Kategorie Vollbart Freestyle.
Im Rennen um den Titel in der Kategorie Backenbart Kaiserlich.
Ein Vertreter der Kategorie Kinnbart Musketier.
Gute Chancen auf einen Pokal in der Kategorie Freestyle.
Die Jury studiert zu Übungszecken die Bärte von vergangenen Schauen.
Teils entstehen hitzige Diskussionen.
Heinz Wissmann, Präsident des Schnauz- und Bart-Clubs hält die Jury für zu streng.
Dies zeigt sich beim Austeilen der Bewertungstafeln zu Übungszwecken.
Kaum eine Gesichtsbehaarung schafft es über die Note Sieben.

Diese Bärte messen sich an Meisterschaft

ZVG

«Ist das ein Dalí?», ruft eine Frauenstimme in die Runde. «Nein. Der müsste doch mehr Oberlippenbreite haben», heisst es von der anderen Seite des mit Bildern und Prospekten bedeckten Tischs. Teilweise hitzige Diskussionen entstehen darüber, in welche der 18 Kategorien – eine davon ist nach dem spanischen Maler benannt – die Gesichtsbehaarung des an die Wand projizierten Mannes einzuteilen ist.

Die sieben Streitlustigen bilden die Jury der ersten internationalen Schweizer Bartmeisterschaften, die in gut zwei Wochen im Rahmen des Urdorffäschts über die Bühne gehen. Zurzeit trainiert die Jury für den grossen Tag, an dem sie über Sieg und Niederlage entscheiden und somit manches männliche Ego bestärken oder kränken wird.

Im Gruppenraum des Zentrums Spitzacker herrschte eine Stunde zuvor noch Ruhe. Heinz Wissmann, Präsident des Urdorfer Schnauz- und Bart-Clubs und Träger eines Garibaldi-Vollbarts, wartet auf das Eintreffen der Jury-Mitglieder.

Im Jahr 1995 wurde er zum Vollbart «Freestyle»-Vize-Weltmeister gekürt. Für Aussenstehende mag dies die Königsdisziplin sein, da die Herren ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Dies hat zur Folge, dass manche Teilnehmer sich wahre Skulpturen ins Gesicht frisieren. «Wettkämpfe in dieser Disziplin habe ich jedoch an den Nagel gehängt. Acht Jahre lang investierte ich jeden Morgen eine Stunde in die Pflege. Das wäre mir heute zu anstrengend», sagt er.

Der Urdorfer Schnauz- und Bart-Club – der im nächsten Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum feiert – zählt heute zwölf Mitglieder, die regelmässig an Wettbewerben teilnehmen.

Für den Urdorfer Wettbewerb haben sich bis jetzt rund 70 Teilnehmer angemeldet. Mehrheitlich aus Deutschland, aber auch aus Österreich, den Niederlanden, England und Frankreich, reisen die Bart-Aficionados an.

Urdorfer Jury ist hart

Im Raum ist wieder Ruhe eingekehrt. Klick für Klick erscheinen Bilder von vergangenen Wettbewerben an der Wand, die Jury schweigt und beäugt die Bärte. Augen werden zusammengekniffen, es wird genickt.

Stillschweigend ist man sich einig. «Während der vergangenen Wochen habe ich die Jurymitglieder mit Infomaterial eingedeckt», sagt die Jury-Präsidentin Sandra Weber. Fleissig habe die Jury gelernt.

Vereinspräsident Wissmann sieht aber noch Potenzial bei der Juryleistung. «Im Vergleich zu internationalen Wettbewerben ist die Urdorfer Jury sehr streng.» Dies zeigt sich, als die Bewertungstafeln verteilt werden und es darum geht, die projizierten Bärte übungshalber zu benoten.

Mit einer gewissen Überraschung in der Stimme liest Wissmann die in die Luft gehaltenen Tafeln laut vor. Dreimal kommt die 5, viermal die 5,5. «Hierbei handelt es sich um einen mehrfach ausgezeichneten Weltmeister», wirft Wissmann ein.

Für diesen Bart habe er damals nur Zehnen erhalten. Die Jurymitglieder schauen sich an, zucken mit den Schultern. Sie alle sind ausgebildete Coiffeusen und Coiffeure, verstehen etwas vom menschlichem Haar.

Sandra Weber ergreift beherzt das Wort und erklärt, dass die Bewertungen so tief seien, weil der Teilnehmer in der falschen Kategorie mitmache. «Hier sind keine Hilfsmittel erlaubt. Dass sich die Schnauzspitzen aber derart in die Höhe biegen, das ist nicht möglich ohne Haarprodukt», sagt sie.

Die Einteilung der Bart-König-Aspiranten in die 18 Kategorien wird von einer Vorjury vorgenommen. Diese besteht aus einer dreiköpfigen Delegation, die vom Verband Deutscher Bartklubs gestellt wird.

«Der Teilnehmer kann nichts dafür, dass er in der falschen Kategorie ist», so Wissmann. Seine Hoffnung auf ein milderes Urteil beim nächsten Foto wird jäh enttäuscht. Wieder zeigen sich beim Blick zur Jury lauter Fünfen und Sechsen. «Daran müssen wir noch arbeiten», so Wissmann.

Die Jury kommt langsam in Fahrt. Die Sprüche werden lauter, Witze ernten mehr und lauteres Gelächter. Die Annahme, dass es an Wettbewerben ähnlich locker zu- und hergeht, ist jedoch nur teilweise richtig. Wissmann versichert, dass es bei den meisten Teilnehmern ums Gewinnen gehe.

«Zwar herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre, einige verbissene Teilnehmer verlieren aber hin und wieder die Beherrschung bei einer schlechten Bewertung», sagt er mit einem Schmunzeln.

Die internationalen offenen Schweizer Bartmeisterschaften finden am 24. Mai im grossen Festzelt in Urdorf statt. Anmeldung für den Wettbewerb ist noch am Tag selber ab 9 Uhr möglich.